Bernhard Kaufmann (67) blickt am Mittwochabend mit Sorgenfalten auf seine Gewerbehalle im Industriegebiet "Zelgli". Zwei Stunden nach Brandausbruch, gegen 20.30 Uhr, züngeln noch immer Flammen aus den beiden Obergeschossen, in denen sich Werkstatt- und Lagerräume befinden. Vor allem steigt dicker weisser Rauch empor. Rund um die Halle stehen Dutzende Feuerwehrleute im Löscheinsatz.

Grossbrand in Klingnauer Fischzucht

So brannte es in Klingnauer Fischzucht

Kaufmann sorgt sich um seine Zander. Im Untergeschoss des Gebäudes befindet sich ein Teil seiner Fischzucht. 10'000 Zander schwimmen dort in 21 Becken. Es ist weniger das Feuer, das ihm Sorgen macht, sondern das Löschwasser, das ins Untergeschoss in die Zanderbecken dringen könnte.

Noch am selben Abend wird klar: Die meisten Fische haben das Inferno überlebt. Dank der 40 Zentimeter dicken Betondecke, welche das Untergeschoss vom ersten Obergeschoss trennt. Zwar dringt Löschwasser durch Leitungslöcher ins Untergeschoss. Doch nur die 600 Fische in einem Becken gehen zugrunde. Die anderen rund 9400 bleiben verschont.

Leservideo: Die Klingnauer Fischzucht steht in Flammen.

Leservideo: Die Klingnauer Fischzucht steht kurz nach Ausbruch in Flammen

Alarm wegen Stromausfall 

Möglich wurde dies auch dank des Notfallsystems der Tegatec, wie Kaufmanns Firma heisst. Der Unternehmer und seine Mitarbeiter waren nach Feierabend noch nicht lange zu Hause, als das System einen Stromausfall meldete. "Die Sauerstoff-Versorgung der Zander ist in so einem Fall durch einen Batteriebetrieb für drei bis vier Stunden gesichert", erklärt er der AZ am späten Mittwochabend. "Im Verlauf unseres Einsatzes haben wir die Stromversorgung wieder anstellen können, erklärt Feuerwehr-Kommandant Remo Bugmann. "So liess sich ein grösserer Schaden vermeiden."  

"Die Brandursache steht noch nicht fest", sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei, am Donnerstag. "Die Brandermittler haben ihre Ermittlungen aufgenommen und waren für eine Begehung am Brandort." Unklar ist die Höhe des Sachschadens: Die Aargauische Gebäudeversicherung AGV macht dazu keine Angaben. 

120 Feuerwehr-Männer und -Frauen standen beim Grossbrand im Einsatz. Für die meisten war er um Mitternacht beendet – aber nicht für alle. Die Feuerwehr stellte eine Brandwache. "Am Donnerstagmorgen haben wir für weitere Löscharbeiten nochmals die Autodrehleiter der Stützpunkt-Feuerwehr angefordert", sagt Bugmann. "Einige Feuerwehrleute haben das Dach teilweise aufgeschnitten und die letzten Glutnester gelöscht." Am Donnerstagmittag war der Einsatz beendet.

Brand in Klingnau

Brand in Klingnau: So sah es am späteren Abend aus

Bugmann unterstreicht die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren sowie den SBB. Diese hatten entschieden, dass die S-Bahn weiter zwischen Koblenz und Klingnau verkehren kann. Die Züge fuhren am Brandort im Schritttempo, auf Sicht, vorbei.

Vom Koi- zum Zander-Züchter

Bernhard Kaufmann hat sich als Züchter und Verkäufer der japanischen Koi-Fische, die als die teuersten Fische der Welt gelten, einen Namen gemacht. Weil dieser Markt vor einigen Jahren stagnierte, machte er sich auf die Suche nach Alternativen. Dabei kam er auf den Verkauf von Wassertechnik für Gartenteiche sowie auf die Zucht des Zanders, eines begehrten Speisefisches, der in der Schweiz aber immer seltener gefangen wird. 

Kaufmann wurde vor vier Jahren zum Pionier der Zanderzucht. Seinem Beispiel sind mehrere Aargauer Landwirte gefolgt. Im August 2014 führte er in der AZ aus, dass der Zander ein sehr guter Futterverwerter sei. Das macht ihn für die Zucht sehr interessant. Ein Kilo Futter bringt eine Gewichtszunahme von einem Kilo. Zum Vergleich: Bei Rindern liegt das Verhältnis bei 8:1, bei Geflügel bei 3:1. 

Kaufmann beliefert seine Kunden, vor allem Landwirtschaftsbetriebe, mit Setzlingen in verschiedenen Grössen. Diese ziehen die jungen Fische auf, bis sie schlachtfrei sind. Die Mast dauert insgesamt ein Jahr. Dann sind die Zander ein Kilogramm schwer.

Heute züchten Kaufmann und seine Mitarbeiter im Klingnauer "Zelgli" 20'000 Zander, davon 10'000 im Hauptgebäude, das vom Grossbrand verschont blieb. Kois dagegen hat Kaufmann seit vier Monaten nicht mehr im Angebot.

18.11.2015: Fisch, frisch vom Bauernhof

Bericht vom 18.11.2015 mit Impressionen aus der Klingnauer Fischzucht

Bernhard Kaufmann hat eine Marktlücke entdeckt.