Es ist ruhig geworden im Zurzacher Schlosspark. Die Zeiten, in denen Enten und Pfauen durch das Gelände tummelten, sind vorbei. Das Museum samt Café mit den Gemälden des deutschen Künstlers August Deusser in den Innenräumen von Schloss Zurzach steht seit bald zehn Jahren leer.

Den Namen hatte die Bevölkerung dem Gebäude gegeben, mittlerweile deutet nichts mehr auf das märchenhafte Ambiente hin: Das Schild am Eingangstor mit der Aufschrift «Schloss Zurzach» wurde vor zweieinhalb Jahren entfernt, das Tor selbst ist nochmals ein Jahr länger für die Bevölkerung geschlossen. Aus dem Prachtsbau wurde eine Geistervilla.

Der pompöse Eingang ist entfernt worden. (Archivbild)

Der pompöse Eingang ist entfernt worden. (Archivbild)

Errichtet wurde die «Villa Himmelrych» Anfang des 20. Jahrhunderts vom Industriellen Jakob Zuberbühler. Dass sie verkauft werden soll, steht seit 2012 fest. Aber bis heute hat sich kein Käufer für das Schloss gefunden. Besitzer ist die Antonie-Deusser-Stiftung. Sie verwaltet seit 1972 den künstlerischen Nachlass von August Deusser. Von 1978 bis 2010 waren dessen Werke im Museum des Schlosses ausgestellt.

Nach jahrelangem Rechtsstreit zwischen Mitgliedern der Stiftung, musste der damalige Präsident Hugo Ammann 2009 das Feld und das Schloss räumen – seitdem ist das Gebäude für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Die Stiftung entschied in der Folge eines Gutachtens, Schloss Zurzach zu verkaufen.

Bisher 200'000 Franken investiert

Im Januar 2014 präsentierte Stiftungsratspräsident Marco Bottani den Plan «Wohnen im Park», der unter anderem die Umnutzung des Schlosses in ein Wohngebäude vorsah. Der Gemeinderat bewilligte im Mai desselben Jahres schliesslich den Umbau in der Villa. Gegen den Entscheid wurde von mehreren Seiten Beschwerde eingelegt. Erst vergangenes Jahr wurde letztinstanzlich am kantonalen Verwaltungsgericht entschieden, dass die Baubewilligung rechtskräftig ist.

Jetzt soll endlich wieder Leben ins Gebäude einkehren. Seit Anfang des Jahres wird im Schloss gebaut, wie Marco Bottani auf Anfrage bestätigt. Bereits 2017 wurde die Aussenfassade zusammen mit der Denkmalpflege renoviert und auf den «Originalzustand» der Erbauung zurückgesetzt. 800 000 Franken investierte die Stiftung damals.

So sollte die Überbauung im Schlosspark Bad Zurzach dereinst aussehen, welche die Antonie Deusser-Stiftung geplant hatte.

So sollte die Überbauung im Schlosspark Bad Zurzach dereinst aussehen, welche die Antonie Deusser-Stiftung geplant hatte.

Die Fassade des Gebäudes ist nun wieder blau, nicht mehr gelb. Die Skulpturen im Park und die Verzierungen am Tor wurden abmontiert und im Keller des Gebäudes aufbewahrt. Mit der rechtskräftigen Baubewilligung konnte jetzt auch der Innenausbau in Angriff genommen werden.

Drei Mietwohnungen à 200 Quadratmeter sollen entstehen. «Bisher haben wir 200 000 Franken dafür in die Hand genommen. Wie viel Kosten noch entstehen und wie lange der Umbau dauert, ist derzeit noch nicht ersichtlich», sagt Bottani. Der Umbau findet im Austausch mit Denkmalschutz- und Brandschutzbehörden statt.

Die Vermietung des Schlosses ist derweil nicht der einzige Lösungsansatz zur Umnutzung des Schlosses. Die Antonie-Deusser-Stiftung hält sich die Möglichkeit nach wie vor offen, das gesamte Schloss zu verkaufen. Auf diversen Immobilienportalen wurde die Liegenschaft angeboten – bisher erfolglos.

Das Schloss Bad Zurzach wurde vom Industriellen Jakob Zuberbühler gebaut und hiess damals "Villa Himmelrych".

Das Schloss Bad Zurzach wurde vom Industriellen Jakob Zuberbühler gebaut und hiess damals "Villa Himmelrych".

Für 6 Millionen Franken ist die Villa zu haben

Die Preisvorstellung wurde mittlerweile gesenkt: Das Gutachten von 2012 legte einen Preis von 7 Millionen Franken für das Schloss fest. Inzwischen wäre die Stiftung über 6 Millionen Franken froh. Bottani: «Interessenten gab es immer wieder, aber die Preisvorstellungen haben nicht gestimmt. Wir unterliegen den Vorgaben der Stiftungsaufsicht.»

Eine weitere Möglichkeit wäre der Verkauf eines Liegenschaftspakets: 15 Millionen Franken für das Schlossgelände sowie je zwei Gebäude und Bauparzellen in Bad Zurzach. Auch bei dieser Option wurde der Preisrahmen bereits um 3 Millionen Franken gesenkt. Der Plan der Stiftung, auf den Bauparzellen des ehemaligen Schlossparkplatzes zusätzliche Mehrfamilienhäuser errichten zu wollen, besteht ebenfalls weiterhin. Die Planungszone, mit welcher der Gemeinderat das Vorhaben einst verhinderte, ist diesen Januar ausgelaufen.

Wie rasch die Stiftung nun auf eine Baubewilligung hoffen darf, ist allerdings offen. Nach wie vor sind Einsprachen am Laufen, die bisher nicht zu einer Lösung geführt hätten, sagt Gemeindeammann Reto S. Fuchs. Die Stiftung wird sich also weiterhin in Geduld üben müssen, um das Projekt zu verwirklichen.

Bad Zurzach in Bildern: