Es ist ein Samstagmorgen, als die Ambulanz wegen eines Todesfalles an den Blitzbergweg in Klingnau gerufen wird. Keine zehn Minuten später sind die Sirenen des Krankenautos im Quartier unterhalb des Achenbergs zu hören. Es dauert eine gefühlte Ewigkeits, bis die Sanitäter endlich vor der Haustüre stehen.

Wegen einer Baustelle ist die Flüestrasse, die hinauf zum Blitzbergweg führt, komplett gesperrt. Die Sanitäter sind hin- und hergefahren, bis sie sich dazu entschlossen haben, der Umleitung in Richtung Achenberg zu folgen. Dieser Umweg kostet sie mindestens fünf weitere Minuten – bei einem Notfall wie einem Herzinfarkt kann aber jede Minute entscheidend sein.

Dem Klingnauer Gemeindeschreiber Rolf Walker ist dieser Fall bekannt. Da die Flüestrasse sehr eng ist, führte kein Weg daran vorbei, die Strasse komplett zu sperren, um die Werkleitungen sanieren zu können. Die Flüestrasse ist eine wichtige Verbindungsstrasse für die Wohnquartiere in Richtung Achenberg und Hönger.

Auch die Umleitung gestaltet sich wegen den engen Strassenverhältnissen schwierig. Bei den meisten Strassen können kaum zwei Autos kreuzen. «Wir prüften verschiedene Umfahrungsvarianten eingehend», sagt Walker. «Unter anderem auch den Einsatz von Ampeln, damit der Verkehr einspurig geführt werden könnte.»

Dies könnte in Stosszeiten wiederum zu grösseren Rückstaus führen. Deshalb entschloss sich die Projektleitung in Zusammenarbeit mit der Regionalpolizei und dem Werkdienst, den Verkehr weiträumiger über die Koblenzer- und die Steigstrasse umzuleiten.

Spital erfasst Baustellen in System

Orange Tafeln mit der Aufschrift «Achenberg» signalisieren den Umweg. «Der Achenberg ist Ortsunkundigen eher ein Begriff als die einzelnen Strassennamen», sagt der Gemeindeschreiber. «Jede Strasse auf der Umleitung zu nennen oder für jeden einzelnen Weg eine Umleitung zu signalisieren, wäre unübersichtlich und verwirrend.» Denn im Fall der Baustelle an der Flüestrasse ist nicht nur der Blitzbergweg, sondern über zehn weitere Strassen betroffen.

Rolf Walker stellt klar: «Vor dem Beginn der Bauarbeiten informierten wir auf verschiedenen Kanälen. Zudem ging ein E-Mail an die Regionalpolizei, die Kehrichtabfuhr, die Feuerwehr – und auch an das Spital Leuggern.» All diese Amtsstellen würden fortlaufend über das Bauprojekt informiert. Dies sei das übliche Vorgehen der Gemeinde bei länger dauernden Baustellen.

Doch längst nicht alle Gemeinden melden die Baustellen und die Umleitungen den umliegenden Spitälern. Vorgeschrieben sei dies nicht, sagt René Huber, Direktor des Asana Spitals in Leuggern. «Wie Klingnau informiert, ist deshalb sehr vorbildlich und hilfreich für uns.»

Die Meldungen werden in einem internen Informationssystem des Rettungsdienstes erfasst. Vor Schichtbeginn muss jeder Rettungssanitäter sich einloggen, über die neusten Informationen wie Baustellen sowie Umleitungen informieren und am Schluss bestätigen, dass er alles gelesen hat. «Das ist eine Auflage zur Qualitätssicherung und funktioniert in der Regel sehr gut», sagt René Huber.

Die Situation an der Flüestrasse in Klingnau sei aber relativ komplex. Durch die verschiedenen Bauetappen ändert sich der Zugang zu den einzelnen Strassen immer wieder. «Da ist es schwierig, den Überblick zu behalten.» Bei einem Notfall würden die Rettungssanitäter zuerst den schnellsten Weg wählen, wenn die Möglichkeit bestehe, dass er offen sei. So geschehen auch an jenem Samstagmorgen.

Baustellen und Umleitungen direkt ins Navigationssystem einzuspeisen, sei nicht möglich, sagt Huber. «Im Navi werden jeweils die neusten Strassenkarten aktualisiert. Zusätzlich die einzelnen Verkehrsbehinderungen zu erfassen, ist nicht möglich.»

Bei einem Notfall kann der Anrufer aber auf die Umleitung hinweisen, wie es in einem ähnlichen Fall unterhalb des Achenbergs geschehen war. Damals konnte die Einsatzleitstelle 144 neben dem Einsatzort auch gleich die Umleitung an die Rettungssanitäter durchgeben.

Diese wiederum konnten beides in das Navigationsgerät übertragen und direkt über den signalisierten Umweg zum Notfall fahren. Bei aller Technik gilt also: «Wir sind darauf angewiesen, dass wir über Umleitungen informiert werden», sagt Huber.

Bis sich die Situation unterhalb des Achenbergs wieder normalisiert, dauert es noch etwas: Die Arbeiten an den Werkleitungen dauern voraussichtlich noch bis Ende November.

Mehr Informationen zur Flüestrasse-Sanierung samt Terminplan finden Sie hier.