Edmund Höchli dürfte seinen Augen nicht getraut haben, als er am 3. Februar 1905 beim Ausgraben eines Baumstocks im Aepelöh-Wald auf eine Kiste voller Goldmünzen stiess. Der damals 20-jährige Höchli, später der erste Wirt der «Scharfen Ecke», war einer von elf Klingnauern, die an jenem Tag ein Stück Ortsbürgerwald rodeten, um Landwirtschaftsland zu gewinnen.

Diese fünf Goldmünzen behielt die Gemeinde als Andenken an den Fund.

Diese fünf Goldmünzen behielt die Gemeinde als Andenken an den Fund.

Die Männer kamen gar nicht dazu, ihre Ehrlichkeit unter Beweis zu stellen. Die Kunde vom Goldfund verbreitete sich so rasant, dass ihnen auf dem 30-minütigen Fussweg ins Städtchen bereits der Ortspolizist und ein Gemeindebeamter entgegenkamen und die 829 Goldmünzen abnahmen. Das erzählten der az mehrere Nachkommen der Goldfinder.

Die Beamten erstellten sogleich ein Protokoll und machten Meldung ans Bezirksamt sowie den Kanton. Der zirka sechs Kilogramm schwere Goldschatz ging ins Eigentum der Ortsbürgergemeinde Klingnau über, der das Land ja gehörte. Er bestand in grosser Mehrheit aus französischen Goldmünzen, sogenannten Louis d’or, aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Über 20'000 Franken Erlös

100 Goldmünzen fanden einen Käufer, 49 davon aus Klingnau. Fünf Stück behielt die Gemeinde als Andenken. Die restlichen 724 Münzen, 5,286 Kilo schwer, erwarb im Januar 1906 ein Herr Rosenberger aus Lausanne, wie ein 32-seitiger Bericht der Ortsbürgergemeinde zum Goldschatz aufzeigt. Rosenberger zahlte 16'386.60 Franken, was einem Kilopreis von 3100 Franken entspricht.

Der Golderlös betrug insgesamt 20'481 Franken. Abzüglich Spesen und Gebühren blieben noch 19'880 Franken übrig. Die zwölf Holzhauer – bedacht wurde auch einer, der am Fundtag abwesend war – erhielten 10 Prozent Finderlohn, pro Mann also 166 Franken. Das war damals nicht wenig – zum Vergleich: Ein Nachtessen im Restaurant «Rebstock» im Städtchen Klingnau kostete Fr. 1.60, der Preis für vier kleine Biere oder 0,5 Liter Wein betrug je 60 Rappen.

Wert von 700'000 Franken

Die sechs Kilo Gold würden heute rund 240'000 Franken einbringen. «Der Sammlerwert ist allerdings deutlich höher», wie Münzhändler Fabio Loraschi von der Zürcher Erwin Dietrich AG sagt. Die geläufigsten Louis-d’or-Münzen hätten aktuell, je nach Seltenheit, einen Wert zwischen 300 und 1300 Franken. Eine grobe Schätzung der az ergibt einen Wert von 700'000 Franken für den Schatz.

Wer den Goldschatz damals im Wald versteckte, ist ein Rätsel geblieben. Gemäss mündlichen Überlieferungen gingen die Finder davon aus, dass ein Schatzmeister von Napoleons Truppen die Goldmünzen im Wald versteckte. Klingnau war von 1798 bis 1803 abwechselnd von französischen, russischen und österreichischen Soldaten besetzt.

Heute erinnert ein verwitterter und mit Moos bewachsener Gedenkstein im Aepelöh-Wald an den spektakulären Fund. Der ehemalige Förster Wilfried Höchli setzte den Stein 1967 am Fundort, wenige Meter vom Waldrand entfernt, wie der langjährige Klingnauer Forstwart Jörg Inderwildi weiss. Inderwildi arbeitete einst unter dem vor Jahren verstorbenen Förster und erinnert sich: «Wilfried Höchli war es ein Anliegen, dass der Goldfund nicht vergessen geht.»

Hier in Klingnau fanden zwei Gemeindemitarbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren

Der Klingnauer Goldfund von 2012

Zwei Gemeindemitarbeiter fanden am 28. Juni beim Mähen auf einen Plastiksack mit 10 Goldbarren. Fünf Jahre später ist nach wie vor mysteriös, wie die zehn Goldbarren, die 2,6 Kilogramm schwer und zirka 100'000 Franken wert sind, dorthin kamen.