Surbtal

Kleines Feuer mit happigen Folgen – Beschuldigter fordert: «Zerreissen Sie die Akte»

Das Feuer war sei innert fünf Minuten wieder gelöscht gewesen, berichtete der Beschuldigte. (Symbolbild)

Das Feuer war sei innert fünf Minuten wieder gelöscht gewesen, berichtete der Beschuldigte. (Symbolbild)

Wegen Widerhandlung gegen das Brandschutzgesetz stand ein Bauer aus dem Surbtal vor dem Einzelrichter.

Nachdem am 3. Januar dieses Jahres ein Passant gegen 17.30 Uhr auf einer Weide im Surbtal ein Feuer entdeckt hatte, meldete er dies der Kantonspolizei Aargau. Die ausgerückte Polizeipatrouille stellte laut Rapport fest, dass «die Flammen bis zu einem Meter Höhe erreichten, wodurch die latente Gefahr bestand, dass ein benachbarter Baum, angrenzende Büsche sowie in der Nähe gelagertes trockenes Holz in Brand geraten könnten», und bot die Feuerwehr auf. Diese konnte das Feuer innert Kürze löschen.

Länger dauerte das Ungemach des Bauern, der die besagte Weide gepachtet hat. Im Juni nämlich wurde er per Strafbefehl wegen Widerhandlung gegen das Brandschutzgesetz zur Bezahlung von 750 Franken, bestehend aus 300 Franken Busse, 400 Franken Gebühr und 50 Franken Polizeikosten, verknurrt. Der 43-Jährige erhob Einspruch, musste aber zwecks Verhandlung nicht am Bezirksgericht in Bad Zurzach vortraben, sondern zum Augenschein am «Tatort».

Feuerwehr löschte Feuer innert fünf Minuten

Dort schildert der Bauer, dass er an jenem Tag – wie schon öfter zuvor – zusammen mit erfahrenen Helfern ab 9 Uhr morgens am Rande der Weide Bäume gefällt hatte. Wie stets wurde dabei fortlaufend Schnittgut, also Äste und Zweige, verbrannt. Als die Männer ihre Arbeit gegen 17.15 Uhr beendeten, liessen sie das noch brennende Feuer zurück.

Einzelrichter Cyrill Kramer hat den damaligen Einsatzleiter der Feuerwehr als Zeugen zum Augenschein am Tatort aufgeboten. «Vor Ort hatte ich die Gefahr rasch als gering eingeschätzt und entsprechend nur mit einer Leitung gearbeitet», sagt er zum Richter. «Tatsächlich war das Feuer innert knapp fünf Minuten gelöscht, wofür wir zwischen 800 und 1000 Liter Wasser verbraucht hatten.»

Beschuldigter zum Richter: «Zerreisen Sie die Akte»

Vom Einzelrichter nach den Gründen für die Einsprache gefragt, antwortet der Beschuldigte klar und ohne Umschweife: «Weil der Polizist die Situation schlicht falsch eingeschätzt und die Feuerwehr aufgeboten hat, ohne sich die Mühe zu nehmen, überhaupt auch nur aus dem Wagen auszusteigen.» Hätte er dies getan, hätte er gesehen, dass keinerlei Gefahr bestand. «Es war sehr kalt, der Boden war gefroren und es lag teilweise Schnee.» Vom Polizisten aber – so der Bauer – sei er in Empfang genommen worden, «wie wenn ich ein ganzes Wohnquartier abgefackelt hätte».

Zwei Tage später habe der Beamte ihn dann versöhnlich angerufen und gesagt es sei alles in Ordnung, «ich könne ruhig schlafen. Von wegen – Monate später kam dieser Strafbefehl.» Der Zorn in der Stimme des Bauern ist unverkennbar. Auf die Frage des Richters, welchen Antrag er stelle, antwortet er kurz und bündig: «Zerreissen Sie die Akte, und alles ist gut.»

Keine Missachtung der Sorgfaltspflicht

Akten werden vom Gericht nicht zerrissen – auch nicht bei einem Freispruch. Und einen solchen verkündet Einzelrichter Cyrill Kramer. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass der Beschuldigte die Sorgfaltspflichten nicht missachtet hat. Dies umso mehr, als er ja selber Feuerwehrdienst leistet und sich entsprechend bewusst ist, wo Gefahren lauern», begründet der Richter und entlässt einen sichtlich sehr zufriedenen Bauern.

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