Bei den Angestellten des Hotels Zurzacherhof herrschen Wut und Ratlosigkeit: Am Montag wurde ihnen vom kurz zuvor aus den Ferien zurückgekehrten Wirte-Ehepaar Peter und Ursula Gähler eröffnet, dass das Hotel per sofort geschlossen werde.

Die Begründung traf die rund 15 Angestellten wie eine Keule: Es sei kein Geld mehr vorhanden, teilte Besitzer Peter Gähler mit und schob den blumigen Satz nach, das Hotel habe «keine Beine mehr zum Laufen».

Juni-Löhne ausstehend

Die Schliessung wird von den Angestellten als Affront empfunden. Die meisten stehen vor dem Nichts und müssen – falls nicht irgendein Wunder geschieht – den Gang zum Arbeitsamt antreten.

Sie befürchten ausserdem, dass sie den ausstehenden Juni-Lohn nicht erhalten und dass sie sich auch die Ferienguthaben sowie den Anteil am 13. Monatslohn ans Bein streichen müssen. «Es ist eine Schweinerei», empört sich ein Mitarbeiter. «Sehr viele Mitarbeiter stehen seit über 10 Jahren im Dienste der Familie Gähler. So etwas haben wir alle nicht verdient.»

Gewundert haben sich Hotelangestellten nicht nur über die unerwartete Nachricht der Schliessung des Hauses, sondern auch über die Vorgänge nach der Mitarbeiter-Information.

Nach Aussage von Angestellten fuhr am Tag der Schliessung ein Transportfahrzeug an der Dr. Martin Erb-Strasse vor. Ins Fahrzeug, so die Augenzeugen, seien Küchengeräte, Blumentöpfe, Bilder und Möbel eingeladen und abtransportiert worden. Die Angestellten vermuten, dass mit dieser Aktion Kapital in Sicherheit gebracht werden sollte.

Zu diesen Vorgängen sowie zur Hotelschliessung wollte sich Besitzer und Wirt Peter Gähler nicht äussern. Er sei frühestens zu Beginn der nächsten Woche bereit, Auskunft zu geben, sagte er gegenüber der az Aargauer Zeitung.

Beim Bezirksgericht Zurzach ist bis Dienstagmittag keine Insolvenzerklärung betreffend Hotel Zurzacherhof eingegangen, wie Gerichtspräsident Cyrill Kramer erklärt.

Ein Schock für den Kurort

Stefan Güntensperger von der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden sowie Peter Andres, Präsident der Bad Zurzach Tourismus AG, zeigten sich schockiert über das abrupte Ende des Zurzacherhofs.

Andres: «Es ist traurig für den Hotelier, vor allem aber auch für die Angestellten. Für das Image des Kurorts Bad Zurzach sind derartige Meldungen auch nicht gerade förderlich.» Anzeichen für einen Kollaps seien nicht wahrnehmbar gewesen, sagt Andres. «Ich hoffe, dass das Haus bald wiedereröffnet werden kann.»

Auch Stefan Güntensperger ist von der Negativ-Nachricht, die sich im Kurort wie ein Lauffeuer verbreitete, völlig überrascht worden. Die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden ist von der Hotelschliessung direkt betroffen.

Im Haus befindet sich seit 1999 ein Therapiezentrum der Stiftung. Hinter die Frage, wie es mit dem Zentrum weitergehen soll, müsse ein grosses Fragezeichen gesetzt werden, sagt Güntensperger.

Zuerst Klingnau, dann Wettingen

Peter und Ursula Gähler haben in den Achtzigerjahren das Restaurant Warteck in Klingnau geführt. Danach übernahmen sie das Restaurant im Sportzentrum Tägerhard in Wettingen als Pächter.

Vor rund 14 Jahren führte ihr Weg in den Kurort Bad Zurzach, wo sie das Hotel Zurzacherhof als Pächter übernahmen. Später kauften sie das Drei-Sterne-Haus von der Stiftung für Zurzacher Kuranlagen, der heutigen Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden.