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Immer mehr Deutsche heuern im Aargau als Bus-Chauffeure an – wegen des Lohns

In den Bussen in der Region sitzen immer häufiger Chauffeure aus Deutschland am Steuer. Sandra Ardizzone

In den Bussen in der Region sitzen immer häufiger Chauffeure aus Deutschland am Steuer. Sandra Ardizzone

Die höheren Löhne von Schweizer Busunternehmen motivieren viele Chauffeure aus Deutschland zu einem Wechsel ins Nachbarland. Auf die Branche hat das erhebliche Auswirkungen.

Busfahrer sind auf der deutschen Seite des Rheins Mangelware. In den vergangenen Jahren haben viele von ihnen in die benachbarte Schweiz gewechselt. Die häufigsten Gründe sind spätestens seit der Auflösung der Euro-Franken-Bindung deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten, aber auch ein höherer Stellenwert als Fahrer.

Die regionalen Busunternehmen, allen voran die SBG Südbadenbus GmbH, leiden unter der starken Fluktuation und dem Nachwuchsmangel, berichtet Hans Peter Seibold, Niederlassungsleiter der SBG in Waldshut. Zehn bis zwölf Prozent der hier ausgebildeten Fahrer wechseln demnach jährlich in die Schweiz.

Die Lage habe sich laut Seibold in den vergangenen Monaten zwar wieder stabilisiert, dafür gebe es andere Schwierigkeiten. Rund 80 Prozent der Neueinstellungen werden mittlerweile von der Agentur für Arbeit vermittelt. Hierbei handle es sich um Menschen mit den verschiedensten Hintergründen, wie Umschüler aus anderen Berufen oder Migranten.

Der Erwerb des Busführerscheins wird von der Agentur finanziert, doch «sie schlagen sich unterschiedlich», sagt Seibold. Es gebe zuweilen sprachliche Verständigungsprobleme, aber auch Defizite im technischen Verständnis sowie bei der Pünktlichkeit im unregelmässigen Schichtbetrieb. «Rund 20 bis 30 Prozent der so vermittelten Fahrer verlassen uns nach kurzer Zeit wieder», sagt Seibold.

Bis zu 6400 Franken im Monat

Der Wechsel über die Grenze ist für erfahrene Fahrer nachvollziehbar. Während die mittleren 50 Prozent der Busfahrer in Baden-Württemberg durchschnittlich zwischen 2100 und 2800 Euro brutto im Monat verdienen, bringen es die Schweizer Kollegen auf 5600 bis 6400 Franken im selben Zeitraum, also ungefähr das Doppelte. Auch beim Urlaub sieht es auf der gegenüberliegenden Rheinseite oft besser aus. In Deutschland gibt es rund 28 Urlaubstage im Jahr. In der Schweiz haben Buschauffeure einen Anspruch auf vier Wochen Ferien im Jahr, ab einem Alter von 50 Jahren auf fünf und ab einem ab 60 Jahren auf sechs Wochen.

Doch es gibt auch Nachteile. Die Dienstpläne sind in der Schweiz strenger und die Toleranz für Verspätungen geringer. Zudem wird dort in der Regel mehr gearbeitet. Während deutsche Busfahrer tarifbedingt rund 38,5 Stunden hinter dem Steuer sitzen, wird in der Schweiz 42 Stunden pro Woche gefahren.

Egzon Berisha aus Küssaberg hat den Wechsel ins Nachbarland bislang nicht bereut. Der 27-Jährige wechselte vor drei Jahren und ist seitdem in Baden als Bus-Chauffeur tätig. Über die Grenze gelockt hat ihn der deutlich bessere Verdienst. Mittlerweile fühlt er sich dort aber auch aus anderen Gründen wohler: «Der gesellschaftliche Stellenwert als Chauffeur ist in der Schweiz viel höher», erklärt er. «Selbst kleine Kinder sagen bereits Danke und auf Wiedersehen.»

Kulturelle Unterschiede

Ein pensionierter Kollege von Berisha sieht den Wechsel ins Nachbarland trotz besserer Löhne kritisch. «Bei uns ist das Verhältnis unter den Kollegen herzlicher und entspannter», weiss er aus eigener Erfahrung und aus Erzählungen von Kollegen. Darüber hinaus berichtet er von einer grösseren Fairness seitens der Fahrgäste, die sich zuerst an den Busfahrer selbst wendeten, anstatt sofort Reklamationen an seinen Arbeitgeber zu senden, wie es in der Schweiz der Fall sei. Solche kulturellen Unterschiede würden viele Busfahrer auch dazu bewegen, nach Deutschland zurückzukommen.

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