An der Generalversammlung vom letzten Jahr hatte die Raiffeisenbank Aare-Rhein angekündigt, den Hauptsitz in Leuggern umzubauen. Vor kurzem hat sie nun grünes Licht in Form der Baubewilligung erhalten. Darüber informierte Verwaltungsratspräsident Beat Elsener an der 102. Generalversammlung vom Freitag im Sportcenter Leuggern vor 1076 von insgesamt 6377 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern. 

Bei einem Architektenwettbewerb hat die Jury das Projekt «Abierto» (Spanisch: offen) zum Sieger erklärt. Es stammt vom Architekturbüro Atelier West aus Baden. "Offen und einladend wollen wir unsere Kunden in der neuen Beraterbank begrüssen", führte Beat Elsener aus.

In den nächsten Monaten soll der Umbau realisiert werden. Die Genossenschafter bekamen an der GV und während des folgenden Apéros mehrere Visualisierungen zu sehen. Diese zeigen, wie der Innenbereich der Raiffeisenbank in Leuggern nach dem Umbau aussehen wird.

Der Hauptsitz der Raiffeisenbank Aare-Rhein in Leuggern wird zu einer Beraterbank umgebaut.

   

Schalter fällt weg

Auffällig dabei: Schalter sind keine zu erkennen. "Der Schalter, wie es ihn jetzt noch in Leuggern gibt, fällt weg, erklärt Elsener im Gespräch mit der AZ. "Das ist ein zukunftsweisender Schritt." Der Bedarf an Beratung habe massiv zugenommen. "Dagegen brauchen die Leute immer weniger Bargeld und greifen häufiger zur Kreditkarte oder zu anderen bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten wie Twint." Die Kunden werden in Leuggern kein Bargeld mehr an einem Schalter beziehen. Bargeld gibt es neu einzig am Automaten. "Wir werden aber geräde älteren Kunden die nötige Hilfestellung geben und sie an den Automaten heranführen, bis sie mit den Abläufen vertraut sind", versichert Elsener.  

Raiffeisen investiert 1,5 Millionen Franken in den Umbau. Die Service-Abteilung des Kreditbereichs mit 5 Arbeitsplätzen soll nach Bad Zurzach verschoben werden. In Leuggern bleiben 10 Arbeitsplätze. Gesamthaft sind 35 Mitarbeitende angestellt (29 Vollzeitstellen).

Während des Umbaus wird Raiffeisen auf dem Parkplatz ein Bankprovisorium errichten. Die Kunden müssen somit nicht ausweichen. "Anfang 2020 werden wir die Beraterbank mit 24-Stunden-Bargeldkonzept und neuem Kundentresor einweihen", sagte Elsener. 

Vor 13 Jahren hat die Raiffeisenbank in Leuggern den letzten Umbau realisiert. In derselben Liegenschaft befindet sich das Gemeindehaus. Dessen Räumlichkeiten sind nicht vom Umbau betroffen. 

Neu eine Frau im fünfköpfigen Verwaltungsrat

Bei der Wahl des fünfköpfigen Verwaltungsrates hat die Generalversammlung nebst Präsident Beat Elsener auch Philipp Emmenegger, Daniel Holenstein und Mario Neuhäusler bestätigt. Für Ernst Grenacher, der nach 26 Jahren zurückgetreten ist, wurde Mirjam Kleeb aus Bad Zurzach gewählt. Elsener hatte sie als "eine ausgewiesene Finanzspezialistin mit grosser Erfahrung im Personalbereich" vorgestellt, die "seit Lebzeiten mit unserer Region verbunden ist".

Verwaltungsratspräsident Beat Elsener (rechts) verabschiedet Ernst Grenacher, der nach 26 Jahren den Verwaltungsrat verlässt, und begrüsst Mirjam Kleeb, die ihm neu angehört.

   

Grenacher verabschiedete er und würdigte dessen Engagement. Er habe Fusionen und grosse Veränderungen mitgeprägt. Die Bilanzsumme bei Grenachers Eintritt in den Verwaltungsrat der damaligen Raiffeisenbank Leibstadt betrug 50 Millionen Franken. Heute sind es 750 Millionen. 

Elsener nahm zu Beginn kurz Bezug zur Affäre Vincenz, ohne den ehemaligen Chef von Raiffeisen Schweiz beim Namen zu nennen. "Die Vergangenheit wurde weitgehendst aufgearbeitet und mit den gebildeten Rückstellungen auf Beteiligungen im Jahresabschluss bei Raiffeisen Schweiz wurde schon fast ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen. Wir sind zuversichtlich, dass mit dem internen Reformprogramm 21 die Lehren gezogen worden sind und dass mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Guy Lachapelle wieder Ruhe einzieht." Erfreut zeigte er sich, dass die Mitarbeiter der Raiffeisenbank Aare-Rhein bei ihren Kunden "ein hohes Vertrauen" spüren. 

Reingewinn gestiegen

Willi Vogt, der Vorsitzende der Bankleitung, führte in seinem Bericht aus, dass die Raiffeisenbank Aare-Rhein im Jahr 2018 stark gewachsen ist. Den Reingewinn steigerte sie um 3 Prozent auf 1,382 Millionen Franken. Aufgrund des tiefen Zinsniveaus und der schmaleren Zinsmarge sei die Bank bestrebt, ihre Erträge zu diversifizieren. Mit 71 Prozent machen die Zinserträge den Löwenanteil aus. "Wir möchten im Anlage- und im Firmenkundengeschäft noch stärker wachsen."

Bei der Wahl der Revisionsstelle für weitere zwei Jahre machte sich ein Genossenschafter vehement für die Ablehnung von Pricewaterhouse Coopers stark, vor allem weil diese in der Affäre Vincenz versagt habe. Eine grosse Mehrheit sah das anders: Nur 10 Nein-Stimmen wurden gezählt. Das entspricht einem Anteil von weniger als ein Prozent.