«Auch eine kleine Gruppe ist dem Gemeinderat wichtig», betonte Ammann Roger Berglas am Informationsanlass zum Fusionsprojekt Rheintal+. Diese kleine Gruppe von 16 Personen hatte den Gemeinderat gebeten, anstelle des geplanten Stammtisches eine weitere Informationsveranstaltung durchzuführen. An diesem Anlass stellte der Gemeinderat die Eckpunkte des Zusammenschlussvertrages am Donnerstagabend vor. Er legte aber auch die Gründe dar, die ihn zum Nein zu Rheintal+ bewogen haben. Und er stellte sich der Diskussion über seine Haltung und das Für und Wider einer Fusion. Die Fisibacher Exekutive ist neben Rietheim und Mellikon einer von drei Gemeinderäten, die eine Heirat ablehnen.

Bei der ablehnenden Haltung des Gemeinderates gegenüber Rheintal+ kommt der Schulsituation grosses Gewicht zu. (Anm. d. Red: Die Schulkinder aus Fisibach und Kaiserstuhl besuchen die Schulen im zürcherischen Weiach.) Das Vetorecht, das den beiden Gemeinden nachträglich eingeräumt wurde, vermag am Nein des Gemeinderates Fisibach nichts zu ändern. «Es ist schade, dass die Schulsituation im Fusionsprojekt keine Akzeptanz findet», so Roger Berglas. «Bei einem Zusammenschluss geben wir die Schule aus den Händen. Wenn die Unterstützung durch die künftige Schulpflege oder Schulleitung fehlt, besteht Gefahr für die heutige, gute Lösung.»

Der Gemeinderat verwirft den Zusammenschlussvertrag jedoch nicht in Bausch und Bogen. Als negativ beurteilt er aber die vorgesehenen Lösungen in den Bereichen «Exekutive, Volksrechte»; «Entwicklung, Raumplanung, öV»; «Wasserversorgung, Abwasser»; «Ortsbürger» sowie «Kultur, Freizeit, Jugend, Alter». «Wir haben nach Fakten gesucht und sie bewertet», so Roger Berglas. «Was wir gefunden haben, überzeugt uns nicht. Für den Gemeinderat macht der Zusammenschluss keinen Sinn.»

Auf einen Einwand eines Mitgliedes der Arbeitsgruppe Raumplanung hin machte der Gemeindeammann die fehlende Solidarität unter den Gemeinden der Region geltend. So in der Frage des Fluglärms oder der Anbindung ans öV-Netz des Zürcher Unterlandes. Roger Berglas: «Wir hätten Fisibach gerne in der Rolle eines Brückenbauers zum Zürcher Unterland gesehen. Das Verständnis für die Beziehungen zum Kanton Zürich fehlt.»

Warnung vor negativen Folgen

Die ablehnende Haltung des Gemeinderates zu Rheintal+ wird jedoch nicht überall geteilt. Das jedenfalls zeigten kritische Fragen. Dabei stand über weite Strecken der Bereich Wasser und Abwasser im Vordergrund. Befürworter einer Fusion warnten vor den bei einem Alleingang der Gemeinde zu erwartenden erheblichen Kosten für die Erneuerung des Wasserleitungsnetzes. Gegner der Fusion argumentierten damit, dass die bei der Fusion vorgesehenen Wasser- und Abwassergebühren zu einer erheblichen Mehrbelastung der Haushalte führen würden.

Die Meinungen zu Rheintal+ sind in Fisibach offensichtlich geteilt. Auf den Punkt gebracht haben dürfte es ein einstiger langjähriger Gemeinderat mit seinem Statement: «Die entscheidende Frage ist, ob man die Autonomie aufgeben will. Wenn wir Ja sagen ist die Autonomie weg.» Er erhielt Applaus.

Als Nächstes stehen nun am 23. Mai die ausserordentlichen Generalversammlungen in den zehn Gemeinden an. Damit die Fusion zustande kommt, müssen mindestens vier Gemeinden und ganz sicher Bad Zurzach zustimmen.