Die kleinste Gemeinde der Schweiz will ihren Hafen vergrössern. 34 Anlegeplätze bietet derzeit das Städtchen Kaiserstuhl an seinem Rheinufer. Bis nächsten Sommer sollen 20 neue dazukommen. Es handelt sich um Liegeplätze für Boote mit einer Breite von maximal 2,2 Metern. Die sogenannten Schwimmstege passen sich dem Niveau des Rheins an. Die Idee der Hafen-Erweiterung kam dem Stadtrat, als er sich Gedanken über die Sanierung der bestehenden Anlage machte. Sie ist in die Jahre gekommen. Vor über 20 Jahren wurde der aktuelle Bootssteg gebaut.

An der diesjährigen Sommergmeind sagte der Souverän Ja zum Kreditantrag über 510 000 Franken. Die Sanierung kostet rund 175 000 Franken, die Erweiterung 215 000. «Die Finanzierung der Sanierung und Erweiterung soll grössenteils durch die Mieter der Anlegeplätze geschehen», sagt der Stadtrat. Hierfür werden zum einen die bestehenden, eher tiefen Mietgebühren um 25 Prozent angehoben, zum anderen will die Exekutive die neuen Liegeplätze für 15 Jahre vorvermieten. So sollten 80 Prozent der Finanzierung gedeckt sein. Den Rest der Kosten übernimmt die Gemeinde.

Neue Plätze sind doppelt so teuer

Die Nachricht über die Erweiterung dürfte vor allem jene Bootsbesitzer gefreut haben, die auf der Warteliste stehen und seit Jahren auf einen der raren Plätze warten. Bevor allerdings mit dem Bau begonnen werden kann, müssen bis Ende November zwecks Finanzierung 16 der 20 Plätze vorvermietet sein.

Die Gemeinde sucht nun Schiffskapitäne für ihre Bootsplätze. Acht wurden bisher gefunden. Die Zahl erstaunt, denn gemäss Recherchen befanden sich im Sommer 2017 deren 14 auf der Warteliste. «Nicht alle, die auf der Warteliste waren, wollen einen der neuen Plätze», erklärt der zuständige Vizeammann Daniel Hersche. Denn die neuen Plätze sind rund doppelt so teuer wie die alten.

Wer einen der neuen Bootsplätze ergattern will, muss einen Mietvertrag für die Dauer von 15 Jahren unterzeichnen. Die Kosten betragen 18 000 Franken. Das entspricht 1200 Franken pro Jahr. Der gesamte Betrag muss im Voraus bezahlt werden; eine Hälfte bei Baubeginn, die andere bei Bezug des Bootsplatzes. Hersche geht davon aus, dass das Ziel bis Ende November erreicht wird. Andernfalls werde die Gemeinde mit der Umsetzung ein Jahr zuwarten.

Fisibach lehnte Angebot ab

Kaiserstuhl hat auch den Nachbargemeinden Fisibach, Weiach und Hohentengen je fünf Plätze angeboten. Weiach hat dankend angenommen, wie der «Zürcher Unterländer» berichtet. Der Entscheid in Hohentengen wird Ende Monat erwartet. Der Fisibacher Gemeinderat hat die Bootsliegeplätze abgelehnt. Die Anlegestellen hätten zwar an Interessierte selbstständig durch die Gemeinde weitervermietet werden können.

Jedoch hätten die Mietkosten für die Liegeplätze durch die Gemeinde im Voraus für die 15 Jahre beglichen werden sollen. Das hätte Folgen für die Finanzlage von Fisibach gehabt: Denn der Aufwand hätte mit 90 000 Franken die Erfolgsrechnung belastet. Aufgrund der unsicheren finanziellen Entwicklung in den vergangenen Jahren hat sich der Gemeinderat deshalb entschieden, das Angebot nicht anzunehmen.

Daniel Hersche erwartet, dass sich vor allem aus der Region Eglisau noch Interessenten melden. Für die dortigen Bootsplätze befänden sich 200 Personen auf der Warteliste. «Für sie sind die nahe gelegenen Bootsliegeplätze in Kaiserstuhl attraktiv.»

Auch der Kanton hat sich mit der Erweiterung des Hafens befasst. Die «vorentscheidsweise Zustimmung» der Abteilung für Baubewilligungen des Departements Bau, Verkehr und Umwelt liegt vor. Das Baugesuch soll im November an den Kanton gehen.