„Mein Freund, der Baum ist tot – er fiel im Morgenrot. . .“ Morgenrot, wie es Alexandra in ihrem Lied „Mein Freund, der Baum“ einst gesungen hatte, leuchtete am Samstag zwar nicht über dem Ruckfeld. Dafür pfiff eine kühle Bise. Der Baum aber, der ist tot. Nicht irgendein Baum, sondern die sagenumwobene Giger-Linde, in deren Geäst sich der Linde-Giger aufhalten, allerhand Schabernack treiben und nächtens seine gespenstischen Melodien spielen soll.

Tot sozusagen war die Giger-Linde allerdings schon bevor am Samstagmorgen Forstwart Tim Polyvas die Kettensäge mit dem extralangen Schwert an den mächtigen Stamm setzte. Der Baum, dessen Alter auf rund 200 Jahre geschätzt wird, war krank und trotz aller Anstrengungen leider nicht mehr zu retten. Weil aber der Linde-Giger ein neues Zuhause braucht, wurde ein paar hundert Meter weiter östlich eine neue Linde gepflanzt.

Der Tele-M1-Bericht:

180-Jährige Linde aus Tegerfelden muss gefällt werden

180-Jährige Linde aus Tegerfelden muss gefällt werden.

«Ein schöner Baum»

„Das ist aber ein schöner Baum, den sie da gebracht haben“, meinte eine Dame gesetzten Alters angesichts der neuen Linde, vor der Gemeindeammann Lukas Baumgartner, Gemeinderätin Karin Wiedemeier und Vizeammann Pascal Zöbel in Frack und mit Zylinder Aufstellung genommen hatten. Förster Felix Binder – „die Linde ist mein Lieblingsbaum“, gestand er – stellte die Linde an sich und den neuen Baum vor. Gepflanzt wurde eine Winterlinde, die aus der Baumschule Hauenstein in Rafz stammt und bereits 20 Jahre alt ist.

Geist in der Flasche

Nach dem symbolischen Pflanzakt – den Lukas Baumgartner, Pascal Zöbel, Karin Wiedemeier, Matthias Meier,  Andreas Winter (Präsident des Hauenstein-Fonds und einst Gemeindeammann von Unterendingen) sowie Ralf Werder (Gemeindeammann von Endingen) vollzogen – wurde zur alten Linde disloziert. Dort versuchte Geschichtenerzähler Jürg Steigmeier, begleitet vom Geiger Matthias Lincke, den Geist des Linde-Gigers aus der Linde in eine Korbflasche zu locken. Schliesslich hatte – jedenfalls der Sage nach – einst schon der Würenlinger Pfarrer den Geist des Linde-Gigers, eines Gastwirtes, Weinpanschers und wahren Teufelsgeigers, in eine Flasche gebannt. Allerdings muss dann bei der Entsorgung der Flasche ein Missgeschick dazu geführt haben, dass der Geist sein Unwesen in der Linde treiben musste.

Arnold Christen ging kurz auf die Geschichte der Linde ein, die irgendwann nach 1856 gepflanzt worden sein muss, und unter der, wie sich ältere Besucher des Festaktes erinnerten, einst eine Ruhebank gestanden hatte.

Die Linde wehrte sich

Dann setzte Forstwart Tim Polyvas die Säge an und schnitt eine kunstvolle Fallkerbe in den Stamm. Es schien als wollte sich die Linde gegen ihr Schicksal wehren. Jedenfalls musste die stumpf gewordene Sägekette gewechselt werden bevor der mächtige Baum quer über die Strasse krachte. „Genau in der gewünschten Richtung“, wie Felix Binder feststellte. 

Während sich viele Besucherinnen und Besucher ein Stück der alten Linde sicherten, fuhr die Kutsche, mit Isabelle Schmid auf dem Kutschbock mit der Korbflasche mit dem Geist des Linde-Gigers an Bord, zur neuen Giger-Linde. Ob es nun am Geist des Linde-Gigers lag, dass sich das Pferd vor der Abfahrt etwas unruhig zeigte, sei dahingestellt.  Jedenfalls  installierte Jürg Steigmeier den Linde-Giger an seinem neuen Zuhause. „Bleibt zu hoffen, dass sich der Linde-Giger in der Nähe der Schlüsseljungfrau (einer weiteren Tegerfelder Sagengestalt, Red.) wohlfühlen wird“, meinte Lukas Baumgartner. So mächtig rauschen wie in der mächtige Krone der alten Linde wird das Geigenspiel des Linde-Gigers vorerst wohl noch nicht. Aber auch die neue Linde wird – hoffentlich – gross und mächtig. Dafür wird übrigens Heinz Deppeler vom Tegerfelder Bauamt sorgen.