Döttingen

In Pension geht der Winzerumzug noch lange nicht

Ganz traditionell und doch kein bisschen altersmüde: Bei der 65. Auflage des Winzerumzugs in Döttingen waren viele blumenbesetzte Wagen zu bewundern. Daneben genossen die zahlreichen Schaulustigen den Wein, der auf vielen Wagen ausgeschenkt wurde.

Noch am Morgen verhiessen dicke graue Regenwolken nichts Gutes; doch wie bestellt, zeigte sich pünktlich zum Auftakt des 65. Winzerumzugs die Sonne. Nur ein kühler Wind erinnerte an den schlechten Start in den Tag. Noch bevor der Umzug begonnen hatte, drängten sich Menschenmengen vom Usserdorf die Hauptstrasse entlang bis zum Kreisel beim Hotel Bahnhof am Strassenrand: Jeder wollte einen Blick auf das Spektakel erhaschen. Darunter auch die Regierungsräte Roland Brogli (CVP), Urs Hofmann (SP) und Alex Hürzeler (SVP). Dann endlich gaben die schweren Kuhglocken der Tychlergruppe Zürcher Unterland den Startschuss für den Umzug. 56 verschiedene Umzugssujets und Musikanten zogen durch die Strasse des Dorfes.

Velo-Veteranen, Sennenhunde und Endinger Turner: Eindrücke vom 65. Winzerumzug durch Döttingen.

Velo-Veteranen, Sennenhunde und Endinger Turner: Eindrücke vom 65. Winzerumzug durch Döttingen.

Ganz nach dem zum Jubiläum eingeführten Motto „Typisch Winzerfest“ präsentierte sich der Umzug farbenfroh und mit vielen Blumen. „Nach all den Jahren hat unser Winzerfest seine ganz eigene Note entwickelt, eben typisch Winzerfest“, sagt Mediensprecher Daniel Kaiser. So seien besonders die mit vielen bunten Blumen geschmückten Wagen ein Markenzeichen geworden. In diesem Sinne fuhren die Einscheller Uznach gleich zu Beginn mit einem von Blumen übersäten Wagen ein. Ein Pferd aus weissen Blumen krönte das mobile Blumenmeer. Ein riesiges gelbes Blumen-Smiley zierte gleich den nächsten Wagen. Doch nicht jeder Umzugswagen liess sich nur auf schöne Blumenkünste ein: Die Förster liessen auf ihrem Gefährt riesige Nadeltannen wachsen. Mit einer Kettensäge wurden diese immer wieder zu Fall gebracht und sogleich mit einem eingebauten Mechanismus wieder aufgestellt.

Ebenfalls eine beeindruckende Show bot einer der Velo-Veteranen. Auf einem alten Hochrad in passender historischer Aufmachung flitze der Veloliebhaber durch die Strasse und turnte dabei gekonnt auf dem antiken Fahrrad herum. Für den Jö-Effekt sorgten die flauschigen Sennenhunde des Berner Sennenhunde Klubs. Nicht ganz im Gleichschritt aber auf einer Linie liefen die pelzigen Berghunde die Strasse entlang und liessen sich dabei auch gerne vom einen oder anderen Tierfreund streicheln.

Wein und Zältli gibt’s umsonst

Verschiedene Musikgruppen sorgten zwischen den Wagen für Stimmung. Darunter nicht nur ansässige Musikgesellschaften wie die Stadtmusik Klingnau, sondern auch die Polizeimusik Bern und Zürich-Stadt. Doch was wäre ein Winzerumzug ohne Wein? Natürlich führte fast jeder Wagen einen guten Wein zur Degustation mit. Gewiefte Besucher hatten dann schon das mitgebrachte Weinglas zur Hand, für alle anderen gab es kleine Plastikbecher. Zwischen den einzelnen Probiererli gab es reichlich Süssigkeiten: Diese warfen besonders die jungen Wagenbegleiter mit voller Freude der ersten Zuschauerreihe zu.

Die Gastgemeinde Endingen zeigte sich von ihrer sportlichen Seite. So lief in vorderster Reihe der TV Endingen ein, gefolgt vom Handballnachwuchs. Dieser führte gleich auf einem Wagen mit Handballtor sein Können vor. Doch damit nicht genug: Ein Jungtalent des Turnvereins bewegte sich mühelos im Flickflack die Strasse entlang. Da fragte sich einer der Zuschauer dann zu Recht: „Wird dem Kind denn nicht schwindlig?“

Von der Wein-Abholet zur Tradition

Mit dem Winzerumzug feierte das Döttinger Winzerfest am Sonntag seinen dritten und letzten Höhepunkt. Dabei bildet der Umzug den Ursprung des Festes. So fand 1950 der erste Winzerumzug statt, als im Bestreben, den Weinabsatz zu steigern, die Bevölkerung zu einer „Wein-Abholet“ eingeladen wurde. „Damals fuhr ein Wagen mit Wein durch die Strasse von der Trotte bis zur Beiz“, erklärt Daniel Kaiser. Das Ganze wurde von der Musikgesellschaft und der Trachtengruppe begleitet. Seither hat sich aus dem einfachen Weintransport eine gefeierte Tradition entwickelt.

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