Bad Zurzach

«Jetzt gits Schoggi!»: Am Aschermittwoch ziehen Ättirüedi und Kinder schreiend durch den Flecken

«Jetzt gits Schoggi!»: Am Aschermittwoch zieht der Ättirüedi durch Bad Zurzach

Ein alter Fasnachtsbrauch: Der Ättirüedi und die Kinder ziehen durch Bad Zurzach.

Der «Ättirüedi» am Aschermittwoch ist für manche Kinder der Höhepunkt an der Fasnacht – schreien sie laut genug, können sie einen Sack mit Süssem vollstopfen.

«Jetzt gits Schoggi!», schreit der Ättirüedi beim Sternenbrunnen – und die Kinder schreien ihm die Worte wie auf Knopfdruck nach. Doch dem Mann mit dem grünen Kleid ist das Kindergeschrei noch nicht laut genug. «Lüter», ruft er, und nach dem nächsten Versuch der Kinder: «No lüter!» Erst nun wirft er mehrere Tafeln Schokolade in hohem Bogen in die Luft, eine nach der anderen.  

Es ist ein traditioneller Fasnachtsbrauch, der sich am Nachmittag des Aschermittwochs in Bad Zurzach abspielt. Vom Sternenbrunnen im Oberflecken ziehen der Ättirüedi, das zwölfte Jahr von Stephan Baldinger verkörpert, und eine grosse Kinderschar durch die Hauptstrasse im historischen Ortskern zum Verenamünster. Während sich auf der Strasse eine Schlange von Lastwagen und Autos bildet, fordert der Ättirüedi immer wieder lautstark zum lauten Nachschreien und Antworten auf. Tun die Kinder das laut genug, lässt er Zeltli, Würstli, Orangen oder Schoggi-Tafeln durch die Luft fliegen. Die Kinder stürzen sich auf die Gaben. Alle haben Säcke oder Taschen mitgebracht, in die sie ihre Beute stopfen.

«Wo sind mini Maitli? Wo sind mini Buebe?», ruft der Ättirüedi auch. Oder: «Wer will Würschtli?» und: «Wer will Zeltli?» Bei sich hat der Ättirüedi einen Ofenstecken, mit dem er grosse Kinder auf Distanz hält, falls die sich einen unstatthaften Vorteil verschaffen wollen. 

Gaben an Arme verteilt

Die Figur des «Ättirüedi» hat eine lange Tradition und geht zurück in der Pestzeit des 16. Jahrhunderts. Laut Überlieferung sprach ein Mann in Frauenkleidern bei den reichen Leuten vor, um milde Gaben zu erbetteln. Diese verteilte er an die Armen.

Der Ättirüedi und die Kinder ziehen über eine Stunde lang durch den Ort. Der Mann im grünen Kleid füllt seinen Gabensack immer wieder mit neuen Waren auf, die von den Geschäften und Restaurants gespendet werden. Erwachsene sind zwar eigentlich Zaungäste, doch auch sie werden manchmal beglückt. Ein Mann etwa fängt ein Wienerli, ohne dass er sich allerdings bewegt hätte. Ein Zurzacher erklärt: "Es gilt die alte Regel: Angeschossenes darf behalten werden."

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