Bad Zurzach

«Hier habe ich begonnen, hier möchte ich aufhören»

Angelina Nowotsch kennt sich im Triumph-Sortiment bestens aus.  Nicole Bächli

Angelina Nowotsch kennt sich im Triumph-Sortiment bestens aus. Nicole Bächli

Vor 44 Jahren - als 15-Jährige- trat Angelina Nowotsch ihre Stelle als Näherin in der Triumph in Bad Zurzach an. Heute arbeitet sie im Fabrikladen, wo sie vor allem den Kontakt mit den Kunden schätzt.

Mit fachkundigem Blick geht Angelina Nowotsch durch die Bikinimodelle und greift ein passendes heraus. Im Oktober arbeitet sie seit zehn Jahren im Fabrikladen der Triumph International in Bad Zurzach. Die Arbeit gefällt ihr, sie schätzt den Kundenkontakt. Ihre Laufbahn bei der Triumph begann jedoch bereits 1967. «Hier habe ich begonnen und hier möchte ich in einigen Jahren gerne aufhören», sagt die 59-Jährige.

Im Nähsaal mit 80 jungen Frauen

1964 kam Angelina Nowotsch – damals noch als Angelina Migliorato – als knapp Zwölfjährige aus Italien in die Schweiz. Ihre Eltern hatten vier weitere Kinder und schickten sie als Zweitälteste zu einer Tante in Zurzach. Dort besuchte sie drei Jahre lang die Schule.

Danach begann sie, 15-jährig, als Näherin bei der Triumph – in einem Saal mit 80 weiteren Näherinnen. «Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie an einer Nähmaschine gesessen», erzählt sie. Doch die Gruppenleiterin sei sehr hilfsbereit gewesen und so habe sie das Nähen bald beherrscht. «Das Verhältnis zu den anderen jungen Frauen im Saal war sehr gut. Viele waren ebenfalls Italienerinnen oder Spanierinnen», so Nowotsch. Die Arbeitsbedingungen hingegen waren hart: «Wir arbeiteten im Akkord.» Diese Akkordarbeit habe hin und wieder zu Eifersüchteleien unter den Näherinnen geführt. Beneidet wurde, wer eine mutmasslich einfachere Tätigkeit hatte, dadurch mehr produzieren konnte und entsprechend mehr verdiente. Auch Aufseher mit Stoppuhren versuchten dem entgegen zu wirken: «Verdiente jemand viel, weil die Aufgabe schnell erledigt werden konnte, stoppten sie die Zeit und bewerteten die Arbeit gegebenenfalls niedriger. Die Mädchen waren aber so schlau, in diesen Momenten langsamer zu arbeiten», schmunzelt Angelina Nowotsch.

Grosse Liebe durch kaputte Nadel

Der Lohn wurde zweimal monatlich bar ausbezahlt, 220 bis 240 Franken erhielt Nowotsch jeweils. Sie war als Einzige zuständig für das Annähen des Haften- und Ösenbands bei Miederhosen. Dieses Verschlusssystem funktioniert wie bei einem Büstenhalter mit Häkchen.

Bald zeichnete sich ab, dass Angelina Nowotsch eine Begabung für das Annähen des Verschlusses an die Miederhöschen hat. «Dazu brauchte es jemanden mit viel Geduld, denn die Nadel ging oft kaputt, wenn sie auf ein Häkchen stach.» Dieser Aspekt hatte aber auch seine positiven Seiten: «Oft musste der Nähmaschinenmechaniker zu mir kommen.» Eine grosse Liebe begann: «Er hat Teile für mich konstruiert, mit denen ich besser geradeaus nähen konnte.» Einmal habe er ihr heimlich zärtlich über die Hand gestreichelt – «es war eine sehr schöne Zeit», sagt Angelina Nowotsch lächelnd.

Auf Umwegen zurück zur Triumph

Die Triumph beschäftigte in dieser Zeit drei Nähmaschinenmechaniker. Bald nach der Hochzeit der beiden wurde die Zahl auf zwei reduziert. Edmund Nowotsch, ein gebürtiger Deutscher, musste als zuletzt Eingestellter gehen. «Ich wäre gerne in Zurzach geblieben», sagt Angelina Nowotsch, doch sie folgte ihrem Mann nach viereinhalb Jahren als Näherin der Arbeit wegen ins Tessin. Zwischen 1973 und 1978 kamen drei Kinder zur Welt, die beiden Jüngsten bereits wieder im Zurzibiet. In Rietheim – der «alten Heimat», wie sie liebevoll sagt. «Seither wohnen wir dort. Inzwischen sind es 36 Jahre», so Nowotsch.

Nach einigen Jahren, in denen sie als Hausfrau und Mutter engagiert war, übernahm sie kleinere Arbeitspensen in anderen regionalen Betrieben. Dann ergab sich eine Anstellung im Lager der Triumph. «Es war schön, wieder zurück zu sein», erinnert sich Angelina Nowotsch an ihren Wiedereinstieg. Sie habe die Waren für den Versand in die ganze Schweiz vorbereiten müssen, bis ein Jahr später das Schweizer Warenlager aufgehoben und in europäische Zentrallager integriert wurde. Nach einem gesundheitlich bedingten Unterbruch wurde sie mit dem Etikettieren von Waren betraut. Während dieser Zeit traf sie auf Gabi Kalt, die Leiterin des Fabrikladens auf dem Triumph-Gelände. Sie habe auf gut Glück gefragt, ob sie im Laden gebraucht werden könne. «Wir nahmen sie gerne in unser Team auf», sagt Kalt. Sie habe sich als gute Verkäuferin herausgestellt.

Das verwundert nicht, bei all dem Hintergrundwissen, das Angelina Nowotsch über all die Jahre bei der Triumph aufgebaut hat. Welches ist das schönste Erlebnis, das sie im Zusammenhang mit ihrer Arbeit bei der Triumph hatte? «Ganz klar: Dass ich dadurch meinen Mann kennenlernte», antwortet sie sofort. Im November feiern die beiden ihren 40. Hochzeitstag.

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