Klingnau

«Ich finde unser Asylwesen keineswegs chaotisch»

Andreas Meier ist neues CVP-Vorstandsmitglied. Fotografiert auf seinem Weingut, dem Weingut zum Sternen in Würenlingen.

Andreas Meier ist neues CVP-Vorstandsmitglied. Fotografiert auf seinem Weingut, dem Weingut zum Sternen in Würenlingen.

Der Klingnauer Winzer Andreas Meier wurde von der CVP als Mitglied der Aargauer Parteileitung nominiert. Im Interview sagt er, weshalb er sich für das Amt zur Verfügung stellt.

Herr Meier, Sie sind als Parteileitungs-Mitglied der CVP Aargau nominiert. Am Mittwoch wählen die Delegierten. Kann man bereits gratulieren?

Andreas Meier: Das weiss ich nicht. Ich bin von der Parteileitung vorgeschlagen worden. Ich nehme an, dass ich zuversichtlich sein darf.

Marianne Binder ist fürs Präsidium, Sie, Ruth Humbel, Werner Müller und Susanne Voser sind für die Parteileitung vorgeschlagen. Alle haben bei den National- respektive Ständeratswahlen ihr Ziel nicht erreicht. Das klingt nach einer Verlierer-Truppe.

Die CVP hat bei den Wahlen verloren, das ist hinlänglich bekannt. Dennoch habe ich das Gefühl, es herrscht ein guter Geist in dieser Gruppe, der einen Aufbruch ermöglicht. Wieso stellen Sie sich für das Amt zur Verfügung?

Das fragt mich meine Partnerin auch (lacht). Als Unternehmer will ich mich nicht hinter der Ofenbank verstecken. Bisher habe ich mich in Berufsverbänden engagiert. Politisch bin ich ein Quereinsteiger. Als Unternehmer trage ich eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Die will ich wahrnehmen.

Mit dem Weingut zum Sternen, der Rebschule Meier und der Besserstein Wein AG haben Sie drei Betätigungsfelder. Sind Sie nicht genug ausgelastet?

Doch, aber die Rahmenbedingungen lassen es zu. Die Selbstständigkeit gewährt Freiräume, und meine drei Töchter sind langsam erwachsen.

Ihr politischer Rucksack ist bescheiden.

Abgesehen von der Tätigkeit in den Berufsverbänden trifft das zu. 2015 habe ich für den Nationalrat kandidiert. Vom 16. und letzten Listenplatz konnte ich ins Mittelfeld auf Rang acht vorstossen. Sonst habe ich noch nie für ein Amt kandidiert.

Woher rührt Ihr plötzliches Engagement?

Ich war schon immer ein politischer Mensch. Ich finde es wichtig, dass man an der Gesellschaft Anteil nimmt und Sachen nicht einfach über sich ergehen lässt. Ich bin überzeugt: Gesellschaftliches Engagement macht einen glücklich, selbst wenn man mal verliert.

Wieso die CVP?

Das ist wohl vererbt. Die Familie war immer politisch aktiv. Mein Grossvater Albert war CVP-Grossrat und kandidierte zweimal für den Nationalrat. Das hat mich sicher beeinflusst.

Haben Sie weitere Ambitionen, zum Beispiel eine Kandidatur als Grossrat im Oktober 2016?

Der Bezirksvorstand wird eine Liste zusammenstellen. Diese Woche berät er. Wenn ich angefragt werde, lasse ich mich aufstellen.

Werden Sie angefragt?

Sagen wir so: Ich habe dem Vorstand meine Bereitschaft angekündigt. Aber die definitive Nomination erfolgt durch die Versammlung. Das Ziel der Partei ist, sieben Namen auf der Liste zu haben, damit die Bürger einen guten Mix zur Auswahl haben.

Hätten Sie als Grossrat auch die Interpellation zur Asylunterkunft in Felsenau unterzeichnet?

Selbstverständlich. Auch ich empfinde die Last, die das Zurzibiet trägt, als unverhältnismässig. In der Asylfrage machen wir ganz schwierige Zeiten durch. Auch für die Aargauer Regierung ist es nicht einfach. Aber ich möchte betonen: Ich finde unser Asylwesen keineswegs chaotisch.

Wie muss sie sich die CVP positionieren, um aus der Krise zu finden?

Sie muss sich klar zu bürgerlichen Positionen bekennen. Die CVP steckt in einem Dilemma, aber das tut jeder denkende Mensch. Zu jedem Standpunkt gibt es ein «Aber». Oft sind einfache Botschaften nicht möglich. Das Leben und die moderne Gesellschaft sind eben nicht einfach.

Was, wenn der CVP das nicht gelingt?

Wenn eine Partei wie die CVP kein Gehör findet, wird die Schweiz immer mehr zu einer Zweiparteien-Gesellschaft wie die USA. Eine solche Polarisierung passt nicht zu unserer direkten Demokratie. Ich wünsche mir, dass die CVP Themen präzise analysiert und nicht zu plakativen Lösungen greift. Ich bin überzeugt, dass die gut ausgebildete Schweizer Bevölkerung komplexe Gedankengänge nachvollziehen kann.

Ihre Haltung ist eine bürgerliche?

Ganz klar ja. Ich verstehe mich als Vertreter der KMU, das ist meine Welt. Ich bin Unternehmer, die KMU und die Berufsbildung liegen mir am Herzen. Wir müssen in der Schweiz diejenigen Arbeitsplätze fördern, die den entsprechenden Lohn für unseren Lebensstandart generieren. Die Energiewende ist noch nicht zu Ende diskutiert. Ich werde für einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke einstehen.

Und als bürgerlicher Vertreter unterstützen Sie Gerhard Pfister als Nachfolger von CVP-Präsident Christophe Darbellay?

Gerhard Pfister ist mein Wunschkandidat. Wenn ich meine Stimme vergeben kann, hat er sie.

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