Klingnau

Gmeind nimmt Oberstufen-Antrag an: «Diskussion über Schulqualität hat nie stattgefunden»

Im Klingnauer Schützenmatt-Schulhaus befindet sich die Bezirksschule der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA).

Im Klingnauer Schützenmatt-Schulhaus befindet sich die Bezirksschule der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA).

Die Gemeindeversammlung hat diskussionslos einen Antrag zur Schulqualität der Oberstufe angenommen. Der Gemeinderat muss nun eine Vision ausarbeiten.

Die Zukunft der Oberstufe im Unteren Aaretal gab an der Gemeindeversammlung in Klingnau vom Donnerstag einmal mehr zu reden. Und das, obwohl das Thema nicht traktandiert war. Allerdings stellte Paul Andreatta einen Antrag, den die Versammlung mit 82 Ja- zu 16-Nein-Stimmen, bei 26 Enthaltungen, annahm. Von den 2055 Stimmberechtigten waren 124 anwesend. 

So lautete der Antrag: "Der Gemeinderat erstellt zu Handen einer nächsten Gemeindeversammlung eine umfassende Vision des Schulangebots der Oberstufe, abgestimmt auf die Kriterieren der Oberstufe Unteres Aareal (OSUA)."

Zuvor hatte Andreatta ausgeführt, dass der Kanton nur Minimal-Vorgaben an die Schulqualität aufstellt. Deutlich sei dies am Podium zum Thema in Klingnau geworden, das Andreatta mitorganisiert hatte. Michael Umbricht, Generalsekretär des Bildungsdepartements von Regierungsrat Alex Hürzeler, sagte, dass es Sache der Gemeinden sei, ihre Schulbedürfnisse zu definieren. Genau dies aber sei aber bisher in der Diskussion um die Oberstufen-Standorte im Unteren Aaretal nicht geschehen, wie er im Gespräch mit der az nach der Gmeind bekräftigte. «Die Diskussion über die Schulqualität hat nie stattgefunden.» Bisher sei nur die räumliche Aufteilung thematisiert worden. Die Frage "Welches Schulangebot wollen wir?" sei aussen vor geblieben.

Oberstufen-Standorte im Bezirk Zurzach

Oberstufen-Standorte im Bezirk Zurzach

Auswirkung auf Schulangebot

Denn die räumliche Trennung von den drei Oberstufen-Abteilungen würde Folgen für das Schulangebot haben. Konkret auf das Angebot von Freifächern wie Italienisch. Bezschüler in Kleindöttingen müssten für diese Unterrichtsstunden den Schulstandort wechseln. "Es besteht keine Chance, das stundenplanerisch hinzubringen", sagte Andreatta. Dazu kommt die Durchlässigkeit des Oberstunfen-Unterrichts. Ein Sek-Schüler, der in einzelnen Fächern stark ist, könnte diese nicht im Bez-Unterricht besuchen. Genau dieses Ziel hat sich die OSUA in Klingnau für das neue Schuljahr gesetzt. "Das wäre ein Riesenplus für die Oberstufe", ist Andreatta überzeugt. 

Ein Kernpunkt bei der zukünftigen Oberstufe im Unteren Aaretal ist, wo die Bezirks-, Sekundar- und Realschulklassen unterrichtet werden sollen. Beim Projekt «Schaffung Kreisschule Aaretal», das 2016 von den Gemeinderäten der neun Aaretal/Kirchspiel-Gemeinden ins Leben gerufen wurde, ist Kleindöttingen als neuer Bez-Standort vorgesehen. Die Bezirksschulen in Leuggern und Klingnau würden geschlossen. Leuggern würde neu zum Sek- und Real-Standort. Klingnau bliebe ein solcher. 

Das gemeinderätliche Vorpreschen löste in Teilen der Bevölkerung und in den Schulpflegen grossen Widerstand aus. Mittlerweile prüfen die OSUA-Gemeinden Klingnau, Döttingen und Koblenz einen Alternativ-Vorschlag der OSUA-Kreisschulpflege, der Klingnau für die gesamte Oberstufe vorsieht. 

Millionen-Sanierung für Schulhaus

Das Schützenmattschuhaus, seit Inbetriebnahme 1980 die Heimat der Bez, steht vor einer grossen Sanierung: Laut einer Schätzung werden die Kosten bei zirka 8,2 Millionen Franken liegen. Bei diesem grossen Brocken wirkt sich negativ aus, dass die Gemeinde gerade im letzten Jahrzehnt Unterhalts- und Sanierungsmassnahmen aufgeschoben hat. Die Gemeindeversammlung stimmte nun einem Planungskredit von 125'000 Franken zu. Der Steuerfuss in Klingnau beträgt 105 Prozent, zuvor lag er jahrelang bei 103. Für die nächsten Jahre ist eine markante Erhöhung unumgänglich, wie der Gemeinderat mehrfach angekündigt hat. Wegen der finanziellen Lage hat die Gemeinde auf Anfang 2017 das Eigenwerk Elektrizitätsversorgung an die AEW Energie AG für 10,4 Millionen Franken verkauft. 

Diskussionslos hat die Gemeindeversammlung ausserdem dem 200'000-Franken-Planungskredit für die Erschliessung Obermatte zugestimmt. Die Gemeinde hofft, dass sich in diesem Gebiet oberhalb des Klingnauer Rebbergs gute Steuerzahler ansiedeln.

Bauland mit schöner Aussicht: Hier hofft Klingnau auf gute Steuerzahler

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Klingnau will das Gebiet Obermatte erschliessen. Auf dem Bauland oberhalb des Rebbergs hat es Platz für zirka 20 Einfamilienhäuser. Im Bild die grosse Obermatte-Wiese. Zum Bauland, das erschlossen werden soll, gehört auch ein Streifen Land oberhalb der Höngerstrasse

Zustimmung fanden ein 90'000-Franken-Kredit für die Sanierung der Schulspielplätze, ein 95'000-Franken-Kredit für Sicherungsmassnahmen im Schloss und in der Altstadt, zwei Verpflichtungskredit-Abrechnungen, die Rechnung 2016, das Reglement für den Klingnauer Chlausmarkt sowie drei Einbürgerungsgesuche für ingesamt 10 Personen. 

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