Eine Reiterin hat auf der Nurren oberhalb Rekingens ein gerissenes Reh auf dem Waldweg entdeckt. Sie meldete ihren grausigen Fund Lukas Müller, bis vor kurzem der stellvertretende Jagdaufseher im Revier Mellikon-Rekingen. Auf Facebook teilte sie ein Foto des toten Rehs.

Lukas Müller las das Tier noch am selben Tag auf und entsorgte es. «Es war kein schöner Anblick», sagt er. Beide Schenkel und der Bauch waren bereits angefressen, der Kopf fehlte ganz. «Mit grösster Wahrscheinlichkeit war es ein Hund, der das Reh gerissen hat», sagt er. Zwar könnten auch Luchse oder Füchse ein Reh reissen, sagt Müller. Doch so wie das Tier ausgesehen habe, schliesse er eher auf einen Hund. Besonders tragisch: Das Reh war trächtig. «Und deshalb auch weniger beweglich und weniger schnell», ergänzt Müller.

Anzeige erstatte er keine. «Das bringt meistens nichts.» Denn der fehlbare Hundehalter sei schwer zu ermitteln. Nur wenn man die Hunde auf frischer Tat ertappe, könne der Täter ermittelt werden.

Halter erwischt – dieser musste mehrere hundert Franken zahlen

Dem stimmt auch der für das Gebiet zuständige Jagdaufseher Jost Müller zu. Dennoch überlegt er sich, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Nur selten seien die Hunde noch am Reh, wenn er dazukomme. Vor einigen Jahren war dies der Fall: Die Hunde waren noch beim gerissenen Reh – der Halter musste knapp 600 Franken zahlen.

Seit dem 1. Januar 2010, als die Leinenpflicht zwischen 1. April und 31. Juli im Wald und auf den Waldwegen in Kraft trat, habe die Anzahl gerissener Rehe abgenommen. Die Leinenpflicht soll den frei lebenden Tieren im Wald ermöglichen, ungestört zu brüten und ihre Nachkommen aufzuziehen. Damit sind alle Hundehalter dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Hunde nicht Wildtiere jagen oder gar wildern.

Ein bis zwei gerissene Rehe pro Jahr

«Glücklicherweise haben wir in unserem Gebiet nur ein bis zwei gerissene Rehe pro Jahr», sagt Müller. Die meisten Hundehalter verhielten sich vorbildlich und hätten sich zum Teil Schleppleinen zugelegt. «Aber es gibt auch schwarze Schafe unter den Haltern.» Diese hätten das Gefühl, den Hund unter Kontrolle zu haben, was aber offenbar nicht immer der Fall sei. Verhalten sich Halter gesetzeswidrig, weist Müller sie auf die Leinenpflicht hin.