Rheinbrücke

Grenzübergang Koblenz-Waldshut: Trotz grosser Sanierung mehr Stau – Kanton plant nun zweite Brücke

Die Fotomontage zeigt den ungefähren Standort der Rheinbrücke mit Blick von der deutschen Seite über den Rhein.

Die Fotomontage zeigt den ungefähren Standort der Rheinbrücke mit Blick von der deutschen Seite über den Rhein.

Trotz der umfangreichen Sanierungen 2014 am Grenzübergang Koblenz sind die Verkehrsprobleme nicht kleiner geworden. Der Kanton will die Situation mit einer zweiten Grenzbrücke entschärfen – bis 2040 könnte sie stehen.

Fünf Jahre ist es nun her seit der grossen Sanierung der Rheinbrücke am Grenzübergang Koblenz-Waldshut. Einerseits war die Sanierung für das 1932 erstellte Bauwerk nötig, andererseits sollte eine neue Verkehrsführung mit Ampeln und neuem Kreisel in Koblenz für einen besseren Verkehrsfluss und weniger Staus sorgen.

Heute allerdings lässt sich feststellen: Die Verkehrsprobleme sind nicht kleiner geworden. Deutsche Grenzgänger sorgen regelmässig spätnachmittags für Staus auf Kantonsstrasse in Koblenz. Am Wochenende oder an Feiertagen sorgen Einkaufstouristen für eine bis zu fünf Kilometer lange Stauschlange bis nach Klingnau oder gar Döttingen.

Auf deutscher Seite verstopfen Staus die mittlerweile dreispurige B34 zwischen dem 2011 eröffneten Lastwagen-Zollhof im Gewerbepark Hochrhein und dem Grenzübergang. Verantwortlich dafür ist der morgendliche Pendlerverkehr sowie das Lastwagenaufkommen, das seit Inbetriebnahme des Zollhofs enorm gewachsen ist. Bei der Eröffnung rechnete der deutsche Zoll noch mit 640 Lastwagen täglich. Mittlerweile sind es mehr als doppelt so viele. Aktuell verschärft sich die Stauproblematik durch die Sanierung der Kolpingbrücke in Waldshut, die mindestens drei Monate länger dauert als geplant.

Täglich rund 13'000 Fahrzeuge

Hat sich die Sanierung von 2014 trotzdem gelohnt? «Ja, das hat sie», sagt Carlo Degelo, Leiter der Abteilung Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). «Die Werterhaltungsarbeiten an der Brücke waren notwendig.» Das beauftragte Ingenieurbüro veranschlagte die Restnutzungsdauer ab 2014 auf mindestens 30 Jahre.

Die Beobachtungen der AZ zur Verkehrsproblematik seien korrekt und würden zeigen, dass die sanierte Rheinbrücke sehr gut genutzt wird. Aktuelle Daten zeigen: Querten 2014 noch täglich 12'740 Fahrzeuge respektive 490 Lastwagen den Grenzübergang, waren es 2017 schon 13'909 respektive 868. Das entspricht einer Zunahme von 9 beziehungsweise 77 Prozent. Im Zehn-Jahres-Vergleich beträgt die Zunahme gar 40 respektive 155 Prozent. Schliesst der deutsche Staat dereinst die Lücke auf der Autobahn A98 zwischen Laufenburg und Tiengen, rechnet das BVU damit, dass sich die Belastung an den Grenzübergängen im Kanton Aargau weiter erhöht.

Was lässt sich nun noch gegen den Stau tun? Degelo sagt unmissverständlich: «Das Optimierungspotenzial ist mit der Umsetzung der Massnahmen von 2014 ausgeschöpft. Ohne neuen Grenzübergang ist eine Verbesserung des Verkehrsflusses nicht wirklich möglich.» Dementsprechend wird der Kanton die Planung für eine neue Rheinbrücke am Standort Koblenz Ost schon bald an die Hand nehmen. «Das BVU beabsichtigt, die Planungen im Jahr 2019 mit einer grenzübergreifenden Organisation zu starten», unterstreicht der Leiter der kantonalen Abteilung Verkehr.

In einem ersten Schritt sollen die Verkehrsdaten grenzüberschreitend abgeglichen werden. In einem zweiten Schritt soll nebst einer Gesamtbetrachtung die Zweckmässigkeit einer neuen Rheinbrücke Koblenz Ost nachgewiesen und der Eintrag im Richtplan aufgestockt werden. «Koblenz Ost» wurde im September 2017 darin unter Vororientierung eingetragen. Abgeklärt werden soll auch, über welche der beiden Grenzbrücken welcher Verkehr geleitet werden soll.

Die Aargauer Pläne werden in Deutschland für Freude sorgen. Politiker aus dem Landkreis Waldshut treiben Pläne für eine neue Brücke bereits voran und sind beim Bundesland Baden-Württemberg vorstellig geworden. In die Arbeiten miteinbezogen werden müssen das deutsche Bundesverkehrsministerium in Berlin sowie das Schweizer Bundesamt für Verkehr. Diese werden einen Staatsvertrag aushandeln müssen.

Skepsis in Koblenz

Die Gemeinde Koblenz steht den Plänen für eine zweite Rheinbrücke dagegen seit Jahren mit Skepsis gegenüber. Der Standort der zweiten Brücke wäre wenige hundert Meter rheinaufwärts. Das Dorf befürchtet, dass sich Staus von der deutschen Seite nach Koblenz verlagern, dass der Verkehr weiter zunimmt und sich die Lärmbelastung für die Anwohner erhöht. Falls es tatsächlich so weit kommt, wird aber noch viel Wasser den Rhein hinabfliessen. Degelo: «Für die Fertigstellung dieses grenzüberschreitenden Projekts muss man schon mit dem Jahr 2040 rechnen.»

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