Lengnau

Im Surbtal flattern exotische Schmetterlinge umher – sie sollen Kunden sensibilisieren

Das Gartencenter in Lengnau hat ein Paradies für Sommervögel geschaffen – es soll einen Beitrag zur Klimadebatte leisten.

Ein leuchtend blauer Morpho-Falter fliegt durch die schwüle Luft, währen sich ein orangefarbener Julia-Schmetterling an der Melone labt, die auf einem Tischchen steht. Das Zuhause dieser Sommervögel ist nicht etwa ein tropischer Regenwald in Lateinamerika, sondern das Gartencenter in Lengnau. Für etwas mehr als einen Monat können Besucher im Schmetterlingsparadies Eier, Raupen, Puppen und ausgewachsene Falter aus nächster Nähe betrachten.

Nach 2005 und 2016 ist es das dritte Mal, dass Inhaber Paul Hediger, seine Frau Iris und Mitarbeiterin Tamara Wenger das rund 100 Quadratmeter grosse Zelt aus Vlies aufstellen, das sich im Treibhaus des Gartencenters befindet. «Ursprünglich war es in diesem Jahr gar nicht vorgesehen», sagt Paul Hediger. Aber mit der aktuellen Klimabewegung und dem immer grösseren Bewusstsein für das Bienensterben und Biodiversität sei der Zeitpunkt ideal, um auch auf die Lage der Schmetterlinge aufmerksam zu machen. «Denn den Sommervögeln geht es genauso schlecht wie den Bienen», sagt Hediger. Wie alle Insekten leiden auch sie stark unter Pestiziden und dem massiven Rückgang von Lebensräumen.

«Ich glaube, als Gartencenter ist es unsere Pflicht, die Kunden auf solche Themen zu sensibilisieren und dazu beizutragen, dass die Natur im Gleichgewicht bleibt», sagt Hediger. Zudem können Schulen Führungen für Klassen buchen. Da erfahren die Kinder, von welchen Pflanzen sich die Sommervögel ernähren, dass sie sechs Beine haben, mit den Füssen schmecken und mit dem Bauch hören.

Am Schmetterlingsparadies verdient das Gartencenter nichts. Die Puppen, der Aufbau und der Unterhalt kosten nicht nur viel Zeit, sondern auch mehrere tausend Franken. «Aber es macht Spass und ist auch eine schöne Attraktion fürs Zurzibiet», sagt Hediger. Und wenn die Besucher noch Nektar-Oasen für den Rasen oder Blumen für den Balkon kaufen würden, die als Futterpflanzen dienen, sei dies ein schöner Nebeneffekt, sagt Hediger und blickt zwei Sommervögeln nach, die sich durch die Luft jagen.

Die exotischen Larven stammen aus England

Einige der Schmetterlinge sind so gross wie zwei Handflächen, andere nur wenige Zentimeter breit. Seit Ende Juli kommen jede Woche 100 bis 200 Larven aus England an, die sich in wenigen Tagen zu Sommervögeln entwickeln, die wiederum Eier legen. Bald fliegen mehrere Hundert Falter durch das Schmetterlingshaus. Alles exotische Exemplare. «Einheimische kann man so als Larven gar nicht bestellen», sagt Hediger. Damit sich die Insekten in ihrem vorübergehenden Zuhause in Lengnau wohlfühlen, sind eine Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent und Temperaturen ab 20 Grad ideal. Und auch für die richtige Ernährung muss gesorgt sein: Die farbigen Insekten schlemmen gerne auf Bananenpflanzen, Zitruspflanzen oder Oleander. Bis zum 14. September ist das Schmetterlingsparadies noch offen. Danach wird der Raum nicht mehr beheizt. So pflanzen sich die Schmetterlinge nicht mehr fort, und der Bestand reduziert sich allmählich. Denn Sommervögel leben nur bis zu zwei Wochen als voll entwickeltes Insekt.

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