Kaiserstuhl

Kabarettist Sven Kemmler begeistert mit einer Lektion, die in keinem Lehrplan steht

Sprachliche Etüden zwischen Peking, Florida und München: Sven Kemmler begeisterte mit seinem Auftritt auf der Kaiserbühne.

Sprachliche Etüden zwischen Peking, Florida und München: Sven Kemmler begeisterte mit seinem Auftritt auf der Kaiserbühne.

Der Kabarettist Sven Kemmler begeisterte mit seiner «Englischstunde» im ausverkauften Amtshauskeller in Kaiserstuhl. Vorkenntnisse waren «nicht erforderlich».

Locker und mit einem Schmunzeln im Gesicht hüpft er auf die Spielfläche und heisst die Anwesenden «in dieser wunderbaren Umgebung irgendwo zwischen Kolosseum und Stonehenge» willkommen. Mal eine ganz andere, neue Betrachtungsweise vom Kaiserstuhler Amtshaus-Keller. Und so ganz andere Aspekte der englischen Sprache vermittelte der Münchner Sven Kemmler dem Publikum denn auch in seiner «Englischstunde». 

Für deren Besuch sind «Vorkenntnisse nicht erforderlich», wie der 50-jährige studierte Biologe, ehemalige Unternehmensberater, nachmalige Schauspieler, aktuelle Autor und Kabarettist das Solo-Programm ankündigt. In der heutigen Zeit, wo der Nachwuchs ein stattliches englisches Vokabular fast schon mit der Muttermilch verinnerlicht, kann jedoch davon ausgegangen werden, dass in der ausverkauften Kaiserbühne Englisch-Vorkenntnisse durchaus vorhanden waren. 

Auch Abstecher ins Deutsche 

Bloss kamen solche nur sehr marginal zum Tragen. Denn Kemmler zündet sprachlich und schauspielerisch auf der Bühne ein Feuerwerk, das sich mit dem pyrotechnischen am «Züri-Fäscht»-Himmel locker aufnehmen kann. Selbst wenn man die Ohren so spitzte, dass sie aussahen wie die von Star-Trek-Commander Spock, konnte man die eine oder andere Pointe verpassen, was das Vergnügen aber keineswegs schmälerte. Denn die sich Schlag auf Schlag folgenden Themen und Einfälle, verbunden mit einer verblüffenden Palette von Sprachmelodien und mitreissender mimischer Vielfalt, sorgten für helle Begeisterung. 

Kemmlers Vermittlung von Variationen des Englischen – angefangen bei der chinesischen Business-Variante über die der Hip-Hopper («to fuck or not to be»), der amerikanischen Südstaatler, der Japaner, der Italiener bis hin zum Englisch der Schotten – bringen einem nicht nur die Sprache nah, sondern auch Land und Leute. Das ist hohe Schule des Kabaretts.

Zwischendurch macht Kemmler auch einen Abstecher ins Deutsche. Anschaulich lernt der Zuschauer die Voraussetzungen zum korrekten bayrischen Dialekt kennen: Oberlippe einfrieren, Kiefer leicht vorschieben und im Rhythmus einer Tuba reden. Der langen Schreibe kurzer Sinn: Das vorwiegend schon etwas gesetztere Publikum im Amtshauskeller amüsierte sich königlich und applaudierte begeistert. Zwar hat diese «Englischstunde» keinen Lehrplan erfüllt, aber sprachliche und ethnische Horizonte enorm erweitert: Politisch vielleicht nicht durchwegs korrekt, aber brillant – eben Kabarett, wie es sein muss und wie man es liebt.

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