Koblenz

Giroflex-Verkauf: «Die Lage an der deutschen Grenze ist eher ein Vorteil»

Das Zurzibiet hofft nach dem Verkauf des Bürostuhl-Pioniers auf den Erhalt der Stellen. 180 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Koblenz.

Der Bürostuhl-Pionier Giroflex ist in neuen Händen: Der norwegische Flokk-Konzern hat sämtliche Aktien des Traditionsunternehmens aus Koblenz von der Familie Forster gekauft.

"Wir wussten, dass Giroflex gegen Anfang Jahr Stellen reduziert hat und in einem umkämpften Markt nach Lösungen sucht, um effizienter zu werden", sagte Gemeindeammann Andreas Wanzenried zur az.  

Giroflex ist nicht nur ein grosser Arbeitgeber im Bezirk Zurzach, sondern auch mit Abstand der grösste in Koblenz. Der Bürostuhl-Hersteller ist für das 1650-Einwohner-Dorf an der deutschen Grenze aber nicht nur deswegen ein besonders wichtiges Unternehmen. 

Heute geniesst die Firma über die Schweiz hinaus den Ruf eines Qualitätsbetriebs, der hochwertige Bürostühle selbst entwickelt und herstellt. Im Hauptsitz werden 130 Mitarbeiter beschäftigt, im eigenen Zulieferbetrieb Espisa auf der anderen Dorfseite weitere 50. Dazu kommen 20 im Ausland. «Weitere Stellenreduktionen würden uns schmerzen», sagt Wanzenried denn auch.

Die neueste Generation

Die neueste Generation

Der neue Bezugsstoff verwandle die Bürostühle von Giroflex «in ästhetische Klimawunder», heisst es in diesem Firmenvideo.

«Entscheidungen im Ausland»

Überrascht von der Nachricht des Verkaufs war auch Peter Andres, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Zurzibiet. «Jeder Verkauf eines Schweizer Unternehmens ins Ausland ist bedauerlich», sagt er. «Die Entscheidungen werden nun im Ausland gefällt.»

Für das Zurzibiet im Besonderen sei der Verkauf bedauerlich, weil die Möbelherstellung hier eine lange Tradition hat. Zuletzt sorgte in der Branche die ZKD aus Kleindöttingen für Negativschlagzeilen: Sie ging im April 2014 Konkurs, vier Jahre nachdem sie der Thurgauer Fred Heinzelmann von Thomas Zimmermann, dem Sohn des Firmengründers Max Zimmermann, gekauft hatte.

Giroflex-Verkauf: Einblick in die Produktion in Koblenz und Interview mit CEO Frank Forster

Giroflex-Chef Frank Forster über Verkauf: "Der Produktionsstandort Schweiz ist auf dem Prüfstand"

(20.7.2017)

Dass Giroflex nach acht Jahren Verlust erst 2016 wieder einen Gewinn verbucht habe, zeige aber, dass das Unternehmen in keiner einfachen Situation stecke. «In so einer Situation kann ein Verkauf an eine grössere Gruppe auch eine Chance sein», fügt Andres an. Im konkreten Falle sei das aus der Distanz schwierig zu beurteilen. Giroflex-Chef Frank Forster hat gegenüber der az angekündigt, dass das Unternehmen zusammen mit dem neuen Eigentümer Flokk die Situation analysieren wird. Auf mögliche Synergien angesprochen, sagt er: «Es ist klar, dass vor allem der Produktionsstandort Schweiz auf dem Prüfstand steht. Er steht in direkter Konkurrenz zu den Flokk-Standorten in Norwegen, Niederlande und Schweden.»

Als Produktionsstandort sei die Schweiz zwar teurer als jene im Ausland, sagt Andres. «Die Frage ist, welche Qualität man will, ob Synergien Sinn machen und wie Flokk als neuer Eigentümer das Label Swissmade bewertet.»

Die Grenzlage in Koblenz schätzt Andres allerdings nicht als Nachteil ein. «Diese sehe ich in diesem Fall eher als Vorteil, wegen der höheren Verfügbarkeit von Fachkräften.» Gemäss Giroflex-Angaben wohnt ein Drittel der insgesamt 180 beschäftigten Grenzgänger in der deutschen Nachbarschaft.

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