Lengnau

Jüdischer Kulturweg wird Teil des Lehrplans 21

Ein neues Projekt für Schulen will den Dialog zwischen Religionen fördern – und macht dabei Halt auf dem jüdischen Kulturweg in Lengnau.

Seit 400 Jahren leben in Lengnau und Endingen Juden, die hohe Dichte an jüdischer Baukultur in den beiden Zurzibieter Dörfern ist schweizweit unvergleichbar. Um das kulturelle Erbe für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, wurde 2009 der jüdische Kulturweg ins Leben gerufen.

Der jüdische Kulturweg ist nun Teil der neuen Kampagne «Dialogue en Route» der interreligiösen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz (IRAS COTIS). Das Projekt wird derzeit schweizweit lanciert und will auf Brennpunkte in der Schweizer Religionsgeschichte aufmerksam machen. Dabei ist es auf den Lehrplan 21 abgestimmt und bewegt sich im Einklang mit dem Schulfach Ethik, Religionen, Gemeinschaft, bei dem Schülerinnen und Schüler den Umgang mit religiöser Vielfalt lernen sollen.

Ab Oktober kann nun als ergänzendes Bildungsangebot eine Schnitzeljagd auf dem jüdischen Kulturweg von Schulklassen gebucht werden. Den Anfang machte am Donnerstag eine Sekundarklasse aus Niederweningen. Für den Testlauf auf dem Lengnauer Dorfplatz war neben Verantwortlichen von IRAS COTIS Kulturweg-Präsidentin Susanne Holthuizen mit dabei. Ebenfalls anwesend: Lengnaus Gemeindeammann Franz Bertschi (SVP) und der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth.

Wie sieht eine koschere Pizza aus?

«Dieses Projekt ist eine Wertschätzung für die spezielle Geschichte von Lengnau», freute sich Bertschi, während Wermuth die Kampagne als wichtigen Beitrag dazu sah, «offen mit der Vergangenheit umzugehen» und den Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen und Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Auf insgesamt acht Posten durchs Lengnauer Dorfzentrum lernten die Schülerinnen und Schüler, welche Zutaten in einer koscheren Pizza stecken, dass Juden und Christen früher Tür an Tür in einem Doppeltürhaus lebten und dass die berühmte jüdische Guggenheim-Dynastie ihren Ursprung in Lengnau hat und die Industrie und Kultur in den USA stark mitgeprägt hat.

Das Erlernte hinterliess bei der Schulklasse Eindruck: «Es ist erstaunlich, wenn man sieht, dass Juden in vielen Läden einfach der Zutritt verwehrt blieb, obwohl sie damals einen Drittel der Bevölkerung ausmachten», sagte etwa eine Schülerin. Auch Bertschi und Wermuth rätselten bei den Aufgaben eifrig mit und merkten schnell, dass gewisse Fragen ohne bestimmte Vorkenntnisse gar nicht so einfach zu beantworten sind.

Ergänzung zu «Doppeltür»

Neben klassischen spielerischen Elementen, wie einem Brettspiel, das ans bekannte Leiterspiel angelehnt ist, darf bei einigen Posten zur Hilfe auch aufs Handy zurückgegriffen werden. Das sei bewusst so gewählt worden, erklärte Susanne Holthuizen. «Wir wollen den Umgang mit modernen Hilfsmitteln aktiv in die Aufgaben integrieren.»

Rund anderthalb Stunden dauert der Postenlauf, der über den jüdischen Kulturweg Endingen-Lengnau oder direkt über IRAS COTIS gebucht werden kann. Zielgruppe sind Oberstufenklassen, das Angebot steht aber auch Vereinen und Gruppen offen.

Für Endingen und Lengnau ist es indes nicht das erste Projekt, das sich mit der reichen jüdischen Geschichte in den beiden Surbtaler Gemeinden befasst: Vor rund zwei Jahren wurde bereits das Vermittlungsprojekt «Doppeltür» initiiert, das derzeit noch in der Realisationsphase steckt. In dessen Patronatskomitee stehen mit Franz Bertschi und Cédric Wermuth auch die beiden bei der Schnitzeljagd anwesenden Politiker.

Meistgesehen

Artboard 1