Seit anfangs Schuljahr müssen die Gemeinden im Aargau Angebote zur Betreuung von Kindern anbieten, wenn die Bevölkerung dies wünscht. Für die Gemeinden ist die Einführung der Tagesstrukturen ein aufwändiger und oftmals frustrierender Prozess. Das Problem: Es hat sich gezeigt, dass zwar zu Beginn des Prozesses ein grosses Interesse in der Bevölkerung besteht. Am Ende melden sich aber oft nur sehr wenige Personen an, wie das Beispiel einiger Zurzibieter Gemeinden zeigt.

Die Gemeinden Baldingen, Böbikon, Mellikon, Rekingen, Rümikon und Wislikofen wollten ab Anfang August an der Kreisprimarschule Chrüzlibach Tagesstrukturen einführen. Vorderhand wurde eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, ob überhaupt ein Interesse dafür bestehe: Über 100 Eltern bezeugten dabei ihr Interesse an den Kinderbetreuungsangeboten. Daraufhin wurden Reglemente, Richtlinien und in Zusammenarbeit mit der Schule ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet. Wie die Gemeinden mitteilen, wurden im Februar die Anmeldeformulare an alle Eltern versandt, doch bis August gingen nur sehr wenige Anmeldungen ein.

Doch keine Tagesstrukturen

Marion Marty, die zuständige Person der Gemeinden für die Tagesstrukturen, sagt im Gespräch mit dem SRF Regionaljournal Aargau-Solothurn: «Bei den Infoveranstaltungen und den Gemeindeversammlungen waren jeweils sehr viele Leute, man spürte ein grosses Interesse. Als dann nur sehr wenige Anmeldungen eingingen, war das schon sehr frustrierend.» 

Aufgrund der wenigen Anmeldungen entschieden sich die sieben Gemeinden, welche unter dem Namen «Verwaltung 2000» zusammenarbeiten, doch keine Tagesstrukturen einzuführen. Da die Nachfrage so tief sei, würden die Kosten für die niedrige Anzahl zu betreuender Kinder massiv in die Höhe schnellen. Man müsste pro Modul bis zu 10 Franken mehr verlangen.  

Förderung der Standortattraktivität

In den Gemeinden stellt man sich nun die Frage, warum sich zu Beginn so viele Eltern für die Tagesstrukturen ausgesprochen haben, nur um sich dann gar nicht anzumelden. Eine Frage, die sich andere Gemeinden im Kanton stellen. «Viele Gemeinden sehen ein tolles Kinderbetreuungsangebot als eine Massnahme zur Förderung der Standortattraktivität. Dabei nimmt man in Kauf, dass man mit weniger Kindern startet. Dies weil man aus Erfahrung weiss, dass, wenn etwas planungssicher angeboten wird, andere Eltern auf den Zug aufspringen und man relativ schnell die Zahlen erreicht, die man braucht», sagt Bea Bieber von der Fachstelle Kind und Familie zum SRF. Die Fachstelle begleitet die Einführung von Tagesstrukturen im Auftrag des Kantons.

Mit dieser Argumentation im Hinterkopf haben die Verbandsgemeinden der Kreisprimarschule Chrüzlibach entschieden, den Mittagstisch beizubehalten, obwohl nur sechs Kinder angemeldet wurden und somit eine finanzielle Lücke entstehe. Der Mittagstisch werde vorerst durch die Gemeinden quersubventioniert. Das Ziel sei laut Marty, dass die Eltern in Zukunft dieses Angebot besser nützten. Dies könne allerdings etwas länger dauern. Sie schätzt, dass die Implementierungszeit rund vier Jahre dauern würde. Erst dann könne man mit einem vollen Mittagstisch rechnen.

Die ganze Sendung dazu vom SRF Regionaljournal Aargau-Solothurn hören Sie hier: