Spendenaktion

In Mellikon sammelt man jetzt digital für die Brandopfer

Am 30. Oktober brannte in Mellikon dieses Mehrfamilienhaus. Neben zwei Verletzten gab es einen hohen Sachschaden.

Am 30. Oktober brannte in Mellikon dieses Mehrfamilienhaus. Neben zwei Verletzten gab es einen hohen Sachschaden.

Im Zurzibieter Ort brannte ein Haus nieder. Die Bevölkerung lancierte für die Betroffenen eine Spendenaktion – erstmals auf einer Onlineplattform.

Am 30. Oktober letzten Jahres brannte in Mellikon ein Mehrfamilienhaus. Der Brand zerstörte den Dachstock und das Obergeschoss. Zwei Personen mussten mit einer Rauchgasvergiftung ins Spital überführt werden. Die beiden Mietwohnungen brannten komplett aus. In einer wohnte eine dreiköpfige Familie mit zwei Mädchen.

Was daraufhin folgte, war eine grosse Solidaritätsaktion. Nachbarn gewährten den Betroffenen vorübergehend Unterschlupf. Und: Erstmals fand im Ort mit der Plattform Crossiety eine digitale Spendenaktion statt.

Conny Fuchs, parteilose Gemeinderätin in Mellikon, ist für die Betreuung der neu geschaffenen digitalen Plattform zuständig und hell begeistert. Seit letztem Sommer nutzt der kleine Ort im Zurzibiet das Angebot des Start-ups mit Sitz im zürcherischen Thalwil. Mitinhaberin und Verwaltungsrätin ist die ehemalige Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer.

Jeder Dritte nutzt in Mellikon inzwischen die App

Das ohnehin schon intakte Zusammenleben sei mit Crossiety noch aktiver, attraktiver und zusätzlich gestärkt geworden, sagt Conny Fuchs. Die Zahlen in Mellikon sprechen für sich: Von den rund 220 Einwohnern nutzt inzwischen mehr als ein Drittel den digitalen Dorfplatz. Was einem Spitzenwert entspricht, sagt der Leiter Crossiety Schweiz, Joel Singh. In der Deutschschweiz nutzen inzwischen rund 50 Gemeinden die App.

Das Prinzip ist einfach: Die Plattform ist für Einwohnerinnen und Einwohner, Vereine, Institutionen und Gewerbe zugänglich. Durch die vereinfachte digitale Vernetzung soll der persönliche Kontakt im reellen Alltag gefördert werden. «Obwohl wir eine kleine Gemeinde sind, wo noch jeder jeden kennt, hat Crossiety, wie das Beispiel des Brandes zeigt, den nachbarschaftlichen Alltag gestärkt und vereinfacht», so Fuchs.

Die Nutzerinnen und Nutzer gestalten und beleben die Plattform, indem sie eigene offene oder geschlossene Gruppen gründen, Anliegen und Informationen mitteilen und auf Veranstaltungen hinweisen. Es werden lokal-relevante Diskussionen geführt, Umfragen gestartet und Beiträge wie «Ich suche/biete/helfe» aufgegeben.

Über Crossiety sei am Tag des Brandes sofort informiert worden. «Um zu helfen, haben die Bewohner eine Gruppe gegründet», so Fuchs. Das Resultat kann sich sehen lassen: Neben der physischen Unterstützung ergab die Spendenaktion einen Erlös von über 5000 Franken für die betroffenen Mieter.

Rekingen startet am 1. März

Bei Crossiety zeigt man sich über die Aktion hocherfreut. Das junge Unternehmen mit seinen rund 15 Angestellten wurde im Sommer 2016 gegründet. «Unser Angebot entspricht ganz offensichtlich einem Bedürfnis», sagt Joel Singh. Neben der einfachen Kommunikation schätzen die Kunden vor allem, dass die Plattform auf Werbung verzichtet und einen hohen Datenschutz garantiert, so Conny Fuchs. Im Unterschied zu herkömmlichen sozialen Netzwerken wie Facebook.

Das Unternehmen ist nun daran, den Bekanntheitsgrad auszubauen. Auch in der Region: Im Zurzibiet setzt neben Mellikon künftig die Nachbargemeinde Rekingen auf Crossiety. Ab 1. März können sich die etwas mehr als 900 Bewohner untereinander und miteinander vernetzen, wie Gemeindeschreiberin Marion Marty sagt. Die Kosten für die Einführung sind vergleichsweise gering. Für Rekingen belaufen sie sich auf rund 3400 Franken. Auch im Bezirk Baden laufen derzeit Gespräche mit einigen Interessenten, erklärt Joel Singh.

Elternhaus wegen rauchender Mieterin verloren?

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Weil eine Mieterin beim Rauchen nicht aufgepasst habe, soll das Haus von Guido Mattenberger am letzten Mittwoch in Mellikon niedergebrannt sein. Im unteren Teil des Gebäudes hatte er auch seinen Malerbetrieb. Der Verlust schmerzt wegen der vielen Erinnerungen besonders.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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