Sie legt höchsten Wert auf Diskretion. Die Öffentlichkeit meidet sie. Ihren Namen möchte sie nicht erwähnt haben, Fotos sind tabu. Über die neue Besitzerin von  Schloss Böttstein ist bisher wenig bekannt. Beim Kaufabschluss diesen Sommer hiess es in einer dürren Mitteilung lediglich, die neue Inhaberschaft verfüge über langjährige Erfahrung im Bereich der Gastronomie und Hotellerie und dass es sich um keine bekannte Persönlichkeit handle.

Es muss Aussergewöhnliches vorgefallen sein, dass Pearl Anthony Lauper, die neue Schlossherrin, ihre Zurückhaltung nun abgelegt hat. Sie informierte mehrere Medien und warnte vor einem ehemaligen Mitarbeiter, der Unwahrheiten über sie und das Schloss Böttstein verbreiten würde.

Vorwurf: schlechtes Arbeitsklima

Tatsächlich erschien ein früherer Angestellter im Foyer und forderte eine Mitarbeiterin auf, ihm fehlende Unterlagen auszuhändigen. Als dies nicht geschah, kündigte er an, an die Öffentlichkeit zu gehen und über die vermeintlichen Missstände im Schloss unter der neuen Führung zu informieren. Daraufhin erhielt er ein Hausverbot. Inzwischen haben sich weitere Personen gemeldet. Ihre Vorwürfe: Schlechtes Arbeitsklima, inakzeptable Arbeitsbedingungen, ausstehende Novemberlöhne.

Die Einschätzungen zum Innenleben im Schloss gehen allerdings weit auseinander. Während einige einen neuen Spirit feststellen, der hinter den Mauern mit der neuen Besitzerin Einzug gehalten habe, sprechen andere von Zerfallserscheinungen. Unbestritten ist, dass sich die Anlage aus dem 7. Jahrhundert in einem Umbruch befindet.

Was geschah mit dem Pächter?

Personell gab es zuletzt einige Veränderungen. Der ehemalige Küchenchef verliess das Schloss ebenso wie der langjährige Direktor und Pächter Thomas Bischofberger. Über die Gründe seines Abgangs gibt es widersprüchliche Aussagen. Die einen vermuten, dass er sich mit der neuen Schlossherrin überworfen habe, andere glauben, er habe in Laupers Plänen keine Rolle mehr gespielt.

Bischofberger will sich zu den Hintergründen nicht äussern. Er bittet darum, seine Privatsphäre zu respektieren. Bekannt ist, dass er gesundheitliche Probleme hat. Bischofberger verliess das Schloss Böttstein, für das er fast fünfzehn Jahre in Dienst stand, offiziell per 30. November.

Wie Recherchen nun zeigen, kommt diesem Datum eine wichtige Bedeutung zu. Allen Mitarbeitern wurde auf diesen Tag – formell korrekt – gekündigt, weil die bestehenden Arbeitsverträge ausgelaufen waren. Pearl Anthony Lauper ist zwar seit 1. Juli dieses Jahres offiziell Besitzerin von Schloss Böttstein, gemäss Vereinbarung mit der früheren Besitzerin Axpo aber erst ab 1. Dezember offiziell Arbeit- beziehungsweise Lohngeberin.

Bis zum 30. November wäre demnach der frühere Pächter des Schlosses, Thomas Bischofberger, für die Saläre der Belegschaft zuständig gewesen. Weshalb Anthony Pearl Lauper trotz diesen, aus ihrer Sicht, klaren rechtlichen Verhältnissen nervös reagierte, erstaunt.

Erstmals nimmt sie nun zu den Vorwürfen Stellung. «Es geht nicht um mich, sondern um das Schloss Böttstein.» Lauper verwehrt sich, dass sie und ihr Team diskreditiert würden. Den Vorwurf, dass sich die Atmosphäre ihretwegen verschlechtert haben soll, weist sie von sich. «Ich verlange von den Mitarbeitern vollen Einsatz.» Von einem negativen Arbeitsklima könne keine Rede sein. «Was diese Leute machen, ist unethisches Verhalten.»

Mehr Familien und Events

Mit einer schlechten Stimmung innerhalb der Belegschaft liessen sich Laupers Pläne mit dem Schloss Böttstein schlecht verwirklichen. Das Schloss lebt zu einem grossen Teil von Geschäftskunden der Axpo und des Paul-Scherrer-Instituts. In ihren Überlegungen soll künftig vermehrt um Familien und Personen aus der Umgebung geworben werden.

Ab Frühling soll ein Bio-Markt mit eigenen Produkten unter dem Slogan «von der Region, für die Region» Leute anziehen. In den Vorstellungen der engagierten Tierschützerin sollen ausserdem Events eine wichtige Rolle einnehmen. Erster Grossanlass ist das Zurzibieter Schwingfest, das kommenden Mai auf dem Schlossgelände stattfindet.

Ehemalige Mitarbeiter bezweifeln, dass dieses Konzept aufgeht. Sie befürchten das Gegenteil: Nämlich, dass das Schloss mit der neuen Besitzerin Schiffbruch erleiden könnte.