Grossratswahlen

«Ich verstelle mich nicht»: SVP-Politiker auf leisen Sohlen zum Gipfelstürmer

Für Hansjörg Erne geht’s politisch und sportlich hoch hinaus. Seinen  40. Geburtstag feierte er in Zermatt und Monte-Rosa-Hütte.

Für Hansjörg Erne geht’s politisch und sportlich hoch hinaus. Seinen 40. Geburtstag feierte er in Zermatt und Monte-Rosa-Hütte.

Hansjörg Erne erzielte bei den Grossratwahlen im Zurzibiet das beste Ergebnis. Für den SVP-Politiker war es dennoch eine emotionale Achterbahn.

Dienstagmorgen, 7.30 Uhr: Hansjörg Erne macht gerade Pause. Er hat soeben die Stallarbeiten auf seinem Hof in Hagenfirst oberhalb von Leuggern erledigt. Als Nächstes steht das Säen auf dem Feld an. Für Erne sind das gewohnte Tagesabläufe. Seit über 15 Jahren bewirtschaftet er den familieneigenen Landwirtschaftsbetrieb, der auf Obstbau, Rinder- und Schweinezucht spezialisiert ist.

Gewöhnungsbedürftiger waren für den 40-Jährigen die Ereignisse am letzten Sonntag. Erne ist auch zwei Tage nach den Grossratswahlen hin- und hergerissen. Als Bezirkspräsident der Zurzibieter SVP musste er den Sitzverlust seiner Partei erklären. «Es schmerzt nach wie vor – auch mit zeitlicher Distanz. Mir tut es vor allem für Manuel Tinner leid, der eine ausgezeichnete Arbeit geleistet hat.»

War mit Werbung eher zurückhaltend

Der Einbusse von knapp zwei Prozent Wähleranteilen steht Ernes persönliches Glanzresultat gegenüber. Mit 3491 Stimmen erreichte er das beste Resultat aller Zurzibieter Kandidaten. «Persönlich freut mich das natürlich», sagt Erne. Eine schlüssige Erklärung, weshalb ihm so viele Stimmbürger aus dem Bezirk das Vertrauen schenkten, hat er nicht. Er war im Vergleich zu anderen Kandidaten mit Werbung, ganz seiner Art entsprechend, eher zurückhaltend. Und im Unterschied zu anderen Jahren war er wegen der Coronapandemie dieses Jahr an weniger Wahlveranstaltungen.

Als Landwirt spricht er eine breite Wählerschaft an

Sein Erfolgsgeheimnis dürfte unter anderem darin liegen, dass er mit seinem umgänglichen Auftreten politische Werbung in eigener Sache im Alltag betreibt. «Ich bin, wer ich bin, ich mache, was ich kann, und ich verstelle mich nicht», sagt der Meisterlandwirt. Ernes Pluspunkt ist zudem, dass er durch seine berufliche Tätigkeit ein breites Milieu im ländlich geprägten Zurzibiet anspricht. Das ergab die Wahlauswertung.

Gewählte Grossräte Bezirk Zurzach 2020:

Erne lag in zahlreichen kleinen Gemeinden ganz vorne. Geschätzt wird an Hansjörg Erne auch sein Stil: Er politisiert zwar hart in der Sache und stramm auf Parteilinie. Aber immer mit dem gebührenden Respekt und Anstand gegenüber seinen Gegnern.

EWR-Abstimmung als Initialzündung

Das Interesse an der Politik wurde bei Hansjörg Erne schon früh geweckt. Er schaute als kleiner Junge die «Tagesschau» und diskutierte am Küchentisch mit seinem Vater. Die EWR-Abstimmung 1992 war dann so etwas wie die Initialzündung. Christoph Blocher habe ihn zwar nicht politisiert, von da an begann er aber, sich mit regionalen Themen und Zusammenhängen eingehender zu beschäftigen.

Will möglichst viel Zeit mit der Familie verbringen

Inzwischen sitzt Erne bereits seit acht Jahren im Kantonsparlament. Er trat die Nachfolge des heutigen Ständerats Hansjörg Knecht an, der 2011 den Sprung in den Nationalrat schaffte. Die Frage liegt auf der Hand: Schielt Erne ebenfalls auf das nationale Parkett? «Grundsätzlich kann ich mir das vorstellen. Momentan aber nicht. Es ist die falsche Lebensphase.» Der Vater von zwei kleinen Kindern (3 und 1) will möglichst viel Zeit mit der Familie verbringen. «Zudem muss der Betrieb zukunftsfähig bleiben.»

Und wenn in Hansjörg Ernes reichbefrachteter Agenda einmal nichts eingetragen ist, trifft man ihn in der Natur beim Wandern. Wie zum Beispiel diesen Sommer: Als er mit Freunden aus Anlass seines 40. Geburtstages nach Zermatt reiste und von dort zur Monte-­Rosa-Hütte aufstieg. Umrahmt von den imposanten Viertausendern. Ein Ausflug mit Symbolcharakter. Hansjörg Erne, der politische Gipfelstürmer. Auch wenn er das von sich nie sagen würde.

Meistgesehen

Artboard 1