Goldfund

Klingnau erhält 105'000-Franken-Goldbarren – ehrliche Gemeinde-Arbeiter mit Finderlohn zufrieden

Die Gemeinde Klingnau ist auf einen Schlag um rund 100'000 Franken reicher. Seit Freitagmorgen sind nämlich offiziell die 2,6 Kilogramm Goldbarren in ihrem Eigentum, die zwei Gemeindearbeiter vor 5 Jahren beim Mähen einer Magerwiese gefunden hatten.

Jahrelang befanden sich die Klingnauer Goldbarren im Dunkeln eines Banktresors, am Freitag nun lagen sie in einem bordeauxroten, gepolsterten Körbchen im Gemeinderatszimmer der altehrwürdigen Propstei. René Lippuner, Chef der Regionalpolizei und des Fundbüros, übergab sie in einem kurzen offiziellen Akt Gemeindeammann Oliver Brun. Die beiden sowie Gemeindeschreiber Rolf Walker unterschrieben die entsprechenden Dokumente. «Die Fundsache geht damit in das Eigentum der Gemeinde über», hielt Lippuner fest. Die zehn Goldbarren mit einem Gesamtgewicht von 2,6 Kilogramm sind aktuell rund 105'000 Franken wert. 

Übergabe des Klingnauer Goldfunds an die Gemeinde

Übergabe des Klingnauer Goldfunds an die Gemeinde

Gemeindeammann Oliver Brun und Gemeindeschreiber Rolf Walker kontrollieren den Bestand und bestätigen den Empfang des Goldschatzes per Unterschrift. René Lippuner, Chef der Regionalpolizei Zurzibiet, übergibt die herrenlose Goldbarren an die Gemeinde Klingnau.

"Eine Neverending-Story hat damit ihren Abschluss gefunden", sagte Lippuner in Anspielung auf all die Spekulationen zur Herkunft des Fundes und der Geschichten, mit der doch einige Personen hatten beweisen wollen, dass er ihnen gehört. Bis heute ist allerdings mysteriös geblieben, woher das Gold stammt und wer es am Fundort ablegte.

Kurz vor und nach Ablauf der fünfjährigen Meldefrist Ende Juni hatten sich einige Personen beim Fundbüro gemeldet, auch aus dem Ausland bis nach Ungarn. «Von skurril bis möglich war alles dabei», sagte Lippuner zu den aufgetischten Geschichten. Diese Personen vermissten Goldbarren nach Diebstählen oder einer Hausräumung. Teilweise konnten sie aber nicht einmal den Fundort beschreiben. Oder ihre Angaben stimmten mit Präge- und Verkaufsdaten der Banken nicht überein. Die Anspräche von drei Frauen und einem Mann, alles aus der Schweiz, mussten genauer abgeklärt werden. «Nach umfangreichen Überprüfungen konnten die Goldbarren aber keiner dieser Personen zugeordnet werden», so Lippuner. Die Abklärungen liessen keinen Zweifel offen.  

Klingnau: Gemeinde erhält herrenlosen Goldschatz

Die Gemeinde Klingnau ist auf einen Schlag um über 100'000 Franken reicher.

Die beiden ehrlichen Finder erhalten 10 Prozent Finderlohn, also je rund 5000 Franken. Die Gemeinde hat sie vor kurzem entsprechend informiert. "Die Finder haben zum Ausdruck gebracht, dass sie damit zufrieden sind", sagte Brun. Er habe ihnen ausdrücklich für ihre Ehrlichkeit gedankt. Auf Anfrage der AZ bestätigt einer der beiden Finder diese Darstellung. Sie seien froh, dass die Geschichte für sie nun zu einem Abschluss komme. Weiter wollen sie sich nicht äussern.

Hier in Klingnau fanden zwei Gemeindemitarbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren

Hier in Klingnau fanden die zwei Gemeindemitarbeiter die Goldbarren

Die beiden Männer fanden die 10 Goldbarren am 28. Juni 2012 beim Mähen. Fünf Jahre später ist nach wie vor mysteriös, wie die zehn Goldbarren mit einem Gesamtgewicht von 2,6 Kilogramm dorthin kamen.

Bei der Frage, ob Gemeinde oder Finder das Gold erhalten sollen, hat sich Lippuner nicht auf das Gutachten der Gemeinde gestützt, das diese vor mehreren Jahren anfertigen liess. «Ich habe es nicht angeschaut», sagt er. Stattdessen habe er sich juristischen Rat von drei Seiten geholt, auf die Erstellung von mehreren Gutachten aber bewusst verzichtet, weil dies Kosten verursacht und einige Zeit in Anspruch genommen hätte. Aufgrund der übereinstimmenden Auslegung des OR-Artikels 321b, Abs. 2, seien die Gemeindemitarbeiter zum Zeitpunkt des Fundes in einem öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis gestanden, weshalb die Goldbarren ihrem Arbeitgeber, der Gemeinde gehören. Hätten die beiden den Fund nicht während der Arbeit gemacht, gehörte er heute ihnen.

Nichtsdestotrotz wird das Gesetz von renommierten Juristen anders ausgelegt.  «Nur schon, weil ein klärendes Präjudiz fehlt, muss von einer offenen Rechtslage gesprochen werden», sagte Roger Rudolph, Arbeitsrechts-Experte und Lehrbeauftragter der Universität Zürich, der AZ. «Die Gemeindemitarbeiter werden nach fünf Jahren Eigentümer der Goldbarren», legte sich Roland Müller, Professor für Arbeitsrecht an den Universitäten Bern und St. Gallen, fest (die AZ berichtete).

"Es ist nicht ungewöhnlich, dass in einer rechtlichen Angelegenheit verschiedene Meinungen bestehen", sagt der Zürcher Anwalt Martin Steiger. "Aus diesem Grund gibt es Gerichte. Man geht davon aus, dass in manchen Fällen erst das Bundesgericht als dritte Instanz ‹richtig› entscheiden kann." Das Gutachten der Gemeinde wäre vor Gericht als Parteigutachten bewertet worden. Weil die Finder darauf verzichten, ist einzig möglich, dass Personen, die von ihrem Anspruch auf die Goldbarren überzeugt sind, eine Klage einreichen.

"Wir werden die Goldbarren in den nächsten Tagen verkaufen", kündigte Oliver Brun an. Das Geld wird als ausserordentliche Einnahme verbucht. Gemäss Rücksprache mit der kantonalen Gemeindeabteilung dürfe eine solche Einnahme keinem bestimmten Verwendungszweck zugeordnet werden. Der Finderlohn soll mit der nächsten Lohnzahlung überwiesen werden.

In Klingnau gab es zwei grosse Goldfunde: 2012 fanden zwei Gemeindearbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren, 1905 hatten Holzhauer im Wald 829 Goldmünzen ausgegraben.

In Klingnau gab es zwei grosse Goldfunde: 2012 fanden zwei Gemeindearbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren, 1905 hatten Holzhauer im Wald 829 Goldmünzen ausgegraben.

Die beiden Gemeindearbeiter waren am 28. Juni 2012 beim Mähen einer Magerwiese neben einem Fussweg auf die Goldbarren gestossen. Sie lagen in einem Plastiksack hinter einem Strauch, eingepackt in weisses Seidenpapier. Die beiden meldeten ihren Fund sogleich der Polizei. Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Kantonsstrasse, die Grenze zu Deutschland ist nur 4,5 Kilometer entfernt.

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hatte zum Fall zwei Verfahren ohne Ergebnis einstellen müssen. Das erste gegen Unbekannt, das zweite gegen einen heute 59-jährigen Bosnier, von dem bei der kriminaltechnischen Untersuchung Fingerabdrücke auf dem Plastiksack nachgewiesen werden konnten. Auch er stellte Anspruch auf den wertvollen Fund – vergeblich. Auch weil er von einer Notiz, die bei den Barren lag, keine Ahnung hatte, konnte er als Ableger der Barren ausgeschlossen. Zum Zeitpunkt des Fundes sass er schon seit vier Tagen wegen Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz im Gefängnis. Er war im Nachbarort Bad Zurzach verhaftet worden. Nach Ende der Haft wurde er ausgewiesen.

Der Klingnauer Goldfund von 1905

Der Klingnauer Goldfund von 1905

Im Wald zeugt ein Gedenkstein von einem Sensationsfund vor über 100 Jahren: Am 3. Februar 1905 stiessen Klingnauer Holzhauer auf eine Kiste mit 829 Goldmünzen.

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