Gestern Abend fand der Übergang statt: Kirchenpflegepräsident Utzinger ging, ein Kuratorium in der Person von Wettinger Vizeammann Heiner Studer übernahm.

«Als Erstes muss ich mir einen Überblick verschaffen, damit ich Probleme verorten kann», so der ehemalige EVP-Nationalrat. Als Kurator ersetzt Studer die gesamte Kirchenpflege und trifft alle Entscheidungen. Es sei wichtig, dass der Kurator jemand Unabhängiges ist, ein Aussenstehender. Zu Utzingers Rücktritt sagt Studer: «Er hatte seine Gründe und ich kenne sie.»

Klaus Utzinger selbst äussert sich so dazu: «Wir hatten jahrelang Schwierigkeiten, die Kirchenpflege vollzählig zu halten», erklärt er. «Die Arbeit in einer unterbesetzten Kirchenpflege ist mühsam, und schlussendlich landet dann ein grosser Teil dann beim Präsidenten.» Dieses Jahr habe es auf den 30. September zwei weitere Rücktritte infolge Wohnortswechsel und anderen Gründen gegeben. «Das führte dazu, dass wir unter das von der Kirchenordnung zulässige Minimum von vier Personen gesunken sind.»

Knatsch in der Kirchenpflege

Seit August letzten Jahres sei es zu Differenzen innerhalb der Kirchenpflege gekommen, sagt Utzinger. «Es gab Uneinigkeiten betreffend der Frage, wie die Jugendarbeit der Kirchgemeinde genau aussehen soll. Wir haben einen Mediator beigezogen und konnten uns einigen und einen tragfähigen Kompromiss finden.» Es hätten sich Spannungen mit Mitarbeitenden entwickelt, welche anfangs September eskalierten, erklärt Utzinger. «Die daraus entstehende Situation führte zu einer Beeinträchtigung der Arbeit in der Kirchgemeinde und zu ersten «Burn-Out Anzeichen. Diese Situation ist für eine Kirchgemeinde nicht von Vorteil. Darum habe ich mich zum Rücktritt entschlossen.»

Trotz aller Differenzen wird Klaus Utzinger weiterhin in Bad Zurzach in die Kirche gehen. «Die Kirchgemeinde ist mir ans Herz gewachsen und ich werde mich weiterhin für sie einsetzen.»

Wie lange Heiner Studer das Amt als Zwangsverwalter übernehmen wird, ist noch unklar. «Es eilt nicht, ich weiss aus Erfahrung, dass Schritt für Schritt vorgegangen werden muss», meint Studer, der bereits zwei Kuratorien in den Kirchegemeinden Würenlos und Ammerswil abgeschlossen hat. Er will auf jeden Fall neuen Schwung reinbringen: «Nicht für mich, sondern für die Gemeinde.» (pkr/msu)