Die sagenumwobene «Gigerlinde» ist krank und kann nicht mehr gerettet werden. Die Gemeinde Tegerfelden hat sich daher entschlossen, den rund 180 Jahre alten Baum am Samstag, 17. November, aus Sicherheitsgründen zu fällen. Die Linde steht an prominenter Stelle auf dem Ruckfeld – am Strassenrand zwischen Tegerfelden und Würenlingen. Die alte Linde ist weitherum bekannt. Der «Lindegiger» ist die wichtigste Sage der Region. Demnach wohnt der Geist eines vor vielen Jahren verstorbenen Geigenspielers, des «Lindegiger», in der «Gigerlinde», spielt dort Geige und treibt Schabernack. Die Linde befindet sich auch ganz in der Nähe jener Burgruine, wo eine andere Sagengestalt zu Hause ist: die Schlüsseljungfrau.

«Die Sage hat einen hohen Stellenwert und ist auch Thema in den Schulen», sagt Gemeindeammann Lukas Baumgartner. Er ist überzeugt, dass für viele Leute das Fällen der Linde ein schmerzlicher Akt sein wird. Auch für ihn persönlich: Die Linde ziert die Etiketten der Flaschen seiner Firma Baumgartner Weinbau Tegerfelden. «Die Gigerlinde auf unseren Weinflaschen und als Logo des Betriebs weiterleben», sagt der Winzer und Önologe.

Jahrelang wurde versucht, die Linde zu retten. «Es wurde viel unternommen», sagt Baumgartner. Sogar ein Baumpfleger kümmert sich seit einigen Jahren um die kranke Linde. Totholz wurde aus der Krone entfernt, im Sommer wurde zusätzlich gewässert, Impfungen mit Mykorrhiza – einem Pilz zur besseren Nahrungsaufnahme – wurden durchgeführt. Auch der Belag der Kantonsstrasse wurde zerschnitten, damit das Wasser besser zu den Wurzeln fliessen kann. «Ein Gutachten kam nun zum Schluss, dass die Linde nicht mehr zu retten ist», sagt Baumgartner.

Der Geist wird transportiert

Damit der mythische Ort allerdings nicht ganz verloren geht (und wohl um auch den im Baum ansässigen Geist nicht allzu sehr zu verärgern), will die Gemeinde in der Nähe eine neue Linde pflanzen lassen. Dies geschieht in einer feierlichen Zeremonie rund 300 Meter vom alten Standort entfernt in Richtung Tegerfelden. Das Stück Land erwerben die Ortsbürger an ihrer Versammlung vom 16. November. Die neue Linde wiegt bereits jetzt 5 Tonnen und wird mit einem Spezialtransport angeliefert.

Begleitet wird die Zeremonie durch den in der Region verwurzelten Geschichtenerzähler Jürg Steigmeier, der die Sage vom Lindegiger zum Besten geben wird. Anschliessend wird der Geist eingefangen und von Kutscherin und Sagenerzählerin Isabelle Schmid vom alten zum neuen Baum kutschiert. Nachdem der Geist sein neues Zuhause bezogen hat, wird die alte Linde von Arbeitern des Forstreviers Tegerfelden gefällt. Danach besteht für die Anwesenden die Möglichkeit, ein Stück Holz der «Gigerlinde» als Andenken mit nach Hause zu nehmen (oder bis zum 23. November im Forstwerkhof Tegerfelden abzuholen).

Während des Anlasses wird die Hauptstrasse zwischen Tegerfelden und Würenlingen aus Sicherheitsgründen zwischen 9.30 und 11.30 Uhr für den Verkehr gesperrt. Eine Umleitung wird signalisiert. Die Gemeinde bietet einen Shuttle-Service zur alten Linde an. Treffpunkt ist um 9 Uhr auf dem Parkplatz Staltig.