Leuggern

Keine Geburten mehr im Asana Spital Menziken: Leuggern gibt Entwarnung

Das Asana Spital in Leuggern.

Das Asana Spital in Leuggern.

Die Asana Spital Gruppe hat die Geburtenabteilung in Menziken geschlossen. Die Überraschung und Enttäuschung im Bezirk Kulm waren gross. Doch was bedeutet dieser Entscheid für die Geburtenabteilung in Leuggern?

Knall auf Fall wurde die Geburtenabteilung des Asana Spitals in Menziken geschlossen. Am 27. April gab die Spitalleitung bekannt: «Wir geben unseren Leistungsauftrag Geburtshilfe zurück.» Nur vier Tage später, seit dem 1. Mai, kommen im Spital Menziken bereits keine Babys mehr zur Welt. Den sieben Hebammen wurde per Ende Juli gekündigt. Die Überraschung und Enttäuschung im Bezirk Kulm waren gross, die Emotionen gingen hoch.

Doch was bedeutet dieser Entscheid für die Geburtenabteilung in Leuggern? Das Spital gehört wie jenes in Menziken zur Asana Gruppe. Ist es ein strategischer Grundsatzentscheid der Gruppe gegen ihre Geburtenabteilungen? Oder wird der Standort in Leuggern durch die Schliessung in Menziken sogar gestärkt?

«Weder noch», sagt Leuggerns Spitaldirektor René Huber. «Die Schliessung in Menziken hat keinen Einfluss auf uns. Die Geburtenabteilung in Leuggern bleibt ein wichtiges Standbein.» Huber, der auch den Vorsitz in der Direktion der Asana Gruppe AG hat, war über die Pläne in Menziken informiert. «Es war ein emotionaler Schritt, der für Diskussionen gesorgt hat», sagt er. Schliesslich war es ein strategischer Entscheid, basierend auf Zahlen und Fakten, welcher ausschliesslich die Geburtsabteilung von Menziken betrifft.

168 vs. 754 Geburten

Die jeweiligen Abteilungen an den beiden Standorten haben sich in den letzten Jahren sehr unterschiedlich entwickelt: In Menziken kamen im Jahr 2017 nur 168 Babys zur Welt. Tendenz sinkend. In Leuggern waren es im letzten Jahr 754, Tendenz steigend. Generell gilt, dass eine Geburtenabteilung ab 600 Babys pro Jahr rentabel betrieben werden kann. In Leuggern stieg die Anzahl der Geburten in den letzten fünf Jahren massiv an. 2014 wurde erstmals die 600er-Grenze übertroffen. Rund ein Drittel der Gebärenden kommt aus dem süddeutschen Raum ins Zurzibiet.

In Menziken führten einerseits die tiefen Zahlen zur Schliessung. Andererseits gelang es nicht, die frei werdende Stelle eines der drei Fachärzte Gynäkologie/Geburtenhilfe adäquat zu ersetzen. Mit zwei Fachärzten sei eine Abdeckung sieben Tage pro Woche rund um die Uhr nicht möglich, hiess es.

Es wurde aber auch der Vorwurf laut, dass zu wenig Werbung für die Geburtenabteilung gemacht wurde. René Huber sagt: «Auch Leuggern macht nicht viel Werbung. Am wichtigsten ist, gerade bei Geburten, die Mundpropaganda der Mütter.»

Dass es Proteste gegen die Schliessung gab, kann Huber nachvollziehen. «Die Geburtenabteilung ist der emotionalste Teil eines Spitals. Hier werden nicht Kranke behandelt, hier entsteht neues Leben.» Dass nun Gebärende von Menziken nach Leuggern kommen, glaubt Huber nicht, dafür sei die Distanz zu gross. Was aber den Transfer von Gerätschaften und Personal betrifft, sei man daran, den Bedarf abzuklären. «Wir sind im Gespräch», sagt Huber. Leuggern beschäftigt zwölf Hebammen (730 Stellenprozent) und drei Beleghebammen (freiberuflich).

Nach dem Aus für die Geburtenabteilung will man in Menziken die Chirurgie stärken. «In Leuggern existieren keinerlei Abbaupläne», sagt Huber. Die neue Spitalliste für den Aargau erscheint 2020. Es gebe keine Anzeichen, dass es in Leuggern zu grösseren Veränderungen kommen wird.

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