Zurzibiet

Hohe Sozialhilfe-Quoten in Döttingen, Koblenz und Bad Zurzach – warum, will SVP-Grossrat vom Kanton wissen

Döttingen (im Bild) und Koblenz haben die höchsten Sozialhilfequoten im Bezirk Zurzach.

Döttingen (im Bild) und Koblenz haben die höchsten Sozialhilfequoten im Bezirk Zurzach.

Der Zurzibieter Grossrat Manuel Tinner will vom Kanton wissen, wie er sich die hohen Sozialhilfequoten in den drei Gemeinden erklärt – und ob er die Gemeinden unterstützt.

Erstmals seit 2008 ist die Sozialhilfequote im Aargau im vergangenen Jahr wieder gesunken – um 0,1 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent. Das zeigen die kürzlich veröffentlichten Daten des Kantons. Ein Blick ins Zurzibiet zeigt: In zehn der 22 Gemeinden im Bezirk ist die Sozialhilfequote im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, am stärksten in Döttingen von 2,8 auf 3,7 Prozent.

Weshalb die Sozialhilfequote in der Aaretaler Gemeinde zwischen 2017 und 2018 um fast einen Prozentpunkt anstieg, sei rückblickend schwierig zu beantworten, teilt die Gemeinde mit. Es sei eine Kumulation von verschiedenen Gründen.

Die Sozialhilfequoten in den einzelnen Gemeinden des Bezirks Zurzach

Die Sozialhilfequoten in den einzelnen Gemeinden des Bezirks Zurzach

Der Sozialdienst arbeite jeweils sehr intensiv mit den Klienten zusammen und suche Lösungen, damit diese baldmöglichst wieder beruflich eingegliedert werden können. Dies mit individuellen Lösungen.

Der Döttinger SVP-Grossrat Manuel Tinner möchte nun vom Kanton wissen, wie er sich die überdurchschnittlichen Sozialhilfequoten erklärt. Er hat deshalb diese Woche im Grossen Rat eine Interpellation eingereicht, die 24 Ratsmitglieder mitunterzeichneten.

«Dabei geht es mir weniger um die Zunahme im Bezirk», sagt Tinner. Die Sozialhilfequote im Zurzibiet ist zwar um 0,1 auf 2,2 Prozent leicht angestiegen, entspricht aber genau dem kantonalen Durchschnitt. Ihm gehe es vor allem um Spitzenreiter wie Döttingen, Koblenz (3,4 Prozent) und Bad Zurzach (3,3 Prozent), die herausstechen.

«Werden die Sozialämter alleine gelassen?»

«Mich interessiert, ob der Kanton die verantwortlichen Sozialämter unterstützt oder gar Auflagen macht, um die Fälle und die Kosten mit gezielten Massnahmen reduzieren zu können, oder ob sie alleine gelassen werden», sagt Tinner.

Dem SVP-Politiker ist auch aufgefallen, dass das Nachbardorf Böttstein bei ähnlicher Bevölkerungszahl wie Döttingen und einem fast gleich grossen Ausländeranteil von jeweils leicht über 41 Prozent eine tiefe Quote von 1,8 Prozent aufweist. «Wie kann das erklärt werden?», fragt Tinner in seiner Interpellation.

Des Weiteren möchte er vom Regierungsrat wissen, ob ein Kausalzusammenhang zwischen den vielen Sozialhilfeempfängern und den gut frequentierten Bahnhöfen in Döttingen, Bad Zurzach und Koblenz bestehe. Zu guter Letzt richtet der Grossrat in seiner Interpellation das Augenmerk auf langzeitarbeitslose Jugendliche.

Seine Frage an den Regierungsrat: «Wie viele Jugendliche unter 30 Jahren beziehen im Bezirk Zurzach Sozialhilfe länger als ein Jahr?» Er möchte auch wissen, ob sie zu Arbeit zugunsten der Allgemeinheit einberufen werden und der Kanton entsprechende Massnahmen fördert. «Unsere Gesellschaft kann es sich kaum leisten, dass es Menschen ohne berufliche Grundausbildung gibt. Die Chance ist hoch, dass sie von Sozialhilfe abhängig werden», so Tinner.

In Rümikon halbiert sich die Sozialhilfequote

Während in fast der Hälfte der Zurzibieter Gemeinden die Sozialhilfequote stieg, ist sie in fünf Gemeinden gesunken. Am stärksten in Rümikon: Im 340-Seelen-Dorf nahm die Quote um die Hälfte ab – von 5,2 auf 2,6 Prozent. Der zuständige Gemeinderat Ricardo Aresu sagt: «Als kleine Gemeinde mussten wir innovativ werden.»

Das sei jedoch nur mit einer guten Zusammenarbeit von verschiedenen Abteilungen und dem Sozialdienst Bad Zurzach möglich gewesen. «Wir haben zum Beispiel ein gemeinnütziges Beschäftigungsprogramm für Sozialhilfebezüger ins Leben gerufen.»

Zudem hätten durch eine verstärkte Integration und Begleitung Personen wieder ins Arbeitsleben integriert werden können. In Böbikon (0 Prozent) und Endingen (1,6 Prozent) blieb die Sozialhilfequote stabil. Für Baldingen, Fisibach, Mellikon und Wislikofen liefert der Kanton aus Datenschutzgründen keine Angaben, da die Anzahl Dossiers in diesen Gemeinden weniger als fünf beträgt.

Die Sozialhilfequoten im ganzen Kanton Aargau:

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Grafik: Dominic Kobelt.Fullscreen-Modus

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