Ob es die 500 Atomkraft-Gegner waren, die zur Kundgebung gegen das AKW Beznau auf der Rheinbrücke Waldshut-Koblenz erwartet worden waren, ist fraglich. Dennoch war der Aufmarsch am Sonntag eindrücklich, und vor allem bunt; die Redner gaben sich kämpferisch.
Von Schweizer Seite waren es Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Schweiz, die Aargauer SP-Grossrätin Gabriela Suter und der Basler SP-Grossrat Rudolf Rechsteiner. Letzterer spielt im Kampf gegen das AKW Beznau insofern eine besondere Rolle, als er die Atomkraftgegner im Rechtsstreit gegen das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI vor dem Bundesverwaltungsgericht vertritt.

Deutsche demonstrieren gegen Atomkraftwerk Beznau

Deutsche demonstrieren gegen Atomkraftwerk Beznau

Den Atomkraftgegner ist das Schweizer Atomkraftwerk in Döttingen ein Dorn im Auge.

Darauf nahm Regula Rytz Bezug, als sie den Behörden vorwarf, die Verordnung zu revidieren, nur um eben diesen Rechtsstreit zu stoppen. «Das ENSI hat sich weichklopfen lassen. Wir wehren uns entschieden dagegen, dass der Sicherheitslevel heruntergeschraubt wird. Dieses zynische Spiel ist ein Tiefpunkt der Schweizer Demokratie und muss gestoppt werden.»

Gabriela Suter nahm den Gedanken von Rytz auf, die gemeint hatte, dass sich die Politik von den Sirenenklängen der Energieministerin Doris Leuthard habe einlullen lassen. «Fukushima scheint fast vergessen», sagte Suter und warnte: «Atomkraftwerke sind per se nicht sicher, sicher ist nur das Risiko.» Ein Uralt-Kraftwerk wie Beznau I hochzufahren, sei in höchstem Masse verantwortungslos.

Der Dank für das Gastrecht

Rytz dankte den deutschen Mitstreiter für das Gastrecht, auf deutschem Boden demonstrieren zu dürfen. Tatsächlich dürften diese die Zahl der Eidgenossen weit übertroffen haben. «Die Brücke», sagte Rytz aber, «verbindet unseren gemeinsamen Widerstand gegen eine Technik, deren zynische Auswirkungen nicht übertroffen werden können».

Axel Mayer vom Regionalverband BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) rief dazu auf, «sich der Endlager-Diskussion zu verweigern, solange die alten Kisten noch laufen». «Je länger wir uns wehren, umso grösser wird unser Zorn», wetterte Monika Hermann-Schiel von der Bürgerinitiative ZoA (Zukunft ohne Atom). Er habe schon vor 30, 40 Jahren gegen Beznau und Leibstadt demonstriert, meinte ein Rentner aus Bad Säckingen, als er sich am Rande der Demo auf dem Zollgelände eine Kippe drehte. Wie die Atommeiler sind auch viele ihrer Gegner in die Jahre gekommen, doch müde geworden sind offensichtlich nicht.