Sirnach/Klingnau

Kinderschänder vor Gericht: Haupttäter nennt sich selbst ein Monster

Heute stehen mutmassliche Kinderschänder sich vor dem Bezirksgericht Münchwilen in Sirnach verantworten. (Symbolbild)

Heute stehen mutmassliche Kinderschänder sich vor dem Bezirksgericht Münchwilen in Sirnach verantworten. (Symbolbild)

Seit heute läuft der Kinderschänder-Prozess gegen einen Vater, der seinen Sohn auch im Aargau sexuell missbraucht und an Pädophile verkauft hat. Angeklagt sind auch zwei weitere Männer. Dem Haupttäter drohen 10,5 Jahre Gefängnis.

Gegen drei Kinderschänder hat heute Morgen vor dem Bezirksgericht Münchwilen in Sirnach die Gerichtsverhandlung begonnen. Zwei der Männer hatten ihre eigenen Buben im Alter von sechs und sieben Jahren mehrfach sowie weitere Kinder auf üble Weise sexuell missbraucht.

Bilder der perversen Handlungen stellten sie ins Internet. Der Hauptangeklagte verkaufte seinen Buben für 300 Euro mehrere Male für sexuelle Handlungen an pädophile Freier, die aus der Schweiz und halb Europa anreisten (die az berichtete).

Laut Anklage machten die Männer die Kinder teilweise mit der Tropfen der Party- und Sexdroge GBL, sogenannten K.o.-Tropfen, gefügig respektive betäubten sie, um sie dann zu missbrauchen.

Ehemaliger Callboy und Pornofilm-Darsteller

Beim Hauptangeklagten handelt es sich um einen 35-jährigen Deutschen. Laut Blick.ch sagte der ehemalige Callboy und Pornofilm-Darsteller vor Gericht: «Es ist grausam, was ich gemacht habe. Es tut mir leid.» Er erkenne sich selbst nicht wieder.

Jugendpsychologe Allan Guggenbühl über den mutmasslichen Kinderschänder und Haupttäter, der vor dem Bezirksgericht Münchwilen in Sirnach steht

Jugendpsychologe Allan Guggenbühl über den mutmasslichen Kinderschänder und Haupttäter, der vor dem Bezirksgericht Münchwilen in Sirnach steht

Dieser Haupttäter war im Mai 2008 im aargauischen Klingnau in seiner Wohnung festgenommen worden. Er hatte hier mit seinem damals siebenjährigen Jungen zwei bis drei Monate lang gewohnt. Er war vom Thurgau hergezogen. Dort geschahen ab Mai 2007 die meisten Taten, weshalb der Prozess vor dem Bezirksgericht Münchwilen stattfindet.

Dazu kommt: Obschon der Deutsche um seine HIV-Infektion wusste, hatte er mit seinem Sohn und anderen Männern ungeschützten Analverkehr. Laut dem Staatsanwalt nahm der Mann in Kauf, andere Menschen mit der Krankheit anzustecken.

Familienvater, IT-Fachmann und Samariter

Der zweite Angeklagte ist ein 42-jähriger IT-Fachmann aus dem Glarnerland. Seine Frau arbeitete auswärts, den sexuellen Missbrauch vollzog er zu Hause, wenn sie fort war und er den Part als Hausmann übernahm. Er war auch Samariter bei der Feuerwehr.

Der 35-jährige Deutsche ist weitgehend, der 42-jährige Glarner vollumfänglich geständig. Auch dieser sagte vor Gericht aus, die «grausamen» Taten täten ihm Leid.

10,5 Jahre für den Haupttäter gefordert

Für den Hauptangeklagten fordert die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren, für den Mitangeklagten eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren.

Ein dritter, in Berlin lebender Angeklagter, wurde von der Verhandlung dispensiert. Der heute 35-Jährige war und ist der Verlobte des homosexuellen und pädophilen Hauptangeklagten; dem Deutschen werden sexuelle Handlungen mit Kindern vorgeworfen. Laut Anklage soll er mit seinem Partner vor den Augen von Kindern Sex gehabt haben. Für ihn wird eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten gefordert.

Staatsanwalt: «Unvorstellbar»

Der Staatsanwalt sagte vor Gericht, die Taten der beiden Hauptangeklagten seien «unvorstellbar». Es gebe wohl nicht wenige Leute, die forderten, solche Täter gehörten für immer weggesperrt. Weil die beiden Männer Ersttäter sind, sei eine Verwahrung aber nicht angezeigt.

Dem Haupttäter ist vor dem Bezirksgericht schlecht geworden. Der Grund: Der Anwalt seines Sohns schilderte, wie arg dieser traumatisiert sei wegen der sexuellen Übergriffe. Als der Opferanwalt schilderte, dass sein Sohn in der Schule in die Hose gemacht hatte und von Schülern deswegen ausgelacht wurde, brach der Angeklagte in Tränen aus. Der Gerichtspräsident liess zu, dass er in Begleitung eines Polizisten für einige Minuten austreten konnte. Der Mann soll seinem Sohn 40 000 Franken Genugtuung zahlen.

Die Angeklagten waren 2008 bei einer internationalen Polizeiaktion gegen Pädophile und Kinderpornografie im Internet aufgeflogen. Seit ziemlich genau fünf Jahren sitzen die beiden Männer im vorzeitigen Strafvollzug.

Verteidiger: «Niemand will diese Delikte beschönigen»

Der Zürcher Anwalt Valentin Landmann verteidigt den Haupttäter. Landmann hält im Interview vor dem Gerichtsgebäude fest: «Niemand will diese Delikte beschönigen. Es sind schwere Taten.»

Anwalt Valentin Landmann über seinen Mandanten im Kinderschänder-Prozess.

Anwalt Valentin Landmann über seinen Mandanten im Kinderschänder-Prozess.

Sein Klient habe fünf Jahre Zeit gehabt in der Haft, um das alles aufzuarbeiten und zu verstehen. Er habe heute, am ersten Prozesstag, bewegt und glaubwürdig geschildert, «wie ihm schlecht wird, wenn er liest, was er damals getan hat».

Sein Mandant schäme sich extrem. «Er hat sich in einem Brief mir gegenüber als Monster bezeichnet», so Landmann weiter. Der Verteidiger ist überzeugt, dass der 35-jährige Deutsche heute weit entfernt von seinen Taten sei – auch psychisch. Er forderte acht Jahre Freiheitsstrafe. (sda/pz)

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