«Wollen Sie den Vertrag über den Zusammenschluss der zustimmenden Einwohnergemeinden zur Einwoh- nergemeinde Zurzach auf den 1. Januar 2022 genehmigen?» Der etwas langfädig klingende Satz ist für zehn Zurzibieter Gemeinden von wegweisender Bedeutung. Diese Frage müssen heute Abend die Stimmberechtigten in Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen beantworten.

Ab 20 Uhr finden hierzu zeitgleich die ausserordentlichen Gemeindeversammlungen statt. Das Badener Tagblatt ist ab 19.45 online live dabei. Nachfolgend eine Übersicht zur Ausgangslage, Stimmung und zu den möglichen Szenarien.  

Ausgangslage: Damit der Weg zur Fusion geebnet werden kann, müssen mindestens vier Gemeinden plus der Bezirkshauptort Bad Zurzach dem Fusionsvertrag zustimmen, das sogenannte «4+1-Modell». Lehnen Bad Zurzach oder mehr als fünf Gemeinden den Antrag ab, wäre das Projekt «Rheintal+» nach zweieinhalbjähriger Prüfung beendet. Stimmen vier Gemeinden und Bad Zurzach zu, würde in den betreffenden Gemeinden an der Urne am 8. September über einen definitiven Zusammenschluss abgestimmt werden.

Wer ist für die Fusion? Die Evaluation in den einzelnen Gemeinden ergab ein uneinheitliches Bild: In sieben Gemeinden (Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon und Wislikofen) empfiehlt der Gemeinderat der Bevölkerung den Fusionsvertrag zur Annahme. Fisibach, Mellikon und Rietheim lehnen ihn ab.

Die Stimmung in der Bevölkerung. Lange Zeit war es ruhig. Keine Flugblätter, keine Interessensgemeinschaften, kaum Leserbriefe in den Medien. Seit den teils emotionalen Info-Veranstaltungen in den vergangenen Wochen hat sich das geändert. Befürworter und Gegner haben sich formiert. Beide Seiten geben sich siegesgewiss, wie eine Umfrage dieser Zeitung diese Woche in den Gemeinden ergab. Zuspruch haben die Befürworter von höchster Stelle erhalten. Landammann Urs Hofmann bezeichnete letzten Donnerstag an einem Anlass in Tegerfelden das Projekt als vorbildlich. Eine bessere Variante gebe es nicht.

Das Prozedere heute Abend. Es gibt drei Varianten (siehe Grafik). Bei einem Ja kommt es am 8. September zur Urnenabstimmung (vorausgesetzt die Vorgaben des «4+1»-Modells werden erfüllt). Sollte weniger als ein Fünftel der Stimmberechtigten in der Gemeinde Nein stimmen, besteht innerhalb von 30 Tagen die Möglichkeit eines fakultativen Referendums. Lehnen ein Fünftel oder mehr der Stimmberechtigen den Antrag ab, ist das Fusionsprojekt in der betreffenden Gemeinde vom Tisch.

Wie könnte die künftige Gemeinde aussehen? Bei Zustimmung aller Gemeinden würde mit über 34 Hektaren die flächenmässig grösste Gemeinde mit über 8000 Personen entstehen. Bezirks- und Verwaltungsstandort wäre das heutige Bad Zurzach. Der Gemeinderat bestünde bei einer Zustimmung von 9 bis 10 Gemeinden aus 9 Mitgliedern, bei 5 bis 8 Gemeinden wären es 7. Der Steuerfuss soll auf 115 Prozent festgelegt werden.

Chancen und Risiken. Die Befürworter argumentieren damit, dass bei einem Zusammenschluss die Position der Gemeinden gestärkt würde. Man verspricht sich ein qualitatives Wachstum an Arbeitsplätzen, einen nachhaltigen Synergieeffekt, flexiblere Gestaltung der Siedlungsplanung, finanzielle Unterstützung des Kantons und eine stärkere Verhandlungsposition beim öffentlichen Verkehr. Die Gegner befürchten den Verlust der Eigenständigkeit, den Wegfall des Dorfcharakters, des Kulturguts und der Bräuche sowie längere Schulwege.

Verfolgen Sie den Liveticker zum Abstimmungsabend ab 19 Uhr hier.