In der Nacht auf Montag beginnen die Vorarbeiten für die grosse Sanierung der historischen Eisenbahnbrücke, die auf 236 Metern Koblenz und den Leuggermer Ortsteil Felsenau verbindet. Die SBB verfolgen laut Mitteilung von gestern bei dieser Verjüngungskur des 1892 eröffneten Bauwerks mehrere Ziele. Das wichtigste: Die Brückenpfeiler werden verstärkt, um das Risiko von Schäden bei einem Extremhochwasser auszuschliessen.

Das Erscheinungsbild der Brücke soll sich nur minimal ändern: Einzig eine neue Betonplatte auf den Pfeilern wird an die Sanierung erinnern, schreiben die SBB. Neu erstellt wird zudem der Fussgängersteg. «Die SBB übernehmen die gesamten Kosten von 16,2 Millionen Franken», antwortet Sprecher Raffael Hirt auf Nachfrage. «Das Geld stammt aus der Leistungsvereinbarung mit dem Bund zum Betrieb und Substanzerhalt der Bahninfrastruktur.»

Sanierung in drei Etappen

Die Sanierung erfolgt in drei Etappen von 2019 bis 2021, jeweils von Frühling bis Herbst. Wegen der Fischschonzeit müssen die Bauarbeiten jeweils im Winter ruhen. Die erste Etappe sieht von Mai bis Juni die Einrichtung der Baustelle beim Bahnhof Koblenz und am Aareufer vor. Von Juni bis Dezember erfolgen Arbeiten mit bis zu vier Pontons im Rheinwasser. In der zweiten Bauetappe werden die Brückenpfeiler verstärkt. Im Herbst 2020 wird die Eisenbahnlinie komplett gesperrt. «Dem sorgfältigen Umgang mit dem historischen Bauwerk gehört dabei grosse Beachtung», unterstreichen die SBB. In der dritten Etappe im Jahr 2021 folgt der Bau des neuen Fussgängerstegs und die Instandsetzung der Natursteine der Brückenpfeiler.

Ursprünglich planten die SBB die Sanierung bereits für 2013 oder 2014. Den Gehweg wollten sie nicht sanieren, sondern aus Sicherheits- und Kostengründen sperren. Dies auch mit dem Argument, dass beim nahen Kraftwerk Klingnau und bei der Autobrücke von Koblenz nach Felsenau bereits gute Übergänge bestünden. Einwohner von Felsenau nutzen den Fussweg als direkte Verbindung zum Bahnhof Koblenz. Genutzt wird er auch von Spaziergängern, die im Naturschutzgebiet Giriz oder beim nahen Klingnauer Stausee unterwegs sind.

Die Gemeinden Leuggern und Koblenz bedauerten dies. Auf eine Sanierung auf eigene Kosten verzichteten sie. Doch wie kam es bei den SBB zum Umdenken? «Da unsere Streckeninspektoren den Steg als Dienstweg benutzen, haben die SBB ein Interesse, den Steg zu erhalten», erklärt Sprecher Hirt.

In den Nächten vom 5. bis 19. Mai montieren die SBB auf der Brücke Schutzwände für die Bauarbeiten. Die Nachtarbeiten seien unumgänglich, damit die Züge tagsüber weiter die Brücke queren können. Während der Bauzeit sind Waldwege bei der Aarebrücke aus Sicherheitsgründen nur beschränkt benutzbar. Einschränkungen und Umleitungen sollen signalisiert werden.

Lokale Bedeutung für Güterverkehr

Die einspurige Bahnbrücke wurde am 1. August 1892 in Betrieb genommen. 1944 wurde die Strecke elektrifiziert. 1952 wurden die Pfeilerköpfe erneuert. Verstärkt wurden sie 1984 sowie 1998 und 2004 nach Hochwasserereignissen.

Der fahrplanmässige Verkehr zwischen Koblenz und Laufenburg wurde 1994 eingestellt. Heute fahren fast täglich und bis zu sechs Güterzüge über die Brücke. «Im März waren es 112», sagt Hirt. «Die Brücke hat für den Güterverkehr vor allem lokale Bedeutung. Güterzüge zwischen Basel und Zürich verkehren primär via Frick, Brugg und Baden.»

Brücken im Vierbrückendorf Koblenz: