Reuenthal

«Jeder Helm hat seine ganz eigene Geschichte»

Mike Hess zeigt einen Helm der deutschen Armee aus dem Jahr 1916.  Angelo Zambelli

Mike Hess zeigt einen Helm der deutschen Armee aus dem Jahr 1916. Angelo Zambelli

Wer sich für Militärhelme interessiert, findet in der Militärhelm-Sammlung von Mike Hess wahre Schmuckstücke. Die Ausstellung eröffnet den neu gebauten Ausstellungsraum im Festungsmuseum.

Rund 70 Militärhelme des Sammlers Mike Hess zeigt das Festungsmuseum Reuenthal derzeit in einer Sonderausstellung. Wie kommt man zu so einem Hobby? «Helme sind nicht einfach nur Metallstücke», sagt Hess. «Jeder Helm hat seine ganz eigene Geschichte.»

So wollte Hess, 53 Jahre alt, aus dem Kanton Baselland, mehr zu einem Stahlhelm aus dem Jahre 1935 wissen: Das Stück war angeschrieben mit dem Namen Ducrée. Hess fand heraus, dass dieser Mann ein deutscher Unteroffizier war, der den Helm während des Zweiten Weltkriegs im russischen Uspenskaja trug. 1943 kam der Mann im Krieg ums Leben, wie Hess’ Recherchen ergaben. «Mich interessiert das Leben der Soldaten, die meine Helme trugen. Das ist die Faszination», sagt Hess.

Für sein Hobby reist der Sammler um die ganze Welt: nach England, nach Afrika, in die USA. Nur so komme er an seltene Stücke, sagt Hess. Zwar würden auch im Internet Exemplare angeboten – das seien aber vor allem Kopien und Fälschungen.

Helme aus Stoff

Eine wichtige Zäsur bei der Produktion von Helmen stellt der Erste Weltkrieg dar: Erst 1915 kamen die Kriegsnationen auf die Idee, die Köpfe ihrer Soldaten mit Helmen aus Stahl zu schützen. Vorher bestanden die Kopfbedeckungen aus Stoff, was als Schutz nicht genügte – 80 Prozent der tödlichen Verletzungen erlitten die Männer an der Front wegen Geschosssplittern, die sie am Kopf trafen.

Seit 1915 haben sich Form und Beschaffenheit der Helme stetig gewandelt; das Grundprinzip, das damals erfunden wurde, gilt aber noch heute. Jeder Helm hat einen Nackenschutz und ermöglicht Bewegungsfreiheit. Die Entwicklung dieser Form stammt von den Deutschen.. Bis jetzt nennen amerikanische Soldaten ihre Kopfbedeckung darum «Fritz».

Trotz stetiger Innovation schützten Helme nicht immer gut genug – das sieht der Besucher in Reuenthal am Helm eines Soldaten der italienischen Todeskompanie: Auf der Höhe der Stirn hat sich eine Kugel durch das Metall gebohrt. Was für ein Gefühl ist das, wenn man den Helm in der Hand hält, den ein Soldat während seines letzten Atemzugs getragen hat? «Obwohl ich die Helme schon so oft gesehen und gehalten habe», sagt Hess, «ist es manchmal schon unheimlich.»

Die Stücke aus vergangenen Zeiten kosten viel Geld: Bis zu 14000 Franken schätzt Hess den Liebhaberwert einzelner Exemplare. Allein die rund 70 Stücke, die in Reuenthal ausgestellt sind, haben einen Wert im sechsstelligen Bereich. Und zu Hause bei sich hat Hess noch diverse weitere Exemplare stehen. Viel vom Geld, das er als Informatiker verdient, gibt Hess für sein Hobby gleich wieder aus.

Helm als Schöpfkelle

In der Sonderausstellung zu bestaunen gibt es auch Kurioses, wie zum Bespiel einen Helm, der zu einer Schöpfkelle umfunktioniert wurde. Oder einen Helm aus der persönlichen Garde von Saddam Hussein, der an die Kopfbedeckungen im Film «Krieg der Sterne» erinnert. «Irakische Soldaten mussten mit diesen skurrilen Helmen herumlaufen – nur weil Saddam Husseins ältester Sohn so ein grosser Fan des Filmes war.»

Die Helme von Mike Hess eröffnen den neu gebauten Ausstellungsraum im Festungsmuseum. «Ich bin stolz, dass ich für diese Premiere von der Museumsleitung angefragt worden bin.» Museums-Präsident Thomas Hug spricht derweil von einer «würdigen Ausstellung». Weil das Interesse an den Helmen grösser sei als erwartet, könnten Besucher sie länger sehen als ursprünglich geplant: Bis Ende Dezember 2012 stehen die Helme im Festungsmuseum Reuenthal.

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