Fast fünf Jahre sind seit dem Goldfund von Klingnau vergangen. Nun zeigen az-Recherchen: Der Fall ist noch mysteriöser, als es bisher schien. Bekannt war nämlich, dass die Staatsanwaltschaft am Plastiksack, in dem sich die 2,6 Kilogramm Goldbarren befanden, einen Fingerabdruck fand und diesen auch einer Person zuweisen konnte. 

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Untersuchungsverfahren gegen die Person, konnte ihr dazu aber keine strafbaren Handlungen nachweisen

Neue Recherchen der az zeigen nun: Bei dieser Person handelt es sich um einen heute 59-jährigen Mann aus Bosnien-Herzegowina, der keinen Wohnsitz in der Schweiz hatte, wie Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, sagt. In Haft sass er nicht etwa wegen eines Vermögensdelikts wie Einbruch oder Diebstahl. «Er war wegen Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz inhaftiert», sagt Strebel. Seine Strafe hat der Bosnier mittlerweile verbüsst.

In einem solchen Fall weist das kantonale Amt für Migration und Integration (Mika) Ausländer aus Drittstaaten aus der Schweiz weg und beantragt beim Staatssekretariat für Migration ein Einreiseverbot. «In der Regel wird der Ausländer auf das Strafende hin aus der Schweiz ausgeschafft», hält Mika-Leiter Markus Rudin fest.

Bosnier deponierte Barren nicht am Fundort

Was den Goldfund noch mysteriöser macht: Der Bosnier sass schon im Gefängnis, als die Gemeindemitarbeiter die Barren entdeckten. Er kann sie also selbst nicht am Fundort deponiert haben.

Die Ermittler konnten weder weitere Fingerabdrücke noch DNA an Goldbarren oder Plastiksack feststellen. Internationale Abklärungen der Staatsanwaltschaft ergaben keine Hinweise. Für alle Goldbarren, 50 Gramm bis 1 Kilo schwer, liess sich zwar das Herstelldatum eruieren, «für die kleineren sogar das Erstverkaufsdatum», sagt Strebel.

1905 fanden Holzhauer im Klingnauer Wald einen Schatz von 829 Goldmünzen. Mehr im Video (unten).

Die Fundorte der beiden Klingnauer Goldfunde.

1905 fanden Holzhauer im Klingnauer Wald einen Schatz von 829 Goldmünzen. Mehr im Video (unten).

Die Spur verlief trotzdem im Sand, weil eine Bank die Barren erwarb, sie weiterverkaufte und die neuen Eigentümer nicht registriert wurden. «Es liess sich nicht nachweisen, dass es sich bei den Goldbarren um Deliktsgut handelt», hält Strebel fest.

Als der Goldfund im Juli 2012 publik wurde, meldeten sich zahlreiche Personen in der Hoffnung, die Goldbarren zu erhalten – das passiert auch heute noch. «Niemand konnte jedoch darlegen, dass er als Geschädigter in einem Strafverfahren Anspruch auf diese Goldbarren hätte», sagt Strebel. Woher sie stammen, bleibt ein Rätsel.

Der Klingnauer Goldfund von 1905

Der Klingnauer Goldfund von 1905

Im Wald zeugt ein Gedenkstein von einem Sensationsfund vor über 100 Jahren: Am 3. Februar 1905 stiessen Klingnauer Holzhauer auf eine Kiste mit 829 Goldmünzen.