Klingnau

Hintersinnige Kunst im Schloss: «Kultur im Städtli» lädt zu einer humorvollen Ausstellung

Ruth Roth (l.) vor einem ihrer Rossfüdli und Christina Andreatta mit ihrem Fröilein Schwizer. Bild: Mehlin

Ruth Roth (l.) vor einem ihrer Rossfüdli und Christina Andreatta mit ihrem Fröilein Schwizer. Bild: Mehlin

«Kultur im Städtli» lädt zu einer Ausstellung der einheimischen Künstlerinnen Christina Andreatta und Ruth Roth, die verantwortlich sind für den rätselhaften Titel.

«S’Fröilein Schwizer trifft Tegerfelder Rossfüdli», und das ausgerechnet im Schloss Klingnau? Wer soll das sein und was haben die beiden dort zu suchen? Ein Augenschein vor Ort bringt die Lösung: «Kultur im Städtli» lädt zu einer Ausstellung der einheimischen Künstlerinnen Christina Andreatta und Ruth Roth, die verantwortlich sind für den rätselhaften Titel.

Kaum tritt man aus dem vorwinterlichen Grau-in-Grau ins gleissende Licht, wird das Rätsel gelöst: Staunend und schmunzelnd steht man vor Andreattas kleinem Fröilein aus Gips und Acryl in Rot mit Schweizer Kreuz und mehreren Rossfüdli in grünem, blauem und rosa Acryl auf Leinwand von Roth.

Dass vor der Reihe ausladender Pferdehintern auch die wohlgeformt-zierliche Hinteransicht zweier jungen Damen zu sehen ist, hängt mit der Entstehungsgeschichte der «Füdli-Kunst» zusammen. «Als ich einen Zyklus von Bildern zum Thema ‹Rücksicht› in Angriff nahm, kamen mir Fotos aus den 80er-Jahren in die Hände. Damals ging meine Tochter regelmässig zum Reiten nach Tegerfelden. Die Aufnahmen von dort dienten mir hier als Vorlage», verrät Ruth Roth.

Von ganz anderer Art ist die Vorlage zu den «Fröileins» von Christine Andreatta: «Ich habe mir aus in- und ausländischen Telefonbüchern Nachnamen herausgesucht, nach ihnen die kleinen Figuren gestaltet und sie als ‹Fröilein› bezeichnet.» Mit einfachen Mitteln, aber viel Kreativität sind nebst vielen anderen die Fröileins «Pink», «Brust», «Tasche», «Locke», «Bär» und «Teufel» entstanden. Sie alle sind im Keller anzutreffen.

Beide Künstlerinnen malen und gestalten zugleich auch Skulpturen. So findet sich in der Ausstellung beispielsweise «Phönix aus der Asche» von Ruth Roth sowohl auf Leinwand, wie auch aus Beton mit Stroh und Asche. Apropos: Die Büste «eine wo Gschichte verzellt» haben die beiden Künstlerinnen gemeinsam gestaltet und dem Pfeifenraucher aus Beton einen Haarschopf aus Stroh verpasst.

Das Schlendern vorbei an und verharren vor den Bildern und Skulpturen macht richtig Spass und hinterlässt mannigfaltige Eindrücke, sind die Werke doch zugleich humorvoll und hintersinnig. Christina Andreatta etwa lässt die Betrachter in einer Reihe kleinformatiger abstrakter Bilder Zettel aus durchsichtigen Dosen fischen. Darauf schildert die Künstlerin Augenblicke und Erlebnisse, etwa einen Zoobesuch oder einen Blick aus dem Fenster, die sie zu dem entsprechenden Bild inspiriert hatten.

Ruth Roth ihrerseits hat Mani Matters Lied vo «d Bahnhöf, wo dr Zug gäng scho abgfahre isch» mit stoisch wartenden Schafen in Oel umgesetzt. Schafe verkörpern bei ihr auch die Erleichterung nach dem 2012 fälschlich prophezeiten Weltuntergang: Neben diesem Bild «Hurra wir leben noch» hängt der Text von Milvas gleichnamigen Song.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1