Vor dem Rennen gehen die Teams noch einmal den Parcours ab. Prägen sich den Ablauf ein, memorieren die kritischen Punkte und spekulieren, welche Abschnitte sie wie schnell angehen können. Das Publikum verfolgt das Treiben mit. «Jump and drive» nennt sich dieser nicht ganz ernst zu nehmende Show-Wettbewerb, den der Reitverein Lengnau und Umgebung erstmals als Abschluss der Springprüfungen am Samstagabend veranstaltet.

Springen und Fahren also, Kaltblüter und heisser Ofen als Einheit. Ross und Reiter treten im Team mit Quad-Fahrern an. Nicht zusammen, das würde die Tiere überfordern, sondern hintereinander. Ihre beiden Zeiten werden am Schluss addiert. Beide - Reiter und Töfffahrer - laufen Gefahr, Hindernisse im Parcours zu reissen. Für beide bedeutet dies vier Strafsekunden. So gilt es, die perfekte Mischung aus Tempo, Vorsicht und Wagemut zu finden.

Der Parcours ist mit niedrigen Hindernissen gesteckt, sodass vor allem die Reiter Gas geben können. Schwierigkeit hier: Das Pferd zum Stoppen bringen, absteigen und zur Schubkarre laufen. Denn bevor der Töfffahrer an den Start gehen kann, muss er seinen Reiterkameraden darin noch rund 50 Meter über eine Wippe und durch einen Wassergraben hindurch schieben. Dabei gilt es, dem Publikum einen Gummiball zuzuwerfen. Jetzt schnell rauf aufs vierrädrige Gefährt. Anlassen, Gas geben und so rasant es eben geht durch den Parcours mit engen Toren, Sprungschanzen und einer auf Kopfhöhe liegenden Holzstange fahren.

Susanne Suter und Thomas Laube, beide aus Lengnau, gehen als Erste an den Start. Beide bleiben fehlerfrei und geben mit zusammen 136,6 Sekunden eine gute Zeit vor. Doch Team 7 (Jennifer Frei und Sandro Märki) setzt neue Massstäbe. Märki auf dem Quad nimmt die Kurven auch verdammt eng. Immer wieder bringt er den Töff in gefährliche Schräglage. Mit nur 119,6 Sekunden übernehmen sie die Führung. Und behalten sie bis zum Schluss, nach insgesamt 15 Teams.

Neuanfang geglückt

Nach dem Rennen atmet der Reitverein Lengnau und Umgebung auf. Die Premiere mit dem neuen Platz in Würenlingen ist geglückt. «Wie haben schon ein wenig gezittert», sagt Anni Graf, frühere OK-Präsidentin, jetzt verantwortlich für das Sponsoring. Nach 31 Jahren Pferdesporttagen in Kirchdorf jetzt hier. Ein Würenlinger Bauer stellt ihnen eine Wiese zur Verfügung, auch für die kommenden Jahre.

Doch statt drei bis vier Tage wie früher sind es nur noch zwei - Samstag und Sonntag. Beide stehen im Zeichen des Springreitens: Am Samstag geht es über bis zu 105 Zentimeter hohe Hindernisse, am Sonntag liegen sie bis 1,25 Meter hoch. 440 Starts sind es insgesamt. «Wir wollten die Showübungen zuerst gar nicht machen», berichtet Anni Graf. Gut, dass sie es sich anders überlegt haben. Sonst hätte das Publikum am Samstagabend nicht so viel Spass gehabt.