Vor kurzem veröffentlichte der Kanton die Zahlen der leerstehenden Wohnungen. Per 1. Juni 2018 standen im Aargau demnach 8437 Wohnungen leer. Damit stieg die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 1114 Einheiten oder um 15,2 Prozent. Besonders markant fiel die Zunahme in Döttingen aus. Mitte 2017 standen 34 Wohnungen leer, neu sind es 112. Das entspricht einer Zunahme von 229 Prozent.

Worin liegen die Gründe? Beginnt nach dem Anstieg des Steuerfusses nun die Steuerflucht? Von 2008 bis 2012 war Döttingen mit seinen 60 Prozent ein Steuerparadies. Mittlerweile liegt der Steuerfuss bei 110 Prozent. «Wir erleben keine Steuerflucht», sagt Gemeindeammann Peter Hirt. «Es gibt einen klaren Grund für den Anstieg: Viele Neubauten sind jetzt fertiggestellt und frisch auf dem Markt.» Ein zweiter Blick auf die Statistik des Kantons gibt Hirt recht: Von den 112 leerstehenden Wohnungen sind deren 83 Neubauten. Im Vorjahr waren es bloss sechs.

Einwohnerzahl steigt

Alleine im Riedholzblick sind 119 neue Wohnungen entstanden. «Die Einwohnerzahl Döttingens steigt», sagt Hirt, «in den letzten drei Monaten verzeichneten wir rund 100 Zuzüger und knacken nun bald die 4000er-Marke.» Hirt ist zuversichtlich, dass die Zahl der Leerwohnungen bald wieder zurückgeht.

Auch laut Dunja Kovari liegt der Grund für die Leerwohnungen in der starken Bautätigkeit. Die Raumplanerin des Gemeindeverbands Zurzibiet Regio sagt: «Die Zahl des Kantons ist eine Momentaufnahme. Sie deckt sich nicht mit dem, was wir in der Region beobachten.» Die Aaretaler Gemeinden um den Stausee seien attraktiv, gut erschlossen und bieten eine schöne Lage. «Bei der Wahl des Wohnorts sind der öV und das Bildungsangebot die wichtigsten Faktoren.» Kovari glaubt nicht an eine verzögerte Reaktion aufgrund der Steuererhöhungen. «Die Steuern spielen nur bei den Superreichen eine Rolle, bei den Einkommensklassen, die sich in Döttingen niederlassen, ist das kein entscheidender Faktor.» In diversen Gemeinderatings werde gerne der Steuerfuss als Kriterium herbeigezogen. «Er wird überbewertet», glaubt die Raumplanerin, «aber er wird gerne verwendet, weil er eine einfach messbare Grösse darstellt.»

Kein zweites Mellingen

Auch Gemeindeammann Hirt bestätigt das. «Ob der Steuerfuss nun bei 60 Prozent lag oder bei 110: Er hatte praktisch keinen Einfluss auf die Zahl unserer Zu- oder Wegzüger. Wir erlebten keinen Zustrom von Superreichen, als die Steuern tief waren.»

Angst, dass in Döttingen ganze Quartiere verwaist bleiben wie etwa in Mellingen, hat Hirt keine. Er glaubt nicht, dass sich die Bauherren verspekuliert haben: «Die Wohnungen werden Abnehmer finden, die Gemeinde wächst weiter», sagt er.