Wislikofen

Keine Noten, keine Hausaufgaben: Diese Privatschule im Zurzibiet geht neue Wege

Seit sieben Wochen ist in Wislikofen die erste Privatschule im Zurzibiet in Betrieb – ein Augenschein.

Schulhäuser sind zwar keine Schlösser, aber dennoch ist das eine oder andere im Bezirk Zurzach in einen Dornröschenschlaf versunken. Nur gerade ein Jahr lang hatte indes jener vom Schulhaus Wislikofen gedauert; diesen Sommer hat «Flow» es zu neuem Leben erweckt. Hinter dem Zauberwort steckt die erste Privatschule im Zurzibiet. Gegründet wurde sie vom Schulleiter der Primarschule Steinmaur ZH, Ueli Schwab, der Kinderpsychotherapeutin Alexandra Jacob aus Stadel ZH und der Primarlehrerin Franziska Maag aus Rümikon.

Im Juli hatte die Gemeinde den «Lernen im Flow»-Gründern die Miete erlassen, was von den Initianten intensiv mit Farbe, Pinsel, Besen und Wischmopp genutzt worden und dergestalt dem Interieur ein hell strahlendes Aussehen verliehen worden war. Die einfache, aber hübsche funktionale Möblierung und die Ausstattung mit Schulmaterial gemäss dem Lehrplan 21 sowie Spiel- und Bastelsachen waren gefolgt.

Nach den Sommerferien dann war «Flow» zu dem geworden, was es ist: zu einer Tagesschule ohne Noten und Hausaufgaben, umso mehr mit individuellem Lernen im eigenen Tempo. Zehn Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren sind die ersten «Flow»-Schülerinnen und -Schüler; eine Hälfte kommt aus dem Zürcher Unterland, die andere aus dem Zurzibiet.

Kindergärtler bis Drittklässler in einer Klasse

Schon auf der steilen Treppe, die zum weissen Haus führt, wird akustisch klar: Da oben herrscht reges Leben. Kaum eingetreten, saust schon ein kleiner Wildfang vorbei an einer Garderobe, wie man sie in jedem Schulhaus findet: oben ein buntes Gewirr von Jacken und Turnsäcken, unten kreuz und quer Schuhe. Hier braucht niemand die Ohren zu spitzen, um den Weg ins Zentrum des Geschehens zu finden: Inmitten einer Spielecke, einer originell und kindergerecht gestalteten Informationswand, Plüschtieren, einem Bord mit bunten Scheren, Farbstiften, Papieren sitzen vom Kindergärtler bis zu einem Drittklässler – wenn sie nicht gerade herumsausen – alle konzentriert an einem niedrigen Tisch.

Hier sind sie damit beschäftigt, jene Konfigläser abzuzeichnen, die sie lagenweise mit Steinen, Sand und Erde gefüllt, mit etwas Nüsslisalat bepflanzt und mit Klarsichtfolie verschlossen hatten. Die Zweitklässlerin Josephine hat bereits das Resultat des Experiments daneben geschrieben – «das Wasser steigt». Im Fach «Natur, Mensch, Gesellschaft» befassten sich die Kinder eine Woche lang mit dem Thema «Wasser». Zweitklässler Lio, der die erste Klasse in Rekingen besucht hatte, zeichnet mit Inbrunst, äussert sich nebenbei aber besonders begeistert über die Holzbauklötze.

Im Raum nebenan ist es gerade sehr ruhig. Unter dem Stichwort «Mathematik» sind Karteikarten und Spiele, aber auch drei kleine Rechencomputer aufgereiht. An einer Wand wird vom Affen über Elefant und Ente bis zu Walfisch und Zebra das Alphabet – mit Ausnahme von Y wie Xylophon – mit Zeichnungen aus der Fauna veranschaulicht. In diesem Raum wird klar: Auch bei «Lernen im Flow» geht es darum, Kinder fit zu machen für den «Ernst des Lebens». Das Ziel ist dasselbe, der Weg für die Kinder in diesem Rahmen aber spürbar weniger steinig, weniger stressig, umso verspielter, kreativer; allerdings für die Eltern auch teuer.

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