Am Eingang des Hirzen-Ladenlokals im Klingnauer Städtchen befindet sich wieder ein amtliches Siegel der Regionalpolizei Zurzibiet. Beamte haben es auf Verfügung des Gemeinderats Klingnau angebracht, wie Gemeindeschreiber Rolf Walker der az bestätigt. Das Ladenlokal an der Sonnengasse 6 kann somit zurzeit nicht mehr als solches genutzt werden. Der Kosovaren-Verein «Club zum Hirzen» hat die Räumlichkeiten als Vereinslokal gemietet. Bei der Eigentümerin handelt es sich um die Loco’s Immobilien AG aus Freienbach. 

Reklamationen wegen Lärms

Der Gemeinderat reagiert damit auf zwei Vorfälle. Nachdem er erst Mitte März die erstmalige Versiegelung wieder aufgehoben und die Regionalpolizei das Siegel wieder entfernt hatte, nutzte die Mieterschaft das Lokal wieder. Allerdings nicht wie bewilligt als Ladenlokal und zu den ordentlichen Ladenöffungszeiten, sondern illegal als Club-Lokal mit abendlichem Betrieb. Das stellten Beamte der Regionalpolizei fest, als sie abends Wochenende vom 19. und 20. März in den Hirzen ausrückten und das Lokal räumten. Anlass dafür waren Reklamationen wegen Lärmbelästigung. 

Gemäss Informationen der az sind Eigentümerin wie Mieterschaft gebüsst worden. Gemeindeschreiber bestätigt dies. Die Begründung: Beide hätten Kenntnis gehabt vom Nutzungsverbot. Insofern seien sie beide gleichermassen in der Pflicht gestanden. Die Missachtung eines Nutzungsverbots sei ein Offizialdelikt und werde im Sinne des Baugesetzes mit einer Busse bestraft. Der Gemeinderat könne dafür Bussen bis maximal 2000 Franken aussprechen. Wie hoch sie in dieser Angelegenheit ausfallen, dazu äussere sich der Gemeinderat allerdings nicht. 

Wie lange wird die Versiegelung andauern? «Solange davon auszugehen ist, dass das Nutzungsverbot missachtet wird, bleibt der Club geschlossen», antwortet Gemeindeschreiber Walker. Damit scheint ein eigentliches Katz- und Maus-Spiel zwischen Eigentümerin und Mieterschaft auf der einen sowie Gemeinde auf der anderen Seite ein Ende gefunden zu haben. Es begann Anfang Oktober 2015, als der «Club zum Hirzen», dessen Vereinszweck laut Statuten die Pflege des kosovarischen Kulturguts ist, die Eröffnung seines Vereinslokals feierte. Doch wiederholt gab es Reklamationen von Anwohnern wegen Lärm. Die Regionalpolizei fest stellte, dass das Lokal rechtswidrig als Club-Lokal genutzt wird.

Wie alles begann

Mitte November reichte die Eigentümerin bei der Gemeinde zwar ein Umnutzungsgesuch für einen Club-Betrieb mit verlängerten Öffnungszeiten ein, doch die Unterlagen erwiesen sich als unvollständig. Sie blieben es auch trotz wiederholten Aufforderungen. Auf den 1. Februar hin liess der Gemeinderat das Lokal erstmals schliessen und versiegeln. Nach dem Rückzug des Umnutzungsgesuch wurde die Versiegelung aufgehoben, so dass die Räumlichkeit wieder als Ladenlokal hätte genutzt werden können. Darauf wurde es wieder als Club genutzt - mit den geschilderten Folgen.