Bereits am Freitagabend wurde der Flecken von gemütlichem Flanieren statt Motoren-Gebrumm beherrscht. Am Samstag dann gesellten sich eine Vielfalt von Tönen sowie Kunst, Kitsch und Krempel zur Geselligkeit: Auf die 30. Shopping-Night folgte das 30. Drehorgeltreffen. Der zeitgleiche Temperatursturz von Hochsommer zu Frühherbst war aus Veranstaltersicht zwar nicht optimal, tat dem Plausch und der Freude aber nur marginal Abbruch.

Die gemeinsame Modenschau von «Weber», «Lederparadies» und Schuhhaus «Di Renzo» wurde in der noch lauen Nacht ebenso begeistert beklatscht, wie sich sämtliche Geschäfte über sehr guten Kundenzustrom freuen konnten. Ebenfalls am Freitagabend zog das traditionelle Drehorgel-Konzert erfreulich viele Zuhörer in die reformierte Kirche.

Am Samstag dann waren Hauptstrasse und Schwertgasse fest in den Händen von Händlern und emsig Kurbel drehenden Musizi. Während erstere ihre Raritäten und Kuriositäten unter gedeckten Ständen feilboten, mussten sich die Drehörgeler ab Mittag möglichst trockene Plätzchen suchen.

Englische «Marseillaise»

So wie Brigitte Angst aus dem sankt-gallischen Bronschhofen mit ihrem «Konzert-Roller-Organ» von 1804 – dem ältesten, der vertretenen Instrumente, das die Besitzerin auf einen rollenden Untersatz montiert hat. Äusserlich wie ein altes Grammophon aussehend, wird im Innern des «Konzert-Roller-Organ» eine Walze, wie man sie aus Spieldosen kennt, gedreht. Mit bekannten Melodien: Unter anderem spielt das Instrument, obwohl aus England stammend, die «Marseillaise».

In mehreren hundert Arbeitsstunden hatte Peter Hartmann aus Untersiggenthal seine Orgel 2008 selber gebaut. «Da sich Metallpfeifen an der Sonne gerne verziehen habe ich aus Nussbaum ‹Zauberflöten› gebaut.» 68 solche sein Instrument, dazu 31 Tonstufen und drei Register. «Ich habe die Orgel mit Lochbandsteuerung gebaut, damit ich die Melodien kaufen kann», verrät der 80-jährige gelernte Mechaniker und auch, dass «Plaisir d’amour» seine Lieblingsmelodie sei.

Von ennet dem Rhein waren die sechs «Stammtischler» in den Flecken gekommen – im Gepäck nebst einer Drehorgel auch Bass, Akkordeon, Gitarre, Rhythmusinstrument und, vor allem, kräftige Stimmen. «Cindy oh Cindy» oder «Marina» aus voller Kehle gesungen luden zahlreiche Besucher zu einem ausgiebigen Schunkel-Halt. Ganz besonders tat dies das von den «Stammtischlern» selbstkomponiertes «Frauen sind da um geliebt, nicht um verstanden zu werden.

Wehmütige Erinnerungen

Bestens gelaunt, in passendem Outfit der Kälte mit Nonchalance trotzend, haben die Örgelerinnen und Örgeler aus ihren Instrumenten weniger Moritaten als auch schon, aber umso mehr Oldies-Ohrwürmer wie «Il Silenzio», «Bajazzo» oder «Aber dich, gibt’s nur einmal für mich» gedreht. Das liess die Zuhörer besonders beschwingt flanieren und intensiv an den Verkaufsständen zu schmökern. Zwischen Porzellan und nackten Gartenzwergen, Olympia-Schreibmaschine und Arztköfferchen, weckten wunderhübsche Steiff-Tiere und Schildkrötli-Bäbi wehmütige Kindheitserinnerungen.

Mit einem Flecken-Stecken oder einer Wurst vom Metzg Traub-Grill, einem Stück Kuchen von den «Ludothek»-Frauen, einer «Erotique»- oder einer «Obélix»-Crêpe von den Flecken-Bibliothekarinnen und –Bibliothekaren wurde die Wehmut aber rasch vertrieben und machte wieder dem Vergnügen Platz.