Über 50 Heime hatte er mit Nadines Mutter seinerzeit besucht, bevor die junge Frau im Haus Goldenbühl ein neues Zuhause fand. Das war vor 22 Jahren. Hier fühlt sie sich wohl, lacht viel, treibt Schabernack mit ihren Betreuern und hatte auch an der Jubiläumsfeier grossen Spass. Kein Wunder, durften die Bewohnerinnen und Bewohner doch wieder einmal Theater spielen – etwas, was auf Haus Goldenbühl Tradition hat. Christoph Hebing, Sohn der Gründerin und Theaterpädagoge, dessen Frau Eva-Kirchberger-Hebing und Mitglieder der Jungen Bühne Bern weckten die Geschichte des Hauses zum Leben – mit Bewohnern und Betreuern in den Titelrollen.

Für Menschen mit Beeinträchtigung

Was vor 40 Jahren durch Christel Hebing mit fünf Bewohnerinnen und Bewohnern in der Schreinerei oberhalb von Wislikon begann, ist heute eine wertvolle Institution für 13 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Bei keinem erwähnte Heimleiter Benedikt Hebing irgend ein Defizit. Er zählte ausschliesslich Stärken wie «Hat ein enormes Zahlengedächtnis.» – «Kann wunderbar singen.» – «Erzählt leidenschaftlich gerne Geschichten.» – «Malt wunderschöne Bilder.» Alle diese Fähigkeiten wurden ins Singspiel integriert, wobei Bewohner und Betreuer jeweils zusammen arbeiteten.

Landammann Alex Hürzeler überbrachte der Institution die regierungsrätlichen Grüsse. Er betonte, dass das Goldenbühl-Team mit seinem professionellen Einsatz den Behinderten individuelle Entwicklungsschritte ermögliche. Sichtbar wurden diese auf der Bühne. Die Leute hatten ihren Spass – und das Publikum auch. Aber nicht nur: Es flossen auch Tränen, als an die Ursprünge der Stiftung zur Sprache kamen. Die hochbetagte Gründerin, die mittlerweile über 90 Jahre alt ist und inzwischen in Bad Zurzach lebt, erzählte von den Anfängen. Sie erinnerte an die Namensgebern Maia – eine der ersten Bewohnerinnen, deren Mutter die Stiftung ins Leben rief.

Der Wesenskern eines Menschen sei nicht krank, sondern allenfalls in seiner Entfaltung gehemmt. Und deswegen konzentriert sich das Team auf das, was die Menschen mitbringen, wo sie ihren Teil zum Gemeinschaftsleben beitragen: in der Schreinerei, in der Weberei, in Küche, Haushalt und Garten.

Als der Heimleiter eine der Bewohnerinnen vorstellte und dabei nicht nur ihr Zahlengedächtnis lobte (das sie übrigens bewies, indem sie die Geburtstage aller Bewohner und Betreuenden auswendig konnte), sondern darauf hinwies, dass sie abends immer kontrolliere, ob Küche und Haus sauber aufgeräumt sei, korrigierte diese keck: «Nicht nur abends!» Als einer der Bewohner fand, der Herr Regierungsrat habe nun lange genug gesprochen, schnappte er sich kurzerhand die Pausenglocke und sorgte damit für Gelächter im Publikum.

Erweiterung geplant

Was bringt die Zukunft? Als erstes einen neuen Hochstammbaum – ein Geschenk, dass der Gemeinderat von Wislikofen persönlich pflanzen und pflegen will. Wenn alles nach Plan läuft, soll in einem Jahr der Spatenstich zum Neubau von Haus 36 erfolgen. Regierung und Gemeinde haben ihr Wohlwollen zum Projekt geäussert. Stiftungspräsident Felix Vögele, die Heimleitung und die Bewohner werden sie beim Wort nehmen.