Zurzibiet

Keine Einigung – aber drei Vorschläge im Bez-Dilemma

Nicht alle Zurzibieter Bezirksschulen haben eine Zukunft. Auf der Kippe: Klingnau.

Nicht alle Zurzibieter Bezirksschulen haben eine Zukunft. Auf der Kippe: Klingnau.

Jedes der drei Täler im Bezirk Zurzach soll eine komplette Oberstufe erhalten, so die neue Idee.

Eines vorweg: Eine Lösung für die Oberstufenproblematik, hinter der alle drei Zurzibieter Täler und alle Gemeinden geschlossen stehen, gibt es noch immer nicht. «Zu viel steht auf dem Spiel, zu unterschiedlich sind die Interessen und zu gravierend die Auswirkungen», heisst es in einer Mitteilung des Gemeindeverbandes Zurzibiet Regio.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Seit Mitte Woche liegen offiziell drei Varianten vor, die alle gesetzeskonform wären. Sie werden in den kommenden Wochen den 22 Gemeinden des Bezirks Zurzach zur Vernehmlassung unterbreitet.

Das Grundproblem ist seit Jahren bekannt: Im Zurzibiet gibt es aktuell vier Bezirksschulstandorte – Endingen, Bad Zurzach, Klingnau und Leuggern – doch wegen der tiefen Schülerzahlen haben nicht alle eine Zukunft. Die kantonalen Anforderungen für Schulgrössen können ab 2022 nicht mehr gleichzeitig an allen vier Standorten erfüllt werden.

Eine Arbeitsgruppe, eingesetzt vom Gemeindeverband, hat im vergangenen Jahr drei Varianten erarbeitet, die eines gemeinsam haben: Jedes der drei Täler – das Surbtal, Rheintal und Aaretal – würde künftig eine komplette Oberstufe erhalten, also eine eigene Bezirks-, Sekundar- und Realschule. Felix Binder, Präsident von Zurzibiet Regio, sagt: «Diese Idee ist im Grunde nicht neu, wurde bereits in der Vision Zurzibiet festgehalten, die 2011 von allen Gemeinden unterzeichnet wurde. Nun haben wir sie umgesetzt.»

Bei der Variante 1 wird Klingnau als Bezirksschulstandort aufgehoben und neu als Sekundar- und Real-Kleinststandort weitergeführt. Schüler aller drei Stufen aus Koblenz gehen nach Bad Zurzach, auch die Bez-Schüler aus Klingnau werden im Bezirkshauptort unterrichtet. Bezirksschüler aus Döttingen und weitere würden nach Leuggern gehen.

Bei der Variante 2 wird die Bezirksschule Leuggern geschlossen. Der Schulkreis Rheintal-Studenland und der Schulkreis Oberstufe Unteres Aaretal (Osua) würden den neuen gemeinsamen Schulkreis Aaretal-Rheintal-Studenland bilden.

Bei der Variante 3 bilden das Rheintal-Studenland, Klingnau und Koblenz einen Schulkreis und organisieren eine Oberstufe mit Bez-, Sek- und Realschule. Die Gemeinden links der Aare und Döttingen organisieren im Rahmen eines separaten Schulkreises ebenfalls eine eigene Oberstufe, die zu ihren vorhandenen Infrastrukturen passt. Dieser Antrag könnte sicherstellen, dass alle Schüler aus Klingnau im selben Schulkreis unterrichtet würden, dasselbe würde für die Döttinger Schüler zutreffen.

Emotionale Debatte seit Jahren

Wie geht es nun weiter? Falls auch nach der Vernehmlassung keine einvernehmliche Lösung gefunden wird, werden die drei Varianten dem Departement Bildung, Kultur und Sport unterbreitet, erklärt Felix Binder. Der Entscheid, welche Bezirksschule schliessen muss, würde somit auf kantonaler Ebene gefällt.

Die Frage, welche Zurzibieter Gemeinde die Bezirksschule hergeben muss, sorgt seit Jahren für zum Teil emotionale Diskussionen. Der Gemeindeverband Zurzibiet Regio setzte bereits 2014 eine Arbeitsgruppe ein; diese war aktiv bis zum Zeitpunkt, als das Aaretal eine eigene Lösung zu entwickeln begann. Doch das Projekt Oberstufe Aaretal (OSA) – das unter anderem einen neuen Bezirksschulstandort in Kleindöttingen vorsah, Klingnau und Leuggern wären aufgegeben worden – fand im Volk keine Mehrheit.

Danach wurde der Gemeindeverband Zurzibiet Regio von einzelnen Gemeinden dazu aufgerufen, erneut aktiv zu werden. Die Arbeitsgruppe, die im Juni letzten Jahres gegründet wurde und nach der Abgeordnetenversammlung am Dienstag wieder aufgelöst wurde, hatte den Auftrag, einen Vorschlag zu erarbeiten, der die Akzeptanz aller Zurzibieter Gemeinden erreicht und zudem auch die Vorgaben des Kantons erfüllt.

«Die Idee, eine einvernehmliche Lösung erzielen zu können, war zu ambitioniert», lautet eine der Schlussfolgerungen der Arbeitsgruppe. Aber alle Diskussionen hätten in angenehmer, konstruktiver Atmosphäre stattgefunden. «Es war ein gutes Beispiel der positiven Gesprächskultur, die im Zurzibiet herrscht, auch dann, wenn die Interessen und Ansichten teilweise weit auseinandergehen», heisst es weiter. «Die Aussprachen führten unter anderem auch dazu, die jeweiligen Standpunkte besser zu erkennen und ein Verständnis dafür zu entwickeln.»

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