Die Gesamterneuerungswahlen werfen im Bezirk im Vorfeld keine hohen Wellen. In mehreren Gemeinden ist man froh, überhaupt Personal für die nächste Legislatur zu finden. Anders in Schneisingen. Hier kandidieren sieben Kandidaten für die fünf Sitze. Vier davon als Neue. Zu ihnen zählt auch Sepp Busslinger (parteilos). Der 69-Jährige gibt sich mit einem Gemeinderatssitz allerdings nicht zufrieden. Er fordert den amtierenden Gemeindeammann Adrian Baumgartner (parteilos) heraus.

Obwohl sich Busslinger, der sich als Konstrukteur und Entwickler von ergonomischen Möbeln einen Namen gemacht hat, erstmals für die Schneisinger Behörde bewirbt, ist er kein unbeschriebenes Blatt. Für die einen ist er, der sich selbst Ergo-Sepp nennt, ein Wutbürger, der keine Gelegenheit auslässt, um Staub aufzuwirbeln. Für die anderen ist er im Ort einer, mit grossen Gerechtigkeitssinn. Sepp Busslinger, da sind sich alle einig, polarisiert.

Entsprechend selbstbewusst stellt er sich dem Duell gegen Adrian Baumgartner. Busslinger lässt keine Zweifel aufkommen, dass er am 24. September im ersten Wahlgang zum Ammann gewählt wird. «Die Rückmeldungen zeigen mir, dass viele Schneisinger einen Wechsel wünschen.» Busslinger macht keinen Hehl daraus, dass er mit der Arbeit des amtierenden Ammanns unzufrieden ist. In einem Flugblatt, das er in den nächsten Tagen im Ort verteilen lässt und der AZ vorliegt, geht er mit der Schneisinger Führung hart ins Gericht. Er wirft ihr Verschwendung von Steuergeldern vor. «Aus unserer vermögenden Gemeinde ist in den letzten 20 Jahren eine Schuldengemeinde entstanden. Tendenz steigend», kritisiert er. «Ich frage mich weshalb Schneisingen für gleiche Arbeiten wie umliegende Gemeinden, alles teurer bezahlen muss.»

Als Diktator bezeichnet

Adrian Baumgartner lässt diesen Vorwurf nicht gelten. Er wehrt sich dagegen, dass Steuergelder unverantwortlich ausgegeben worden seien. «Wenn ja, dann müsste Herr Busslinger das belegen können.» Baumgartner, der seit vier Jahren die Geschicke von Schneisingen als Ammann leitet, vermutet hinter Busslingers Kandidatur eine persönliche Abrechnung. Zwischen den beiden kam es in der Vergangenheit zu Meinungsverschiedenheiten. Er habe ihn auch schon als Diktator von Schneisingen bezeichnet, so Baumgartner. «Als ob ich in einer Kollegialbehörde mit fünf Mitgliedern alles in Eigenregie entscheiden könnte.»

Sepp Busslinger hofft mit der angekündigten Flyer-Aktion ein ähnliches Echo auszulösen wie 2006. Damals hatten die Schneisinger Stimmbürger über eine Fusion mit Siglistorf abzustimmen. Während Siglistorf den Zusammenschluss befürwortete, verwarfen die Schneisinger den Schulterschluss an der Urne. Busslinger ist überzeugt, dass sein Flugblatt massgeblichen Einfluss hatte.

Was sein aktuelles Empfehlungsschreiben für eine Resonanz erzeugen wird, beschäftigt auch Adrian Baumgartner. Die Frage, die sich nicht nur er, sondern auch die Stimmbürger von Schneisingen stellen dürften: Wie funktioniert der Gemeinderat künftig, sollten er und sein Widersacher gewählt werden.