Klingnau

Goldbarren-Eigentümer nicht ermittelt: Mysteriöser Fund geht an die Gemeinde

Auch die Personen, die noch kurz vor Ablauf der fünfjährigen Frist Anspruch auf die Klingnauer Goldbarren stellten, sind nicht die rechtmässigen Eigentümer. Das Fundbüro will die 2,6 Kilogramm Goldbarren nun der Gemeinde übergeben.

Kurz vor und nach Ablauf der fünfjährigen Frist hatten sich diverse Personen gemeldet, die einen Anspruch auf die gesamten oder einen Teil der 2,6 Kilogramm Goldbarren stellten. Umfangreiche Ermittlungen hätten jedoch ergeben, dass das Gold niemandem zugeordnet werden könne, teilt die Regionalpolizei Zurzibiet mit. Sie führt das Fundbüro für die Gemeinde Klingnau, die für die Aufbewahrung des Goldes zuständig ist. 

Hier in Klingnau fanden zwei Gemeindemitarbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren

Hier in Klingnau fanden zwei Gemeindemitarbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren

Damit konnte der rechtmässige Eigentümer der Barren, die aktuell einen Wert von rund 106'000 Franken haben, nicht eruiert werden. Das Fundbüro wird die Goldbarren am Freitag offiziell dem Gemeinderat übergeben. Gemäss Zivilgesetzbuch geht eine Fundsache an den Finder - wenn sich innerhalb einer Frist von fünf Jahren der rechtmässige Eigentümer nicht meldet.

Finderlohn versprochen

Der Bauamtsleiter und ein Lehrling hatten die Goldbarren am 28. Juni 2012 während der Arbeit in einem Plastiksack gefunden. Dieser lag im hohen Gras hinter einem Strauch. Die Goldbarren waren in weisses Seidenpapier eingewickelt und mit Klebeband umwickelt. Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Kantonsstrasse, die Grenze zu Deutschland ist nur 4,5 Kilometer entfernt. 

Dass die Goldbarren an die Gemeinde gehen, begründet die Regionalpolizei mit denselben Argumenten wie diese zuvor. Weil die beiden Gemeindemitarbeiter zum Zeitpunkt des Fundes in einem öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis standen, würden die Goldbarren gemäss Obligationenrecht an ihren Arbeitgeber gehen, schreibt die Regionalpolizei Zurzibiet. Gemäss Gemeinderat sollen die Finder zehn Prozent Finderlohn erhalten, das wären 5000 Franken pro Person.

Diese Gesetzesauslegung ist allerdings umstritten. Renommierten Juristen ist unklar, wer das Gold erhalten sollte, wie die AZ berichtete. «Nur schon, weil ein klärendes Präjudiz fehlt, muss von einer offenen Rechtslage gesprochen werden», sagte Roger Rudolph, Arbeitsrechts-Experte und Lehrbeauftragter der Universität Zürich der AZ. Roland Müller, Professor für Arbeitsrecht an den Universitäten Bern und St. Gallen, legte sich sogar fest: «Die Gemeindemitarbeiter werden nach fünf Jahren Eigentümer der Goldbarren.»

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hatte zum Fall zwei Verfahren ohne Ergebnis einstellen müssen. Das erste gegen Unbekannt, das zweite gegen einen heute 59-jährigen Bosnier, von dem bei der kriminaltechnischen Untersuchung Fingerabdrücke auf dem Plastiksack nachgewiesen werden konnten. Er stellte auch Anspruch auf den wertvollen Fund, konnte aber nicht nachweisen, dass dieser ihm gehört. Beim Fund sass er schon einige Zeit wegen Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz in Haft. Danach wurde er ausgewiesen. 

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