Tina Prause will die Welt ein Stück besser und nachhaltiger machen. Die 46-Jährige, die gegenüber von Bad Zurzach auf der deutschen Seite in Rheinheim lebt, hat zusammen mit einer Kollegin vor neuen Monaten ein Projekt ins Leben gerufen, das immer mehr Fahrt aufnimmt. Aus dem ursprünglichen Experiment ist bei ihr mittlerweile eine Lebenseinstellung geworden. Prause gründete die Initiative «Plastikfrei in Küssaberg», mit dem Ziel, die Gemeinde auf die Problematik der Plastikverschwendung aufmerksam zu machen. Im Ort sei die Idee gut aufgenommen worden, sagt Prause. Seit dem Start im Juni habe sich schon einiges getan.

Die Aktion stiess auf der anderen Rheinseite im Zurzibiet ebenfalls auf Interesse. «An den Informationsveranstaltungen nahmen immer wieder Leute aus dem Bezirk Zurzach teil», hat Prause erfreut festgestellt. Die Rückmeldungen hätten sie veranlasst, den Radius zu erweitern. Im neuen Jahr will sie mit der Gemeinde Bad Zurzach Kontakt aufnehmen, um Vernetzungsmöglichkeiten zu prüfen. «Umweltschutz hört schliesslich nicht an der Grenze auf», sagt sie.

Plötzlich stressfreier einkaufen

Entstanden ist die Idee dieses Jahr in der Fastenzeit. Tina Prause beschloss, zusammen mit einer Freundin und ihrer Familie, einen Selbstversuch zu starten. «Für sechs Wochen wollten wir bei unseren Einkäufen auf unnötige Plastikverpackungen verzichten. Unser Einkaufsverhalten hatte sich schon lange nicht mehr wirklich gut angefühlt», beschreibt sie ihre Motivation. Zu viel Müll, zu viel Plastik um unser Essen herum und immer wieder Bilder von den verdreckten Meeren haben sich bei ihr eingeprägt. «Aber irgendwie denkt man ja immer ‹wenn ich das allein mache, bringt das ja nicht viel› oder ‹ich achte ja schon soweit ich kann darauf›».

Trotzdem wollte sie es einfach mal «antesten». Der erste Einkauf in einem gut sortierten Lebensmittelgeschäft war sehr ernüchternd. «Milch und Joghurt gibt es im Glas. Obst und Gemüse klappe auch gut ohne Verpackung.» Bei den Nudeln kam sie dann erstmals in Bedrängnis. «Und Produkte wie Schokolade oder Chips gibt es so gut wie gar nicht in plastikfreier Verpackung.»

Nach vierwöchiger Testphase war für Prause klar: «Wir machen weiter.» Es war nicht nur der Verzicht auf Plastik, der sie überzeugt hatte. Ihr Einkaufsverhalten wurde bewusster und stressfreier. Impulskäufe und Lockangebote waren plötzlich kein Thema mehr und so blieb auch die Haushaltskasse im Gleichgewicht.

Der Selbstversuch wurde auch von Medien süddeutschen Raum aufgenommen. «Das war mit ein Grund, warum wir oft angesprochen wurden, wie man hier bei uns – im ländlichen Raum umstellen kann.» So ist «Plastikfrei in Küssaberg» schliesslich entstanden und ist seither aktiv. Die Initiative nahm mit einer kleinen Gruppe beispielsweise am ersten Rhine Clean Up Day im September teil. Alle Orte entlang des Rheins – von der Quelle bis zur Mündung- waren aufgerufen, das Ufer zu reinigen. Küssaberg war neben 59 weiteren Städten und Gemeinden dabei. Erfolg hatten Prause und ihr Team auch bei einer Aktion eines lokalen Drogeriemarkts. Sie riefen zum Verzicht von Plastiktüten auf und erhielten 600 Euro zugunsten eines Waldkindergartens.

Damit will man es nicht bewenden lassen: Geprüft wird nun, ob die Plastikbeutel für das Aufsammeln von Hundekot durch eine umweltschonende Alternative ersetzt werden können. «Dies wäre ein grosser Schritt, jährlich werden in Küssaberg 13 500 Hundekotbeutel verteilt und in 4000 Plastiksäcken zur Entsorgung gesammelt», sagt Tina Prause.

Lob vom Bürgermeister

Handlungsbedarf besteht nach wie vor. Vor kurzem stellte sich die Initiative beim Sport- und Kulturausschuss den örtlichen Vereinen vor. Das Resultat war zwar erfreulich. Bei kleineren Anlässen wird aber nach wie vor das langlebige Einwegplastik verwendet. Hier will sich «Plastikfrei in Küssaberg» dafür einsetzen, damit auch diese Verpackungen bald der Vergangenheit angehören. Erste Vereine haben sich bereits gemeldet und spontan angefangen, umzustellen. Statt PET-Flaschen gibt es nur noch Glasflaschen oder das Knabbergebäck aus der Plastikschale wurde abgeschafft.

Auch Küssabergs Bürgermeister Manfred Weber lobt die Arbeit um die Gruppe von Tina Prause: «Jede Plastikverpackung, die wir vermeiden können, hilft unserer Umwelt.» Die Initiative setze mit grossem Engagement auf Überzeugungsarbeit, ohne belehrend zu wirken. «Das kommt in der Bevölkerung und bei unseren Vereinen gut an und wird auch von der Gemeinde gerne unterstützt.» Ein ermunterndes Signal auch für mögliche Nachahmer im Zurzibiet.