Würenlingen

Hausarzt hat nach fünf Jahren Nachfolger gefunden – dann sagte der Kanton Nein

Hängt den Arztkittel an den Nagel: Peter Horowitz mit Praxisleiterin Bianca Meier (l.) und Praxisassistentin Monica Bächli.

Hängt den Arztkittel an den Nagel: Peter Horowitz mit Praxisleiterin Bianca Meier (l.) und Praxisassistentin Monica Bächli.

Fünf Jahre suchte Peter Horowitz einen Nachfolger für seine Praxis in Würenlingen. Als er ihn gefunden hatte, sagte der Kanton Nein.

Zwei Hausarzt-Praxen gibt es heute in Würenlingen. Ginge es nach dem Wunsch von Peter Horowitz und wohl auch vieler seiner Patienten, würde das auch in Zukunft so bleiben. Doch der Kanton machte dem 68-jährigen Arzt, der seit über 15 Jahren in der Gemeinde praktiziert, einen dicken Strich durch die Rechnung: Per 15. März 2017 wurden die Zulassungsbeschränkungen (Ärzte-Stopp) des Bundes per sofort umgesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt sah der Aargau Ausnahmen vor – damit war auf einen Schlag Schluss. Der Grund: Mögliche Qualitätsprobleme bei Ärzten aus dem Ausland, sagt das kantonale Gesundheitsdepartement (DGS) von Regierungsrätin Franziska Roth (SVP).

Doch was hat das mit Horowitz zu tun? In einem Brief, den er diese Woche an seine Patienten verschickt hat, teilt er mit, dass seine Praxis Ende März 2018 schliessen wird. Einen Nachfolger konnte er mit Mühe und Not finden, so glaubte er zunächst, doch der Kantonsarzt Dr. Martin Roth verweigerte die Zulassung.

Kein einziger Schweizer

«Schon vor fünf Jahren habe ich mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger begonnen», sagt Horowitz. «Leider ist mir dies wie auch vielen meiner Kolleginnen und Kollegen nicht gelungen. Jenen, die sich am Ende für meine Praxis interessierten, ging es letztlich nur darum, in möglichst kurzer Zeit und mit minimalem Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen.» Schweizer Interessenten hatte er keinen einzigen.

Ende des letzten Jahres meldete sich unverhofft doch noch ein gut ausgebildeter, 43-jähriger, erfahrener und sympathischer deutscher Hausarzt. «Wir wurden uns rasch einig und sahen die Übernahme der Praxis durch ihn auf Dezember 2017 vor», so Horowitz. Zuerst aber mussten seine Diplome und weitere Dokumente beim Bund zur Prüfung eingereicht werden. Erst danach kann beim Gesundheitsdepartement des Kantons die Erteilung der Berufsausübungsbewilligung beantragt werden. Noch vor Ende 2016 wurden alle benötigten Unterlagen beim Bund eingereicht. Am 8. März war ein Teil der Dokumente abgesegnet, am 21. März dann der Rest.

Unverzüglich wurde daraufhin die Bewilligung beim Kanton beantragt. Dann der Schock: «Völlig unerwartet erfuhren wir am 15. März, also genau zwischen diesen beiden Daten, durch eine simple Mitteilung im Regionalradio, dass der Kanton Aargau ab sofort eine Verschärfung der Zulassungsbedingungen für frei praktizierende ausländische Ärzte verfügt hat», sagt Horowitz.

Der Antrag um Erteilung einer Praxisbewilligung wurde vom Kantonsarzt Dr. Martin Roth denn auch postwendend abgelehnt, «mit der lapidaren Begründung, die Frist sei verpasst worden». Da die Unterlagen erst nach dem 15. März beim Kanton eingereicht worden seien, könne auch kein hängiges Verfahren geltend gemacht werden. Ausnahmen seien keine vorgesehen.

«Natürlich fragen wir uns, wie eine Frist, die vorher nicht bekannt gemacht worden ist, überhaupt verpasst werden kann», sagt Horowitz. Auch seien er und sein verhinderter Nachfolger der Meinung, dass mit Einreichung der Dokumente beim Bund bereits Ende 2016 das Gesuch auch vom Kanton als «hängig» hätte betrachtet werden müssen.

So wandten sie sich an den Aargauischen Ärzteverband. Dort verwies man sie an den Rechtsberater des Verbandes. Dieser versprach, ihr Anliegen zu vertreten, da auch er die Vorgehensweise als rechtlich fragwürdig einschätzte. Weitergehende Unterstützung erhielt Horowitz durch den Ärzteverband nicht. «Die Absicht, mit der Verschärfung der Zulassungskriterien für ausländische Ärzte die Qualität der medizinischen Grundversorgung hochzuhalten, unterstütze ich durchaus», betont Horowitz.

Nur bringe es herzlich wenig, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Statt die Gesamtsituation zu würdigen, werde mit einem Federstrich und rechtlich fragwürdigen Argumenten ein beträchtlicher Teil der Patienten von Würenlingen und Umgebung vor das Problem gestellt, sich einen neuen Hausarzt suchen zu müssen. Ganz so, als ob es keinen Hausärztemangel gäbe und die Praxen in der Umgebung problemlos die Möglichkeit hätten, viele neue Patienten aufzunehmen.

Ein letzter Versuch bei Roth

«Vonseiten der kantonalen Behörden wurde uns gesagt, wir könnten ja beim Gesamtregierungsrat eine Beschwerde gegen die Verfügung des Kantonsarztes einreichen», sagt Horowitz. Bis zur Stellungnahme der Regierung könne es dann aber bis zu einem Jahr dauern. Frau Regierungsrätin Franziska Roth hätte als Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales die Kompetenz gehabt, den Fall zu entscheiden und eine Ausnahme zu bewilligen.

«Als letzten Versuch wandten wir uns deshalb direkt an sie. Frau Roth war unserem Anliegen auch durchaus gewogen und sich bewusst, dass sich der kantonale Erlass vom 15. März nicht gegen Ärzte wie den von mir Vorgeschlagenen richtet. Gegen den Willen ihrer Chefbeamten wollte sie sich aber dennoch nicht durchsetzen.» Auch Regierungsrätin Roth verwies auf die Möglichkeit einer Beschwerde an den Gesamtregierungsrat. «Nochmals so lange abwarten, und dies mit ungewissem Ausgang, wollte aber auch mein gewünschter Nachfolger nicht mehr», sagt Horowitz.

Schweren Herzens werde er deshalb seine Praxis auf Ende März 2018 schliessen. Dem Besitzer der Räumlichkeiten hat Horowitz am Mittwoch schriftlich mitgeteilt, dass er den Mietvertrag kündigen werde.

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