Orell Füessli isch am Warte – drom tüend mer mit em Drucke starte», meinen die Würenlinger Chäppelibööge und machen sich ans Werk. Allerdings kommen aus ihrer Druckerpresse bloss Konfetti. Immerhin werden zum Trost Goldstückli verteilt. Das weckt Erinnerungen an ein früheres Würenlinger Fasnachtssujet, bei dem Banknoten – warens schon Euro oder noch gute alte D-Mark? – und ein Helikopter im Mittelpunkt gestanden hatten. Nun: Bei den Chäppelibööge geht es jedenfalls um die neuen Banknoten.

An dichten Zuschauerspalieren, mit vielen kleinen Prinzessinnen, Indianern und Piraten und manch einer feschen Grossmutter, die sich mit einem kecken Hütchen oder einer schrill-bunten Perücke als Fasnächtlerin outet, ziehen die Wagen und Guggenmusiken vorbei.

Wie stets in Würenlingen haben sich die Wagenbauer vor allem lokaler Begebenheiten liebevoll angenommen: «Bäre ade – das tuet so weh!», trauern etwa die Wuerlikids dem Verschwinden eines Hot-Spots der Würenlinger Fasnacht entgegen. Sie zeigen nicht nur die Vision eines neuen «Bären», sondern bringen mit dem Transparent «Alex, wir vermissen Dich» Bärenwirt Schneider eine Hommage dar.

Bestellscheine für Babys

Eine Würenlinger Spezialität sind die riesigen Wagen. Den Vogel schiessen Keller und Meiers Kinder mit ihrem Greis auf dem Dreiradvelo ab. «Chani Chomi Altersheim – Dank Kita bliibsch jung» steht über dieser Nummer, die sich mit der gelungenen Kombination von Kita und Altersheim auseinandersetzt.

Aber auch das Beznau-Mutschli der Bachsplitter – «Im Reaktor vo de Beznau I do lotterets enorm. Au öise Chäs esch öppe so in Form», reimen sie dazu – weist gewaltige Dimensionen auf. Das Breitenquartier fährt voll auf die Reproduktionstechnologie ab. «Eins, zwei, drei: wie soll das Baby sein?», fragen seine Doctores in den weissen Mänteln und verteilen Bestellscheine, auf denen man ankreuzen kann, wie denn das Baby aussehen soll.

«BaRock – mer rocked scho 20 Jahr» verraten die Höll-Höckler zu eleganten Tanzeinlagen prächtig gewandeter Damen und Herren. Kommentar eines älteren Herrn am Strassenrand: «Eine wahre Augenweide.» Die Würenlinger Fasnächtler erhalten aber auch stets Zuzug aus andern Fasnachtshochburgen. Unter ihnen stechen die Schnitzerfreunde aus Schindellegi hervor, die in ihrem tragbaren Beichtstuhl gleich ambulante Beichten abnehmen. Tja: Wenn die Leute nicht zur Kirche gehen, muss die Kirche eben zu den Leuten gehen.

Rund 10'000 Besucher zugegen

Man kommt aus dem Staunen kaum heraus, über den Witz und das technische Geschick, mit dem die Fasnächtler das Geschehen aufs Korn nehmen. André Wenzinger, der Präsident der Fasnachtsgesellschaft Würenlingen, ist begeistert: «Ich bin sehr zufrieden», sagte er. «Wir hatten hervorragende Sujets und eine Superstimmung. Und es ist alles unfallfrei abgelaufen». Auch mit den Zuschauerzahlen ist er zufrieden. Die letztjährigen Rekordzahlen seien zwar nicht erreicht worden. «Zweifellos haben dabei Wetterprognose und Sportferien eine Rolle gespielt. Aber es waren sicher gegen 10'000 Besucher.»